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Das Blei war in Nord- wie in Südeuropa schon in der Bronzezeit bekannt. Es wurde in Mykenae (Griechenland) und in fast allen Schichten von Hissarlik (Troja) gefunden [1], auch Homer erwähnt es in der Utas.

Geschichte

In der Schweiz wurde Blei als Besatz an Bronzenadeln in den Pfahlbauten von Cortaillod und Corcelettes am Neuenburger See nachgewiesen [2], und es tritt als Bleiweißbelag auf einem Bronzeschwert von Alsen auf [3]. In Hallstatt, also in der Übergangszeit von der Bronze- zur Eisenperiode, kommt es, zu dünnen Stäbchen oder Draht ausgezogen, als Futter der umgebogenen Ränder bei Kesseln, einem Helm, sowie als Ausfüllung des Bodens bei einigen Bronzegefäßen vor [4].

In Britannien fand man in Denkmälern der Bronzezeit bleierne Kelte (Äxte), die wahrscheinlich dazu dienten, Formen aus Ton oder Sand für den Guß der Bronzewaffen herzustellen, und alle bis 1880 untersuchten schottischen Bronzegeräte enthielten Zusatz von Blei. Die Spärlichkeit der Bleifunde aus älterer prähistorischer Zeit beruht zum Teil jedenfalls auf unvollständiger Erforschung. Da das Blei durch Oxydation u.a. leicht verändert wird, ist es oft nicht gut zu erkennen und wohl manchmal übersehen worden. Auch hat es nie die Rolle gespielt wie die vornehmeren und härteren Metalle.

Bleibergwerke

Bleibergwerke sind für Griechenland und Italien durch die klassischen Schriftsteller kaum bezeugt; aber es ist anzunehmen, dass an all den Orten, von wo die Nebenprodukte des Bleis, wie Bleiglätte, Bleiweiß, Schwefelblei usw. bezogen wurden, auch Blei produziert wurde (so bei Pergamon, in Kilikien, Kypern, Rhodos, Puteoli und auf Sizilien), und dass da, wo Silber aus Bleiglanz gewonnen wurde (wie im griechischen Lauriongebirge und im makedonischen Pangaeos), auch das Blei verwertet worden ist. Besonders bekannt waren die Bleigruben Spaniens, aber auch in Sardinien und Gallien wurde Blei gewonnen.

In Deutschland wurden von den Römern Bleibergwerke betrieben, so „im Lahn- und Siegtal, in Commern in der Eifel, am Tranzberg bei Gull, in Wiesloch bei Heidelberg". Besonders ergiebig war die Bleiproduktion Britanniens zur Römerzeit, wie das Zeugnis des Plinius (NH. 34, 164) und die zahlreichen Funde von gestempelten Bleibarren in Staffordshire und Cheshire zeigen. Die Auffindung der erwähnten bleiernen Kelte macht es wahrscheinlich, dass die alten Bleiwerke in diesen Gegenden wie auch in Flintshire, in der Umgegend von Matlock (Derby) und in den Mendip Hills (Somerset) schon zur Bronzezeit in Betrieb waren (Holmes aaO. 252).

Etymologie

Der griech. Name des Bleis, der in vielfacher Form als μóλιβoς (molibos, Hom.) überliefert wird, und der sich neugriechisch als μoλυβι (molybi) erhalten hat, kehrt sowohl im lat. plumbum als auch in hindost. mulwa, zig. molliwo wieder. Aus diesen und weiteren Sprachvergleichen z.B. mit dem gemeingermanischen Namen des Bleis, *bliwa , mit ahd. blio (für blíw), mhd. blí (gen. bliwes) usw, kann man den Schluß ziehen: dass das Blei schon den Indogermanen bekannt war. Der Name braucht nicht einmal aus einer nicht-indogermanischen Sprache entlehnt zu sein, sondern kann aus indogermanischen Sprachmaterial, vielleicht aus einer Farbenbezeichnung abgeleitet sein, vgl. lit. mely-nas- 'blau', mulvas - 'rötlich, gelblich' [5].

Der gemeingermanische Name des Bleis *blíwa ist im Gotischen nicht belegt und fehlt auch in der Angelsächsischen Sprache. Hier findet sich statt dessen ein Ausdruck, der auch in den anderen westgermanischen Sprachen bekannt ist: wgerm. *lauda n. = ags. léad n. (dazu léadgedelf n. - 'Bleigrube'), me. léd, ne. lead - 'Blei'; and. -lód in segelód n. - 'Richtblei'. Mnd. lót n. - 'Blei' und alles aus Blei Gemachte; ndl. lood - 'Blei' und eine Gewichtsart; ahd. unbelegt, mhd. lót n. - 'Blei, aus Blei gegossenes Gewicht', nhd. lót n. - ein Gewicht. Das Wort ist verwandt mit dem altirischen luaide (Grundform *loudhiá oder *loudiá). Ob Entlehnung oder Urverwandtschaft vorliegt, läßt sich nicht entscheiden.[6]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Schliemann Myk. 87; Ilios 286. 292. 563. 653 f. 692 f.
  2. Keller in Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft Zürich, Ausgabe XII. 3, 150 u. Tafel II 51-55; ebd. XIII. Abt. 2, H. ß, 102 und Tafel VII 3. 5
  3. ZfEthn. 15. aaO. S. 105-107
  4. Das Grabfeld von Hallstatt in Oberösterreich und dessen Alterthümer (Internet Archive). Eduard von Sacken. Wien, Braumüller, 1868. S. 119
  5. Reallexikon der indogermanischen Altertumskunde (Internet Archive). Otto Schrader. K. J. Trübner Verlag. Straßburg, 1901. S. 97.
  6. Vorstudien zu einem altniederdeutschen Wörterbuche (Google Books). Johan H. Gallee. E. J. Brill (1903). Reprint HardPress, 2013. ASIN: B009MPMTZ8. S. 260
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