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Die Burgunder bzw. Burgunden (Burgundiones, Burgundii) waren ein ostgermanischer Volksstamm, der zu den Vandalen gehörte und in der Spätantike an der Rhóne ein eigenständiges Reich errichtete. Im 6. Jh. wurde ihr Gebiet in das Frankenreich integriert. [1]

Beschreibung

Bereits Plinius nennt die Burgo(n)diones als einen Zweig seiner Vandili [2] und Claudius Ptolemäus (2. Jh.) setzt diesen Volksstamm ins nordöstliche Germanien zwischen Oder und Weichsel. Ihre Westnachbarn sind bei ihm die Semnonen. Bei Tacitus fehlen sie auffälligerweise. Die eigenartige Sprache der Burgunden lässt zwar deutlich die ostgermische Herkunft erkennen, zeigt aber daneben auch den Einfluss der späteren westgermaischen, im Besonderen alemannische Nachbarschaft.

Namensdeutung

Der Name der Burgunden lässt auf ihre Herkunft schließen. Er ist mit verschiedenem Ausgang überliefert: als Burgundiones, Burgundziones, Burgund(i)i; ags. Burgendas. Für das Germanische darf man einen Wortstamm *Burgundian-, *Burgundia-, *Burgundi- ansetzen. Der Name leitet sich von der Insel Burgund ab - 'Bornholm', worauf auch ihre jüngere Benennung Burgundarholmr, d. h. Insel, die Burgund heißt, schließen lässt. [3]

Auch im Reisebericht des Seefahrers Wulfstan von Haithabu aus dem späten 9. Jh. [4] heißen seine Bewohner einfach Burgendan und Burgendas. Der Inselname selbst darf mit aind. brhánt - 'groß, hoch' usw. zusammengebracht und als 'Bergland' gedeutet werden. Mit den keltischen Brigantes jedoch haben die Burgunden, abgesehen von der zufälligen Verwandtschaft der Namen, nichts zu tun.

Bestätigung findet diese Deutung durch einen anderen, in der Passio Sigismundi [5] überlieferten Namen des Volkes, nämlich Burgundofarones, der genauso gebildet ist wie das angelsächsische Lindisfaran - 'Bewohner der Insel Lindisfarena éa', anord. Hallandsfari, Sjálandsfari - 'ein Mann aus Halland, Seeland', noch jetzt dän. Sjællandsfar, wobei zu beachten ist, dass dieses fara, fari immer nur in Verbindung mit Namen von Inseln oder Küstenlandschaften gebraucht wird.

Verbreitungsgebiet

In einer Theorie wird Bornholm als wichtige Zwischenstation der Burgunden angesehen, die von Skandinavien her nach Süden drängten. Einige archäologische Hinweise bestätigen die Theorie der Auswanderung der Burgunden von Bornholm nach Pommern, was aber nur eine Etappe einer weiteren Wanderung nach Süden war. Allerdings kann man deren Zeit recht gut bestimmen, da sie von der zweiten Periode der Latènezeit an, die dort um 200 v. Chr. beginnt, ihre Wirkungen äußert.

3. Jahrhundert

Aus dem Flußgebiet der Netze und Warthe (ein Nebenfluss der Oder in Polen) wurden die Burgunden um die Mitte des 3. Jh. n. Chr. vom Stamm der Gepiden verdrängt - hier besagt eine neuere Theorie, dass sie nun zum Teil nach Norden zogen und sich erst zu diesem Zeitpunkt auf Bornholm (Burgunda-Holm) niederließen. Einen Hinweis auf die erst späteren ostgermanischen Sitze der Burgunden gibt der Name von Burgundaib, wo die Langobarden auf ihrer Wanderschaft zeitweilig Rast hielten. Aufgegeben haben sie dieses nach ihnen benannte Land infolge des unglücklichen Kampfes mit den Gepiden, wie der Historiker Jordanes in seiner Getica (17) berichtet.

Die große Masse des Volksstammes der Burgunden wendete sich gegen Westen und setzte sich zunächst in den Maingegenden fest. Unter Kaiser Marcus Aurelius Probus (276-282) machten sie sich zuerst durch einen in Gesellschaft von Vandalen unternommenen Einfall auf römischen Boden bemerkbar und fassten noch gegen Ende des 3. Jhs. am oberen Main festen Fuß, wo durch das Vordringen der Alemannen über den Limes Land frei wurde.

Nach den Berichten des Historikers Ammianus Marcellinus aus dem 4. Jh. grenzten beide Völker an einer Stelle des alten Limes aneinander. Mit den Alemannen griffen sie um 290 das römische Gebiet an, doch blieben dann ruhig vor den Römern in ihren Sitzen. Allerdings gab es zwischen ihnen öfters Streit wegen der Grenzen und des Besitzes von Salzquellen (von Schwäbisch-Hall oder Kissingen), wie solche seinerzeit auch zwischen Chatten und Hermunduren ein Kampfobjekt gebildet hatten.

4. Jahrhundert

Im Jahre 373 zogen 80,000 Burgunder gegen die Alemannen an den Rhein, um sie auf Valentinians Veranlassung zu vertreiben; doch vergebens.

5. Jahrhundert

Als die Vandalen, Sueben und Alanen in Gallien einbrachen, wurden auch die Burgunder im Jahre 407 von dem römischen Heermeister Flavius Stilicho (um 362-408) dazu aufgefordert. Sie nutzten die günstige Gelegenheit, um sich im nördlichen Teil der römischen Privinz Germania I häuslich einzurichten. Von da zeigten sie sich unter ihrem König Gundikar im römischen Gallien, wo sie sich an der Aar und Rhone niederließen und am Fuße der Alpen ein mächtiges Reich gründeten (Burgund). Während ihres Aufenthaltes am Rhein wurden die Burgunder zum Christentum bekehrt und bekannten sich zum Arianismus.

Im Jahre 411 sind sie in Mainz bezeugt, und in diesen Sitzen im Wormsgau, an die das Volksepos die Erinnerung bewahrt hat, nahmen sie alsbald als erster Germanenstamm - wie später die Isländer auf Beschluss der Landsgemeinde - das katholische Christentum an. Ab 413 siedelten die Burgunden unter König Gunther links des Rheins und gründen die Hauptstadt Worms.

Der römische Feldherr Flavius Aetius (390-454) hetzte daraufhin die verbündeten Hunnen auf sie, um dem weiterem Umsichgreifen entgegenzutreten. Im Jahre 436 erlitten die Burgunden gegen Aetius und die Hunnen eine schwere Niederlage, bei der auch ihr König Gundicharius sein Leben ließ. Nur ein kleiner Rest, der in die Berge Savoyens flüchtete, überlebte. Der Untergang der Burgunder unter König Gunther ist Thema des Nibelungenliedes. Westrom musste den Hunnen zum Dank dafür Pannonien (Ungarn) abtreten. [6]

Das sehr geschwächte Volk wurde im Jahre 443 in Sapaudia an den Westalpen neu angesiedelt, erholte sich dort rasch und breitete sich weiter aus, war aber den mächtig aufstrebenden Franken nicht gewachsen.

6. Jahrhundert

Im Jahre 533 wurde Burgund durch Chlodwigs Söhne dem Fränkischen Reich einverleibt.

Regierungsform

Aus dem 4. Jh. berichtet Ammianus Marcellinus, dass die Burgunder unter einem König (hendinos) standen, der in seiner Macht beschränkt und bei Misserfolg im Krieg oder Misswachs auch absetzbar war (vgl. Königsabsetzung). Daneben stand ein Oberpriester (sinistus), der unabsetzbar war und auf Lebenszeit gewählt wurde. Dieses Regierungssystem zeigt einen Zug von hoher Altertümlichkeit, der sonst auf germanischen Boden nur im Norden, aber nicht mehr bei den Südgermanen Parallelen findet und ebenfalls auf ihre nordische Herkunft hinweist. Zudem hatten die Burgunder hatten Wahrsager, deren Befragung auch in christlicher Zeit noch fortdauerte. Die Toten, eingewickelt in Schleier und Mäntel, begruben sie übereinander.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Burgunden
  2. Die Natugeschichte des Cajus Plinius Secundus (Internet Archive): Ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen versehen. Plinius der Ältere. Übersetzung: Wittstein, Georg Christian; Tippmann Collection. Leipzig : Gressner & Schramm, 1881. Buch IV, 99
  3. Kossinna: Indogermanische Forschungen. 7, 282 ff.
  4. erhalten in der Übersetzung von Paulus Orosius’ Historiae durch Alfreds des Großen
  5. Passio Sigismundi 333, 9 (Script. rer. Merov. II ed. Krusch)
  6. Geschichtsbaum Deutschland. National Geographic Deutschland. Britta Orgovanyi-Hanstein. Candor-Verlag, 2006. ISBN 3200005572, ISBN 9783200005570.
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