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Die Spuren des Bergbaus weisen in Mittel- u. Nordeuropa bis in die vorgeschichtliche Zeit. Bei den Germanen allerdings war der Gebrauch von Metallen älter als die Fertigkeit, sie im Bergbau selbst zu gewinnen.

Beschreibung

Der Bergbau bildete die Grundlage der Metallkulturen und wurde zu einem wichtigen Faktor der Verkehrswirtschaft. In weitverzweigten Handelsbeziehungen gelangten die Metalle, deren Erzeugung überwiegend Marktproduktion war, bis in die fernsten Stätten des Bedarfs.

Eisenzeit

Noch Tacitus berichtet im 1. Jhd. n. Chr. von einer nur geringe Bergbautätigkeit der Germanen, was daran lag, dass er glaubte, dass Germanien an Eisen wenig, und an Gold und Silber nichts erzeuge. [1] Sprachliche und andere Gründe deuten auf erstmals einwirkende Beziehungen zu den Kelten, die eine nach Umfang und Technik bedeutende Metallproduktion betrieben. [2] [3]

Die keltische und vor allem die römische Bergwerkstechnik betätigte sich z.T. in Großbetrieben mit sehr bedeutenden Arbeitermassen, ebenso die Hüttentechnik. Sie war der Technik der Germanen weit voraus, und erst schrittweise holten jüngere Erfindungen, wie z.B. die mechanische Hebung der Grubenwässer die verschwundene Kenntniss wieder nach. Funde in Aljustrel (Portugal) erwiesen sogar eine spezifische Bergbau-Unternehmungsgesellschaft als den Römern bereits lange bekannt.

Mehrfach führten die "Barbaren" eine Unterbrechung und sogar die Einstellung des römischen Bergbaus herbei. Aber an verschiedenen Orten traten die Germanen zumindest in äußere Beziehungen zu älterem Bergbau, und eine Reihe von Bergwerken wurde später dort betrieben, wo insbesondere schon die Römer abgebaut hatten. Die gallischen Cotiner als Untertanen der Quaden, wahrscheinlich im heutigen Mähren in Eisengruben, während die Langobarden Herren pannonischer Bergwerke wurden. Auch an einen möglichen Fortbetrieb des Zinnbergbaues durch die Kelten in Cornwall ist zu denken.

Völkerwanderungszeit

Im 3. und 4. Jhd. befand sich der römische Bergbau bereits in starkem Niedergang. Zwar könnten einzelne Betriebe durch römische Provinziale oder Einheimische der nunmehr germanischen Reichen fortgeführt worden ein, aber eine volle Kontinuität ist nirgends wahrscheinlich, da sich die kulturellen Voraussetzungen allgemein veränderten und sich die Bergbauindustrie nicht isoliert auf gleicher Stufe erhalten ließ.

Nur wenige Ausdrücke wurden auch in die Sprache übernommen (wie z.B. aquaeductus, puteus, testa, massa, furcula); die reiche Terminologie für die Gegenstände, Personen und Funktionen des Berg- und Hüttenwesens ist fast durchwegs späteren Datums.

Im Ganzen ist es wahrscheinlich, dass die Verbindung zurück nur durch wenige Überbleibsel keltischer und römischer Bergwerksbevölkerung vermittelt wurde, die in den Germanen aufgingen, wogegen sich die Hauptmasse im Verlauf der äußeren Kämpfe zerstreute. Seit wann genau im Gebiet des alten norischen Bergbaus germanische Betriebe auf Eisen entstanden, ist ungewiss und ebenso zweifelhaft die Bedeutung der Überlassung von Bergwerken in Pannonien an die Langobarden durch Kaiser Justinian im Jahre 548.

Frühmittelalter

In Gegenden, wo sich eine romanische Bevölkerung forterhielt (wie im Montafon), läßt sich aber durchaus jüngerer Bergbau bezeugen; genau wie die bergmännische Betätigung einzelner Romanen (Walen), die in Resten unter der neuen Bevölkerung lebten. So wird z.B. aus dem Jahre 790 ein Latinus als Goldwäscher erwähnt [4].

Die Lager des steirischen Erzberges wurden von Germanen frühestens seit Ende des 8. Jhds. betrieben. Urkundliche Zeugnisse seither beweisen die Verbreitung des Eisenbergbaues in zahlreichen Betriebsstätten über das nördliche und südliche Alpengebiet (Montafon c. 831, Obdach 931, Bergamasker Alpen), im Westen über Neustrien [5], weiter über Mitteldeutschland, wie im Weiltal und Wetzlarer Gebiet 780, Grabfeld, Kirchbracht usw. In England reichen Nachrichten über Eisengruben in die sächsische Zeit zurück, wie z.B. in Kent. [6] [7]

Seit mind. dem 10. Jhd. bezogen die nordischen Länder Silber aus dem deutschen Raum. Die ältesten Zolltarife bezeugen einen Metallhandel im 10. Jhd. (z.B. 983 Visé: für Eisen und andere "Metalle"), allerdings nur dürftig im Verhältnis zu der weitverbreiteten Anwendung der Metalle selbst.

Hochmittelalter

Im 11. Jhd. zeugen Zolltarife vom Handel in Dinant mit Kupfer, Zinn, Blei und anderen Metallen (1070 bzw. 1047?). Einen Hauptexportartikel bildete englisches Zinn; doch lassen sich die Handelswege nicht verfolgen. Dass der Metallhandel z.T. in den Händen des jüdischen Bevölkerungsteils lag, gilt für Devon und Cornwall, vermutlich auch für das Festland, wobei seine Bedeutung für die Erschließung des Fern- und Nahhandels hervorgehoben werden muss.

Im 12. Jhd. treten Romanen der bürgerlichen Walenkolonien als Bergwerksunternehmer auf [8] In Koblenz ist aus dem Jahre 1104 der Handel mit Kupfer bezeugt. Mitte des 12. Jhds. wurde an der Lechbrücke ein Zoll auf den Handel mit Eisen, Stahl, Blei und Kupfer erhoben. Das nach Köln und weiter westwärts ausgeführte Kupfer stammte um 1103 aus den Harzer Bergwerken.

Abbau der verschiedenen Metalle

Bleiabbau

Der bergmännische Abbau von Blei hing z.T. mit dem von Silber (silberhaltige Bleierze) zusammen, so z.B. in Goslar. Im Allgemeinen berichten über Bleigruben die Gesta Dagoberti I. regis Francorum [9] (c. 40) und das Capitulare de villis. Im Hessischen bestand ein Bleibergwerk nach den Traditiones et antiquitates Fuldenses [10]. Englische Bleigruben werden seit der Sachsenzeit durch urkundliche Nachrichten (Worcestershire 836, Somerset), auch durch das Domesdaybook (1086) bezeugt; Bedeutung erlangte die Bleigewinnung von Alster-Moor und Derbyshire.

Eisenabbau

Alter Eisensteinbergbau in Deutschland wird von dem Dichter Otfried von Weißenburg (um 790-875) am Main in der ersten Hälfte des 9. Jhds. erwähnt. Der Erzberg bei Amberg wird 931 urkundlich genannt. Insgesamt aber war der Bergbau mit Schächten und Stollen auf Eisenstein in der ersten Hälfte des Mittelalters noch selten. Eine Verordnung Karls des Großen (747-814) legt dem Amtmann (judex) die Anzeigepfiicht für alle in seinem Gebiet befindlichen Eisensteingruben (fossae ferrari) auf.

Der Eisenstein fiel aber nicht unter das Bergregal (Bergrecht), sondern war freies Eigentum des Grundbesitzers, des Gutsherrn oder der Gemeinde. Diese mußten davon eine Abgabe in natura an die Landesherrschaft leisten. Die Lorscher Chronik (Traditiones Laureshamenses) meldet, dass unter König Karl und dem Abt Helmerich, der von 780 bis 785 regierte, ein gewisser Adelolt dem Kloster Lorsch den dritten Teil seiner Eisengrube in der Gemarkung Wannendorf (Kreis Wetzlar) geschenkt habe.

Goldabbau

Von Edelmetallen wurde Gold im Flußgebiet der Alpen als Waschgold gewonnen, vielleicht auch bergmännisch (wie nach Chron. Merseb. c. 3: Godefridesrod, ubi effoditur aurum). Zu einer geregelten Produktion scheinen sich, als Zinsbetriebe der Königlichen Kammer, die Goldwäschereien am Po und dessen nördlichen Zuflüssen, wie Adda (872) und Tessin (1014) entwickelt zu haben, auf deren Existenz auch die karolingisch-italienische Goldausprägung weisen dürfte. Diesseits der Alpen lieferten nach urkundlichen Quellen Waschgold die Salzach und deren Nebenflüsse (790, 908, 1074), die Donau (Ende 10. Jhd.), der Rhein (9. Jh., 778?). Reicherer Ertrag ist vor dem schlesischen Goldbergbau (seit dem 13. Jhd.) kaum erzielt worden.

Kupferabbau

Nach Kupfer, von dessen bedeutenden vorgeschichtlichen Betriebsstätten insbesondere in den Alpen sich alle Kunde verloren zu haben scheint, grub man im Frankenreich nach Otfrid von Weißenburgs Zeugnis im 9. Jhd. Reichere Ausbeute gaben die Lager von Goslar.

Silberabbau

Silber, Himmelsfürst Mine, Brand-Erbisdorf, Freiberg 37896

Silber aus der Himmelsfürst Mine Brand-Erbisdorf (Landkreis Freiberg, Sachsen)

Die Erzeugung von Silber war wenigstens seit der spätkarolingischen Zeit als bereits beträchtlich anzusehen, was aus dem großen Exporten (Handel in den Orient, Normannentribut, Dänengeld) zu schließen ist. In Deutschland sind Betriebsstätten durch eine Münzumschrift unter Karl dem Großen und durch Otfrids Bericht (silabar ginuagi) nachzuweisen.

Auch eine Urkunde Karls III. von 882 erwähnt königliche Eigenbetriebe (?) im Silberabbau. Unter Otto I. begann der Abbau der Lager von Goslar mit Silber, Blei und Kupfer, womit das bedeutendste der Reviere erschlossen war, das erst durch Freiberg, Iglau und insbesondere Kuttenberg im Laufe des 13. Jhds. überholt wurde. [11]... Weiterlesen.

Zinnabbau

Der Zinnbergbau blieb auf das westliche Devon und das angrenzende, zuletzt steigende Bedeutung gewinnende Cornwall beschränkt; noch in die angelsächsische Zeit führen einige Spuren zurück. Böhmisches Zinn wird nicht vor dem 13. Jhd. bezeugt.

Verwandte Themen

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania). Übersetzung "Die Germania des Tacitus". Anton Baumstark: Freiburg 1876. Digitalisat auf Wikisource. Kap. 5 f.
  2. Sprachvergleichung und Urgeschichte. Schrader. Jena 1906-07. Band II (1. Aufl.): Die Metalle.
  3. Deutsche Altertumskunde (Internet Archive). Karl Müllenhoff. Berlin 1870-1908. Band 4, S. 158.
  4. Jung, Römer und Romanen in den Donauländern, 2. Aufl. 5. 263
  5. s. Capitulare de villis 812 c. 62
  6. Das Eisenwesen in Innerberg-Eisenerz bis zur Gründung der Innerberger Hauptgewerkschaft im Jahre 1625 (Google Books). Ludwig Bittner. Gerold in Comm., 1901
  7. Geschichte des Eisens in Inner-Österreich von der Urzeit bis zum Anfange des XIX. Jahrhunderts (Band I) (Google Books). Alfons Müllner. Halm und Goldmann, 1909.
  8. 1188 laut Urkdb. Goslar I, S. 354
  9. Gesta Dagoberti I. regis Francorum (Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters). Repertorium Fontium 4, 724. Entstehungszeit: 830-835.
  10. Traditiones et antiquitates Fuldenses (MDZ). Ernst Friedrich Johann Dronke. Müller, Fulda 184. S. 39
  11. Geschichte Des Mittelalterlichen Handels Und Verkehrs Zwischen Westdeutschland Und Italien Mit Ausschluss Von Venedig (Google Books). Aloys Schulte. Duncker & Humblot, 1900.
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