Mittelalter Wiki
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Schisma - Streit unter Gottesmännern, unter königlicher Einmischung

Das grosse Abendländische Schisma (es gab auch einige kleinere) war die Aufspaltung der römisch-katholischen Kirche in zwei, am Ende sogar drei Papstämter (in Rom, Avignon und zuletzt auch Pisa) zwischen 1378 und 1417.

Vorgeschichte

Seit dem Wormser Konkordat von 1122, einem späten konsensualen Ergebnis des Investiturstreits, war die Stellung der Kirche gegenüber der Kaiserkrone politisch etwas gestärkt. Das Papsttum erstrebte seither gemäss Leitsatz des Kirchenvaters Augustinus von Hippo stärker denn je den "Gottesstaat auf Erden". Mit Innozenz III., dem erwählten Vormund Friedrichs II., erreichte es in der Tat anfangs des 13. Jahrhunderts seinen auch weltlichen Machtzenit. Dies führte allerdings in der Folge zwangsläufig zu Reibungsflächen mit den weltlichen Machthabern.

Die Auseinandersetzungen kumulierten letztlich unter Papst Bonifaz VIII. Mit der Bulle Unam Sanctam betonte dieser 1302 sehr resolut seinen geistlichen Primat auf dieser Erde. Die wichtigsten Punkte:

  • Die geistliche Instanz (also vor allem auch der Papst) sei letztzuständig für die Aburteilung von Verfehlungen weltlicher Herrscher.
  • Der Papst besitze das Schwert (zur Kriegführung), überlasse es aber aus moralischen Gründen den weltlichen Herrschern (bei dieser Aussage stütze er sich auf Lukas 22/38 und Matthäus 26/52 ab, es war keine bloss willkürliche Dogmatik).

Der französische König Philipp der Schöne sah diese päpstliche Verlautbarung, die bei den weltlichen Herrschern naturgemäss auf breite Ablehnung stiess, als willkommene Gelegenheit, den Einfluss seines Königtums zu stärken. Er setzte Bonifaz 1303 gefangen und liess die (damals nur europäische gesehene) Welt wissen, er verlege den Papstsitz von Rom ins südfranzösische Avignon.

Die Spaltung

Dort residierten die überwiegend französischen Päpste dann bis 1377. Und dies in nicht immer vollends lauterer Weise; ein Zeugnis dafür wäre etwa der Armutsstreit. Sie waren auch nur von einem Teil der Herrscher, vorab jener im Heiligen Römischen Reich, vollends anerkannt. Dieser Druck war wohl letztlich auch der Hauptgrund, weshalb sich Urban VI. 1378 entschloss, wieder nach Rom zurückzukehren.

Dieser Entscheid wiederum war nun gar nicht im Interesse des französischen Königs wie auch des französischen Klerus. Noch im gleichen Jahr wurde deshalb in Avignon der Gegenpapst Clemens VII. eingesetzt.

Der unwürdige Streit eskalierte schliesslich 1409 noch weiter, indem im italienischen Pisa ein dritter Papstthron eingerichtet wurde.

Da schliesslich alle Verantwortlichen einsahen, dass es im Namen Gottes so nicht weitergehen konnte, wurde für 1414 das Konsensfindungs-Konzil von Konstanz einberufen. Es dauerte nahezu drei Jahre, bis der Konflikt ausdiskutiert war. Erst 1417 konnte mit Martin V. ein wieder allseits anerkannter Papst in Rom installiert werden.

Literatur

Th. Schieder (Hrsg.): Handbuch der europäischen Geschichte, Band 2/3

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