Mittelalter Wiki
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Das Christentum gab dem Europa des Mittelalters eine maßgebliche Prägung. Es bestimmte Philosophie, Kunst, Literatur und Architektur. Der Klerus bemühte sich in einer Gesellschaft, die glaubte, ihr Schicksal sei von Gott vorherbestimmt, für das Seelenheil der Menschen und deren sittliche Festigung auf der einen Seite und die wirtschaftliche und politische Erstarkung der Kirche auf der anderen Seite.

Beschreibung

Während des Mittelalters wurde das Christentum die beherrschende Religion in Europa. Seine religiöse Expansivpolitik erfolgte teils friedlich durch ein allmähliches Einströmen und Durchdringen im Volk, teils durch gewaltsame Bekehrungskriege (wie z.B. die Zwangsbekehrung Norddeutschlands). Dazu parallel erfolgte die Herausbildung der absoluten Monarchie in der abendländischen Kirche, die in der obersten Regierungsgewalt des Papstes gipfelte.

Auch aufgrund der politischen Uneinheit der europäischen Völker, nahmen am Ende des 7. Jhds. die Kirchen auf germanischen Boden die Bekehrung des restlichen Kontinents selbst in die Hand, in enger Verbindung mit politischen Gedanken der Eroberung. Die Bekehrung führte zu einem Verwachsen der Religion mit dem Volksleben und vereinheitliche (romanisierte) weite Teile der Kultur der europäischen Völkerschaften, die die Voraussetzung war für eine neue gemeinsame Geistesgeschichte. Allerdings zeigten sich bereits damals auch einige Meinungsverschiedenheiten, es kam zur Loslösung der östlichen Orthodoxen Kirche von der Römischen Kirche im Rahmen des Morgenländischen Schismas von 1053.

Vor und während des Mittelalters entstanden die christlichen Ordensgemeinschaften der Benediktiner, Dominikaner, Franziskaner, Prämonstratenser und Zisterzienser und ebenso die Ritterorden wie Johanniter (Malteser), der Deutsche Orden oder die Templer. Sie bauten neben den Klöstern auch Hospitäler, die sie betreuten.

Entwicklung

  • 325 - Konzil von Nicäa. Kaiser Konstantin der Große und ca. 300 Bischöfe streiten über den Arianismus und legen das neue Nikäische Glaubensbekenntnis (athanasische Dreifaltigkeitslehre) verbindlich fest. Zudem wird das Osterdatum und der Beginn des Frühlingsfestes festgelegt, und dadurch die Grundlage für den Gregorianischen Kalender geschaffen.

Frühmittelalter

Im 8. Jh. des Frühmittelalters gab Bonifatius der Kirche eine Diözesenverfassung für die Bistümer Salzburg, Passau, Regensburg, Freising und Eichstätt. In dieser Zeit wurden auch viele Klöster gegründet. Zur Zeit der Regentschaft Kaiser Otto I. 962 bis 973 wehrten sich Familie und Adel gegen seine zentrale Königsmacht im Heiligen Römischen Reich. Daher vergab er Lehen an ihm genehme Bischöfe und Äbte und gründet damit das Reichskirchensystem.

  • 664 - Die Synode von Whitby im Northumbria bringt die Entscheidung für die römische Kirche in Britanien, gegen die schottisch-irische Kirche.

Hochmittelalter

Das wichtigste kirchliche Ereignis des Hochmittelalters war das Morgenländische Schisma, welches die römische Westkirche und die orthodoxe Ostkirche von Byzanz 1054 entzweite.

Christus als Gesetzgeber (Hessen, um 1180-1250)

Ab dem 11. Jh. erfolgte eine Kirchenreform, ausgehend vom französischen Kloster Cluny in Burgund. Zudem wurden viele Zisterzienserklöster erbaut, die nur dem Papst unterstanden. Im 13. Jh. entstanden die Bettlerorden der Franziskaner, die sich auf Franz von Assisi beriefen, und die Dominikaner. Allgemein wurde die Gesellschaft stark verchristlicht.

Zwischen 1039 und 1056 förderte Kaiser Heinrich III. (HRR) die kirchliche Reformbewegung, die vom Kloster Cluny ausging, und befreite das Papsttum aus der Abhängigkeit des römischen Adels. Die Kirchenreform richtete sich gegen die Verweltlichung und Politisierung der Kirche. In diesem Zeitraum läuterten deutsche Reformpäpste ihrerseits den Klerus.

Unter Kaiser Heinrich IV. (HRR) (1056-1106) richtete sich die Kirchenreform seines Vaters nun gegen ihn und das Heilige Römische Reich. Zusammen mit seinen Herrschaftsansprüchen als Römisch-Deutscher Kaiser in Italien führte das im 11. Jh. zum Investiturstreit. Dabei ging es um das Recht der Amtseinsetzung von Geistlichen (Investitur). Dabei stellten sich die meisten Fürsten auf die Seite des Papstes gegen den Kaiser, und Heinrich musste im Gang nach Canossa im Jahre 1077 Buße tun.

  • 1095 - Papst Urban II. ruft zum 1. Kreuzzug auf. Beginn der Kreuzzüge.
  • 1113 - Gründung des Johanniterordens: Schwarzer Mantel mit weißem Kreuz, roter Waffenrock mit weißem Kreuz (Malteserkreuz).
  • 1119 - Gründung des Templerordens: Weißer Mantel mit rotem Kreuz.
  • 1216 - Der Bettelorden der Dominikaner wird gegründet und vom Papst bestätigt.
  • 1223 - Der Bettelorden der Franziskaner wird gegründet und vom Papst bestätigt.

Spätmittelalter

Im 14. Jh. des Spätmittelalters wurde die Einheit der christlichen Kirche durch das große Abendländische Schisma erschüttert: Die Wahl eines eigenen Papstes durch den französischen König führte zur Spaltung der Kirchführung (Exil von Avignon), die erst auf dem Konzil von Konstanz (1414-1418) beigelegt werden konnte. Auf diesem Konzil wurde auch der böhmische Reformator Jan Hus trotz Zusage des freien Geleits verbrannt, was wiederum die die Hussitenkriege in Böhmen auslöste und zu großen Plünderungen bis tief ins Heilige Römische Reich führte.

  • 1302 - Papst Bonifaz VIII. verkündet in seiner Bulle “Unam sanctam” den päpstlichen Weltherrschaftsanspruch.
  • 1414 bis 1418 - Das Konzil von Konstanz wird ranghöher als die Stimme des Papstes eingestuft und beendet das Abendländische Schisma.
  • 1415 - Verurteilung und Verbrennung des böhmischen Reformators Johann Hus auf dem Konzil von Konstanz, obwohl ihm freies Geleit zugesagt wurde. (Auslöser der Hussitenkriege in Böhmen)
  • 1481 - Die Inquisition führt in Spanien zu fanatischer Religiosität.

Renaissance

Der Beginn der Renaissance im 16. Jh. ist in der christlichen Kirche geprägt von der Reformation. Der Auslöser dafür sind Ablasshandel, Opposition gegen Kurie und Papsttum und Missstände beim Klerus. Im Jahre 1517 veröffentlicht der Mönch Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg und löst damit die Reformationsbewegung aus. Diese führt zur Spalung der westlichen Kirche in protestantische und ein katholisches Glaubensbekenntnis.

Durch die Erfindung des Buchdrucks (Gutenberg, 1445) wird die Reformation rasch verbreitet, und die Bibelübersetzung Luthers prägt die neuhochdeutsche Sprache. Die Reformation vertieft jedoch die territoriale Spaltung des Reiches durch eine konfessionelle.

  • 1517 - Der Mönch Martin Luther veröffentlicht seine 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg.
  • 1545 bis 1563 - Mit dem Konzil von Trient beginnt die katholische Reform
  • 1550 bis 1648 - Politische Gegenreformation, der Jesuitenorden wird zur Speerspitze gegen den Protestantismus.
  • 1555 - Augsburger Religionsfriede: In den protestantischen wie in den katholischen Territorien bestehen die Landesherren strikt auf die Durchsetzung ihrer Konfession und sind jeweils deren geistliches Oberhaupt (Bündnis zwischen Thron und Altar).

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