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Die Europäische Eibe (lat. Taxus baccata L.) ist in fast ganz Europa verbreitet. Das elastische Holz dieses Baumes eignet sich gut für den Bau von Langbögen und Pfeilen. Bereits in den Pfahlbauten von Robenhausen (Schweiz) wurden Eibenbogen gefunden.

Beschreibung

Das Eibenholz wurde wegen seiner Festigkeit, Zähigkeit und unvergänglichen Dauer schon zur Steinzeit von den Bewohnern der schweizer Pfahlbauten zur Herstellung von Bögen, Keulen und Hausgeräten wie Messern, Löffeln, Schüsseln und Eimern benutzt. [1] Auch im Mittelalter diente das Holz der Eiche außer zu mancherlei Gefäßen und Gerätschaften vornehmlich zur Herstellung von Bögen, weshalb anord. ýr direkt synonym für 'Bogen' gebraucht wurde.

Diese Verwendung zur Anfertigung von Kriegswaffen wurde zum Verderben des Baumes. Die Eibenhorste wurden im Lauf des Mittelalters immer mehr abgeholzt, ohne dass der langsam wachsende Baum, der noch dazu durch seine Eingeschlechtigkeit in seiner natürlichen Ausbreitung benachteiligt ist, imstande gewesen wäre, die entstehenden Lücken rasch wieder auszufüllen.

So wurde die Eibe in der Neuzeit einer der seltensten deutschen Waldbäume, und nur gelegentliche fossile und archäologische Funde, urkundliche Zeugnisse und besonders Ortsnamen wie Iburg, Ihorst, Ibenhorst u.a. zeugen von der Verbreitung, die der Baum in Deutschland ehemals hatte. [2]

Etymologie

Die germanischen und keltischen Sprachen haben einen gemeinsamen alten Eibennamen, der auch im Baltisch-Slawischen und Griechischen wiederkehrt.

  • Keltische Sprachen: urkeltisch. *ivos m., altir. eo, bret. ivin m.
  • Germanische Sprachen: aengl. íw, éow, íh, éoh m., mengl. iw, ew, neuengl. yew; anord. ýr swf.; ahd. íwa f., íwinboum m., ígo swm., mhd. íwe f., nhd. eibe f. Germ. Grdf. *íhwaz, *íʒwaz m.

Der Name bedeutet im Keltischen und Germanischen durchweg 'Eibe'; die Balten übertrugen den Namen auf den Faulbaum (Rhamnus frangula L.), die Slawen auf die Weide, im Slowenischen und Polnischen speziell 'Salweide' (Salix caprea L.), die Griechen auf den Speierling (Sorbus domestica L.). Der auffallende Bedeutungsübergang 'Eibe-Faulbaum, Weide, Sperberbaum' erklärt sich durch die Ähnlichkeit des Holzes: Eibe und Weide haben im Alter einen rotbraunen Kern, auch das Holz des Faulbaums ist gelb oder rot, während Eibe und Speierling in der ungewöhnlichen Schwere des Holzes übereinstimmen.

Britische Inseln

In Großbritannien wird die Eibe ziemlich häufig fossil in postglazialen Torfmooren gefunden [3]). Sie tritt gelegentlich in altenglischen Flurnamen auf und wurde im Mittelalter in England wie überall zur Anfertigung von Bögen benutzt, aber dadurch als Waldbaum im Lauf der Jahrhunderte auch hier allmählich ausgerottet. Heute kommt sie auf den Britischen Inseln nur selten bestandbildend vor, so vor allem in den altertümlichen Wäldern der North Downs in Surrey, die ausschließlich aus Buchsbaum mit eingesprengten riesigen Eibenbäumen bestehen.

Bemerkenswert ist das häufige Vorkommen alter Eiben auf den Kirchhöfen Großbritanniens und Irlands. Manche dieser Exemplare sind Jahrhunderte alt; einige dürften schon die Normannenzeit, andere sogar die angelsächsische Epoche miterlebt haben. Die Fortingall Yew auf dem Friedhof von Fortingal in Perthshire, von der heute nur noch ein Stumpf erhalten ist, gilt als ältester Baum Europas und älteste Kirchhofseibe der Welt. Ihr Alter wird auf deutlich über 2000 Jahre geschätzt. [4] Ihr Alter wurde von Christison und Augustin-Pyrame de Candolle (1778-1841) auf 3.000 Jahre, von späteren Forschern auf mindestens 1.400 bis 1.500 Jahre geschätzt.

Die Friedhofseibe von Darley Dale in Derbyshire stammt etwa aus dem 12. Jh., die Eiben von Kersall Cell in Lancashire und von Fountains Abbey in Yorkshire vermutlich aus der Mitte des 13. Jhs. Hinsichtlich des Alters der Sitte, Eiben auf Friedhöfe zu pflanzen, ist eine Bemerkung bei Giraldus Cambrensis im 12. Jh. belangreich: „Die Eibe“, so sagt er, „sei ganz besonders häufig in Irland“ [5]. Der Brauch scheint danach ein alter britisch-irischer gewesen zu sein, der wohl bis in heidnische Zeiten zurückreichte, von der christlichen Kirche beibehalten und später auch von den Angelsachsen übernommen wurde.

Wirtschaftliche Bedeutung

Besonders in Frankreich war im Hochmittelalter das Holz des Eibenbaumes für die Herstellung von Bogen am meisten beliebt und diente auch zur Anfertigung der Armbrüste. So fehlt es auch nicht an Versuchen, in der einen oder anderen Verwendungsart des Baumes die Ursache seiner Anpflanzung zu vermuten. In der Tat lassen sich einige historische Zeugnisse und andere gewichtige Gründe anführen. So verpflichtete z.B. eine Verfügung König Karls VII. von Frankreich (1422-1461) zur Anpflanzung von Eibenbäumen auf den Begräbnisplätzen der Normandie, damit es nicht an Holz zur Anfertigung der Armbrust fehle, welche damals in Frankreich in großer Gunst stand.

Im Heiligen Römischen Reich erschien am 22. Januar 1536 ein Erlass der „Commissio Dioi Regis in Consilio Cammere” zu Wien, welcher das Schlagen und Handeln des Eibenholzes beschränkte. Berühmte Eibenbogenhändler der ersten Hälfte des 16. Jhs. waren die beiden Nürnberger Christoph Furer (1479-1537) und Leonhard Srockhamer, († 1550). [6]

Volksglauben

Den Opfern eines Kampfes pflanzte man früher Eiben um die Grabfelder. Allerdings steht der Baum, wie fast alle immergrünen Gewächse, auch für Unsterblichkeit.

Friedhofs-Eiben

Der Ursprung der Sitte, Eiben auf Friedhöfe zu pflanzen, ist möglicherweise darin zu suchen, dass die Eibe - vielleicht wegen des dunkeln, ernsten, immergrünen Laubs, wie in Südeuropa die Zypressen - in besonderem Maße als Totenbaum galt, in den die Seelen der Gestorbenen gebannt blieben. Daher die Ehrfurcht, mit der die Friedhofs-Eiben geschont wurden, die Vorstellungen, die sich manchenorts bis in die Moderne an sie knüpften und daher auch ihre Rolle bei Leichenbegängnissen, wo die Leidtragenden vielfach Eibenzweige trugen und Eibenreiser auf den Sarg gestreut wurden.

In christlichen Zeiten wurde die heidnische Vorstellung des Seelen- und Totenbaums allmählich verwischt (vgl. Baumkult); aus dem heidnischen Ritus, der der Anpflanzung der Eiben auf Friedhöfen zugrunde lag, wurde ein altehrwürdiges Herkommen, dem im Lauf der Jahrhunderte andere Beweggründe untergeschoben wurden. Die Friedhof-Eiben lieferten grüne „Palmen" für die Prozession am Palmsonntag, sie schützten das Kirchengebäude vor Sturmschaden und dienten der Gemeinde vor Beginn des Gottesdienstes als Schutz gegen die Unbill der Witterung. Der alten, ausgewachsenen Exemplare freute man sich als Zierde des Gottesackers [7]

Es ist möglich, dass im Spätmittelalter und in Renaissance Nützlichkeitsrücksichten verschiedener Art die Anpflanzung und Erhaltung der Eiben auf Kirchhöfen als gutes, zweckmäßiges Herkommen erscheinen ließen. Aber das sind nur sekundäre Erwägungen; der erste Ursprung des Brauches ist viel älter und liegt auf dem Gebiet des heidnischen Seelenglaubens.

Bedeutung bei den Kelten

Bei den Kelten wurde die Eibe "Idho" genannt und entsprach dem Buchstaben "I" des Ogam Alphabets. Aus den Beeren der Eibe und noch einigen anderen unfreundlichen Zutaten stellten die irischen Kelten ein Gift her, mit dem sie ihre Waffen bestrichen. Die Druiden verwendeten für ihre Zauberstäbe Eibenholz, in das sie in Ogam-Schrift rituelle Worte einritzten.

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Eibenborke

  • Rätselvers: Die Gaben verschenkende Eibe stand finster am Rand der Schlacht.
  • Zeit: Wintersonnenwende
  • Vogel: Junger Adler
  • Farbe: Sehr weiß
  • Schlüsselbegriffe: Tod, Unsterblichkeit, Ewigkeit
  • Person: Ein strenger Richter
  • Qualität: Gerechtigkeit

Quellen

Einzelnachweise

  1. Neuweiler, Prähist. Pflanzenreste. aaO. S. 21
  2. Hoops, Waldbäume. S. 200, 240 f.
  3. Reid, Clement. The origin of the British flora (Internet Archive). S. 151. London : Dulau, 1899.
  4. Wikipedia: Fortingall Yew
  5. „maxime vero in coemiteriis antiquis locisque sacris, sanctorum virorum manibus olim plantatis" (Topogr. Hiberniae 3, 10)
  6. Die Kriegswaffen in ihren geschichtlichen Entwickelungen von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart (Internet Archive). Augustec Demmin. Leipzig : P. Friesehahn, 1893. S. 883.
  7. so schon Giraldus Cambrensis im 12. Jh.: Topogr. Hibern. 2,54. 3,10
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