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Als Bajonett (franz. baionette, span. bayoneta, ital. baionetta, engl. bayonet) oder auch Flintenspieß bezeichnet man eine dolchähnliche Klingenwaffe bzw. einen kurzen Spieß, der auf Stangenwaffen oder langläufigen Handfeuerwaffen aufgepflanzt werden kann.

Beschreibung

Das Bajonett mehr als nur reines Zubehör einer Handfeuerwaffe; es ist eine Beigabe, durch welche das Gewehr gewissermaßen seine Bestimmung verändert und zur Stoßwaffe wird.

Bereits seit dem Anfang des 16. Jhds., ja in beschränkterer Ausdehnung schon seit dem 14. Jhd., nahm man darauf Bedacht, die Waffe gleichzeitig für Stoß und Hieb, bzw. für den Schuss verwendbar zu machen. Man sah das höchste Ziel in einer Universal-Waffe, die jede Art der Anwendung gestattete.

Ursprünglich war das Bajonett eine Jagdwaffe (als Spund- und Ringbajonett) und ergab im Verbund mit einer Handfeuerwaffe eine „Stangenwaffe“ für den Fangstoß. So befindet sich z.B. in der kaiserlichen Hofwaffensammlung des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien [1] ein Spundbajonett vom Ende des 17. Jh., dessen Klinge ein vollständiges „Schweinsblatt“ darstellt.

Die Idee, aus der Schusswaffe in der so bezeichneten Art eine Stichwaffe zu machen und diese auch im Krieg zu verwenden, trat allerdings schon weit früher auf. So werden in der gleichen Sammlung auch zwei lange Faustrohre, etwa von 1580 datierend, bewahrt, die an der Stelle des Ladestockes eine Nut aufweisen, aus der sich eine spitze, pfriemenartige Klinge herausziehen und mittels einer Sperrfeder feststellen lässt. Das sind die frühesten Anfänge des Bajonettes. Als Militärwaffe erlangte es aber erst mit der Erfindung der Dille Bedeutung. Heute wird der Ausdruck nur noch auf sog. Stichbajonette begrenzt angewandt. [2]

Arten

Man kennt folgende, spezielle Benennungen:

  • 1.) Nach Art der Befestigungsvorrichtung: Spund-, Ring-, Dillen-, Dorn-, Kasten-, Auszieh-, Einschraub- u. Klappbajonette;
  • 2. Mit Bezug auf die Klingenform: Stich-, Hau-, Parthen-, Messer-, Dolch-, Degen-, Säbel-, Schaufel- u. Machetenbajonette;

Außerdem gibt es Ochsenzungenbajonette, spanische Bajonette in Messerform, dreieckige Bajonnette, böhmische Sensenbajonette, Säbel- und Haubajonette etc. Das Säbelbajonett, eines der neuzeitigsten, wird gewöhlich als Seitengewehr am Riemen getragen.

  • Dornbajonett - Verkröpftes Bajonett, an dessen Bajonettarm sich anstelle einer Dille ein halbrund-konischer Einsteckzapfen (Dorn) mit Haltefeder befindet. [3]
  • Griffbajonett - Sammelbezeichnung für Bajonette bzw. aufpflanzbare Seitengewehre mit ausgeprägter Handhabe, die es ermöglicht, die Waffe zu erfassen und (unaufgepflanzt) zum Stoß - je nach Klingenbeschaffenheit auch zum Hieb - zu benutzen. [4]
  • Kastenbajonett -
  • Notbajonett - österrische Bezeichnung für Aushilfsseitengewehre während des l. Weltkrieges, fast immer ohne eigentlichen Griff. [5]
  • Parthenbajonett - Ein Dillenbajonett mit breiter, oft bauchiger Messerklinge (18. Jh.); der Ausdruck ist ein Kompositum aus Bajonett und Barte. [6]
  • Verkröpftes Bajonett - alle Bajonette mit Bajonettarm; handwerkersprachlich verkröpft, gekröpft = 'in versetzte oder gebrochene Linie gebracht' [7].

Teile und Zubehör

  • Bajonettarm - Differenzstück (an verkröpften Bajonetten) zwischen Klinge und Dille bzw. Einsteckdorn.
  • Bajonetthaft - auch Bajonettwarze; dem Gewehrlauf aufgelötete kleine Rund- oder Vierkantnocke, die sich beim Aufpflanzen des Dillenbajonetts in den gebrochenen oder gewundenen Gang der Dille einschiebt und das Bajonett auf dem Lauf festhält; am Oberring des Gewehrs angebracht, mit seitlichen Nuten versehen oder schwalbenschwanzförmig dient die Bajonetthaft auch der Befestigung von Kastenbajonetten bzw. -Seitengewehren; zuweilen wird das Korn zugleich als Bajonetthaft verwendet
  • Bajonetthalter - Profilschiene unter dem Gewehrlauf zur Befestigung des „Kastenbajonetts“ (auch Seitengewehrhalter); an älteren Gewehren (um 1800) auch seitliche Aufsteckschiene für den gleichen Zweck; Steckbuchse zur Aufnahme des Dorns der sog. „Dornbajonette“

Herkunft

Der Name Bajonett soll sich von der französischen Stadt Bayonne herleiten, wo seit dem 16. Jh. Klingenwaffen erzeugt wurden. Ein speziell in dieser südwestfranzösischen Stadt hergestellter und nach ihr benannter Langdolch mit dreischneidiger Klinge soll im 16. Jh. namensgebend gewesen sein. Anderen zufolge wurde das Bajonett in Bayonne erst im 17. Jh. von Puységur († 1682) erfunden und zuerst angefertigt.

Allerdings wurde diese Art von Dolchen oder Stoßdegen nicht nur am Ende der eigentlichen Flinten angebracht, sondern auch die Arkebuse und vielleicht sogar die ersten tragbaren Feuerwaffen waren schon damit versehen. Für Deutschland ist der Ausdruck seit dem Ende des 16. Jhs. belegt, allerding bleibt unklar, ob damit auch bereits aufpflanzbare Klingenwaffen gemeint waren, oder ob das Wort anfänglich die Bajonne erzeugte Dolchform bedeutete und erst später der Ähnlichkeit des Gegenstandes wegen auf den Gewehrspieß übertragen wurde.

Entwicklung

Im Passauer „Zeughausregister von 1488” heißt es bezüglich einer Büchse, dass „sie einen Ahlspieß in ihrem Schaft habe”. Ob dies nun auf den Ladestock, der zu dieser Zeit aus Holz bestand, oder schon auf ein Bajonett Bezug hat, ist dabei aber nicht festzustellen.

16. Jahrhundert

Im 16. Jh. kamen Dolche mit doppeltem Daumenring in Gebrauch, die man am Schaft von Piken oder auf Stöcken befestigte, um sich ihrer gegen Reiterangriffe zu bedienen und die Reiterei zurückzuwerfen. Dieses Dolche können somit als Vorgänger des Bajonetts angesehen werden. [8]

Zum Ende des 16. Jhs. hin, in den Kriegen der Niederlande, ändert sich allmählich die Fechtweise, mehr und mehr entwickelt sich in den größeren Heeren das Feuergefecht und die Taktik streifte ihre mittelalterlichen Traditionen vollends ab. Mit der Bedeutung der Feuerwaffen kam auch das Gewehr zu überwiegender Geltung. Aber für den Ansturm auf den Gegner konnte man einer Stoßwaffe doch nicht entraten; und so blieb die Pike neben der Muskete noch beinahe ein Jahrhundert lang eine unentbehrliche Waffe.

Um das Jahr 1570 wird das Bajonett dann in Frankreich erwähnt, wo es jedoch erst 1640 allgemein eingeführt wurde und bei einigen Truppenabteilungen an Stelle der Pike trat. Auch in einem noch vorhandenen Schreiben eines gewissen Hotmann an Jakob Capellus zu Sedan aus dem Jahre 1575 [9] ist schon die Rede von einem vergoldeten Dolch, „den man Bajonett nenne”. Daher muss das Bajonett schon damals als Waffe bekannt gewesen sein.

Zum mindesten bestand zu jener Zeit das Wort, wahrscheinlich aber auch schon die heutige Verwendung der mit ihm bezeichneten Waffe, da die ältesten Bajonette eben nichts anderes als lange Dolche waren, mit Griffen aus Holz-, Eisen- oder Horn, die Hülse (bouterolle), die man in die Mündung des Laufes steckte und damit das Gewehr zur Stoßwaffe umgestaltete. Schon in diesem Entwickelungsstadium war das Schicksal der Pike entschieden, sie wurde überflüssig und verschwand aus den Heeren.

17. Jahrhundert

Die erste Erwähnung des Bajonettes, als ein „zu den Musqueden gehöriges Messer“, findet sich in den Akten des Hauptzeughauses zu Dresden im Jahre 1669. Der Nachteil der Spundbajonette, die man erst vom Gewehr herabnehmen musste, um mit diesem auch schießen zu können, führte zu Versuchen, die Klinge etwas seitlich vom Laufe zu stellen und die Verbindung durch eine Hülse (Dille) zu bewirken.

Die ersten derartigen Bajonettklingen waren gerade, in Form eines kurzen Schwertes, nicht selten für den Gebrauch im Lager auch gezahnt. Sie besitzen nicht nur Spunde, sondern auch Dillen, welche aufgeschlitzt sind und den Lauf federnd umklammern. Um die Klinge aus der Kugelbahn zu bringen und somit auch bei aufgestecktem Bajonett feuern zu können, wurde sie mit dem sog. „Hals“ versehen und seitwärts gestellt. Diese Art der Befestigung ließ jedoch noch vieles zu wünschen übrig, da nicht selten die Dillen-Bajonette beim Feuern herabfielen und im Handgemenge leicht herabgezogen werden konnten.

Sébastien Le Prestre de Vauban

In Frankreich soll das verbesserte Bajonett von Sébastien Le Prestre de Vauban (1633-1707) eingeführt worden sein, der 1703 die Steinschlossgewehre der französischen Infanterie damit versah und in dem von Frossard veröffentlichten „Oeuvres militaires” mehrere Schriften verfasste. Somit wird die Flintenmuskete besonders ihm oft zugeschrieben.

Menno van Coehoorn

In Holland wird der berühmte Festungsbaukünstler Menno van Coehoorn (1641-1704), welcher von Fachleuten mit Vauban gleichgestellt wird, für den Erfinder des verbesserten Bajonetts gehalten. Er hatte den Titel: „Generaldirektor aller Festungswerke” und Generalleutnant, war Erfinder von nach ihm benannten kleinen Mörsern und berühmt durch sein neues, Vauban entgegengestelltes System der Befestigung mit niederen Wällen. Zudem war er auch Verfasser von „Versterkinge des Vyfhoeks etc.” (1682) [10], sowie „Nieuwe Vestingbau” (1685) [11]. Coehoorn führte die Flintenmuskete um das Jahr 1680 auch bei der holländischen Infanterie ein. In der „Vesterkinge“ liest man: „Diese von mir erfundenen Bajonette können auf die Muskete so befestigt werden, dass sie nicht beim Schießen hindern usw.“

Erfinderstreit

In England wird die Rolle des Erfinder des verbesserten Bajonetts General Mackay († 1698) im Jahre 1691 zugeschrieben, wohl allerdings mit Unrecht, wie auch Sébastien Le Prestre de Vauban und Menno van Coehoorn. Es wurde selbst damals ein lebhafter Streit zwischen Coehoorn und dem holländischen Ingenieurhauptmann L. Paen wegen des Vorgangsrechtes dieser Dillen-Erfindung geführt.

Eine früher in der Culemannschen Sammlung zu Hannover [12] aufbewahrte Radmuskete vom 16. Jh. widerlegt aber gänzlich die Annahme, nach welcher die Erfindung des Dillenbajonetts in das 17. Jh. fällt; denn obige Waffe ist mit einem langen Dillenbajonnett versehen, deren Dillenring einen Einschnitt hat und deren Klinge zugleich als Krätzer dient. Allerdings bleibt die Frage, ob nicht etwa in späterer Zeit die Dille oder das ganze Bajonett auf den frühzeitigeren Lauf hinzugefügt wurde.

Galerie (17. Jh.)

18. Jahrhundert

Im 18. und bis ins 19. Jh. wurden die Bajonette immer kürzer und messerförmig. Das „Verbesserte Bajonett“ der neueren Zeit bestand aus der Klinge (lame), der Dille (douille) mit Ladestockring (virole), Hülse (bouterolle) und Zapfenloch (enlacure). Die aus der Verbindung der Flinte mit dem Bajonett bestehende Waffe wurde „Flintenmuskete“ oder „Musketenflinte“ genannt.

Um 1740 wurde in Frankreich eine solidere Befestigung der Bajonette dadurch erzielt, dass die Dille einen eingefeilten, „gebrochenen Gang“ erhielt, der seine Führung durch das Visierkorn oder eine an den Lauf geschweisste Narbe erhielt. Aufgesteckt wurde es durch eine Feder gehalten. Im 18. Jh. besaß die sächsische Infanterie auch Bajonette mit Säbelgriffen, die seitlich am Lauf befestigt wurden. Von Frankreich aus gelangten die dreikantigen, pfriemenartig gebildeten Bajonette in die anderen Heere; sie wurden auch in Lüttich, der großen Kriegswaffen-Werkstätte, in Massen erzeugt. Später erhielt die Klinge bei etwas zunehmender Länge einen vierseitigen Querschnitt mit konkaven Flächen.

19. Jahrhundert

Der sog. Bajonetthals wird am Anfang des 19. Jhs. zylindrisch und abgebogen, die Ellinge erhält zur Sicherung vor der den Lauf verlassenden Kugel eine geringe Neigung zur Seite. Erst um 1840 finden sich die ersten Haubajonette ohne Dillen, ähnlich den alten sächsischen, aber mit Yatagan-ähnlichen Klingen nach dem System Delvigne, mit denen zuerst die Chasseurs d'Orleans ausgerüstet wurden.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Heeresgeschichtliches Museum in Wien, Österreich (KHM Wien)
  2. Seifert, Blankwaffenkunde. aaO. S. 6
  3. Seifert, Blankwaffenkunde. aaO. S. 14.
  4. Seifert, Blankwaffenkunde. aaO. S. 23.
  5. Seifert, Blankwaffenkunde. aaO. S. 42.
  6. Seifert, Blankwaffenkunde. aaO. S. 45.
  7. Seifert, Blankwaffenkunde. aaO. S. 61.
  8. Demmin, Kriegswaffen. aaO. S. 757 ff. (Dolche)
  9. Archiv für Geschichte etc. (1828). pag. 70.
  10. Coehoorn, Menno van. Versterkinge des vijfhoeks met alle sijne buytenwerken. Leeuwarden 1682.
  11. Coehoorn, Menno van. Nieuwe vestingbouw op en natte of lage horizont. Leuwarden 1685
  12. Sammlung Friedrich Georg Hermann Culemann (1811-1886) im kulturgeschichten Museum August Kestner in Hannover.
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