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Der Fenrir, Fenris bzw. Fenriswolf ist eine Gestalt aus der nordischen Mythologie. Dieser grimme Wolf war Lokis Kind und Bruder der Hel. Er verschlingt der Sage nach Göttervater Odin beim Weltuntergang und wird anschließend von dessen Sohn Widar getötet. [1]

Beschreibung

Über die ganze Erde verbreitet ist der Mythos, dass die Sonne von einem Ungetüm verschlungen werde [2]. Die nordische Dichtung kennt dieses unter dem Namen Fenrir [3] oder in skaldischer Bindung als Fenrisulfr [4], wie es in der Snorra-Edda und anderen späten prosaischen Quellen immer heißt.

Es ist ein Ungetüm in Wolfsgestalt, weshalb es auch allgemein als Ulfr bezeichnet wird [5]. Die Bezeichnung enn hösvi, "der Fahle", erklärt sein chthonischer Ursprung.

Seinem Namen nach scheint er ursprünglich ein Meeresungeheuer gewesen zu sein (zu fen, das Meer, was das Wort in Verbindung mit der skaldischen Sprache fast immer bedeutet), ähnlich wie die Midgardschlange. Man fürchtete vom Fenrir, daß einstmals die Sonne nie aus seinem Rachen zurückkehren werde; daher heißt er auch bei den Skalden auch Vānargandr (Snorra-Edda, I 268). Nach dem Dichter des Völuspa (v. 46) ist es eines seiner Kinder, das die Sonne verschlingt.

Das gefesselte Untier

An dieses Ungetüm knüpfte sich die Sage vom gefesselten Unhold. Allerdings enthält nur die Snorra-Edda diesen Zusammenhang. Danach zogen die Asen den Wolf selbst groß. Als er aber zu mächtig wurde, fesselten sie ihn durch List mit der von den Zwergen gefertigten Zauberfessel Gleipnir, die aus dem Lärm der Katze, dem Bart des Weibes, der Seele des Fisches, der Milch des Vogels, den Wurzeln des Berges und den Sehnen des Bären hergestellt wurde (Lieder-Edda).

Beim ersten Versuch der Fesselung büßte Tyr eine Hand ein. Dann wurde das Ungetüm in die Höhle Gjöll gebannt und ein Schwert zwischen seine Kiefer gestemmt. Nach diesem klaffenden Rachen hieß ein Sternbild auf Island ulfs kepta, "Mundsperre des Wolfs". Hier heult er fürchterlich; aus seinem Rachen aber ergießt sich der Strom Vön.

Gegner Odins

Vidar by Collingwood

Vidar im Maul des Fenrir. (Illustr: Saemund's Edda, 1908).

Indem der Dichter des Völuspa einen von Fenris Söhnen den Verschlinger der Sonne sein läßt, so wie auch im Grimnismal (39) Hati, Hrodhvitnis (d.h. Fenrir) Sohn, die Sonne verfolgt, kann er den verbreiteten Mythos anbringen, nach dem beim großen letzten Götterkampf Fenrir der Gegner Odins ist [6].

In diesem Kampf tötet zwar Fenrir seinen Gegner, wird aber selbst gleich darauf von Odins Sohn Widar getötet [7]. Nach der Snorra-Edda tritt der Tod dadurch ein, dassWidar seinen Fuß auf den unteren Kiefer setzt und den oben weit aufzieht, was sich auch auf bildlichen Darstellungen findet. Besonders hieraus folgerten der norwegische Philologe Sophus Bugge (1833–1907) und andere den christlichen Einfluss (Leviathan) auf die nordischen Fenrismythen. [8]

Verwandschaft

Durch die Skalden kam der Fenriswolf in die Sippschaft Lokis. Danach ist er der Sohn Lokis und der Angrboda, der Bruder der Hel und der Midgardschlange.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906, S. 415.
  2. Das Zeitalter des Sonnengottes. Leo Frobenius (1904). Band I; S. 59 ff.
  3. Vafthrudhnismal, 46
  4. Hakonarmól, 20
  5. Eiriksmal, 6
  6. Vafthrudhnismal, 53; Lokasenna, 58
  7. Völuspa, 55
  8. The Home of the Eddic poems. Sophus Bugge. London, 1899. S. LII ff.
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