FANDOM


Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 07. Juni 2019 als Spotlight vorgestellt.

Die Finnen stammen, genau wie die volksverwandten Ungarn, von gemeinsamen finnougrischen bzw. uralischen Vorfahren ab. Ob die Finnen und Samen tatsächlich verwandt sind oder ob die Samen nur eine finno-ugrische Sprache angenommen hatten, ist noch nicht geklärt. Die nächsten Verwandten der Finnen sind die Esten (Karelier). [1]

Beschreibung

Eine Anzahl von Ortsnamen wie Finnveden in Småland (Finnaithae bei Jordanes), Finhult in Schonen oder Finholt in Romerike lassen erkennen, dass die Germanen auch in südlicheren Teilen der skandinavischen Halbinsel Bekanntschaft mit einem fremden Volk machten und dieses als „Finnen“ bezeichneten.

Etymologie

Die Bedeutung des Namens der Finnen ist unsicher. Müllenhoffs Erklärungsversuch [2], der ihn von germ. fenna-, jünger finna herleitete und die Finnen als 'die Geflügelten' verstand, vertrug sich nicht mit den Lautgesetzen; aber auch die Zusammenstellung mit got. fani - 'Sumpf' bei Zeuß [3] sowie die Identifizierung der Namen Finnen und Quänen bei Grimm [4] sind abzuweisen.

Andreas Hansen zufolge sind die Fenni des Tacitus [5], welcher der älteste Zeuge für den Namen ist, die Skridefinnen späterer Autoren und auch die Finnar der altnordischen Quellen die Vorläufer der Finno-ugrischen Nachbarn der Germanen; und es ist in der Tat sehr wohl möglich, dass die Germanen den Namen 'Finnen' von einem anderen Volk ähnlicher Kultur auf dessen Nachfolger übertrugen. Aber auch die ältesten Zeugnisse für ihn setzen diese Übertragung, falls sie überhaupt anzunehmen ist, wohl schon voraus.

Die Finnoi in der Sarmatia Europea des Claudius Ptolemäus (um 100-160) [6] bezeichnen dasselbe Volk, doch sind sie auf seiner Karte irrtümlich bis an die Weichsel vorgeschoben. Der Name dieser Fenni bzw. Fennoi lebt in dem der Bewohner Finnlands fort, doch ist es fraglich, ob dieses Land zu Beginn der Römerzeit schon dem Volke gehörte, das gegenwärtig dort wohnt.

Germanische Lehnwörter

Die vielfältigen Kulturanleihen der Finnen bei den Germanen zeigen sich in Gestalt von Lehnworten auch im Spiegel ihrer Sprache. Diese sind, da sie teilweise vorliterarische Formen forterhalten, für die germanische Sprachwissenschaft von großer Bedeutung, was besonders durch V. Thomsens Buch Über den Einfluss der germanischen Sprachen auf die finnisch-lappischen klar geworden ist. [7] Soweit sich bisher urteilen lässt, gewähren jedoch die germanischen Lehnwörter in den finnischen Sprachen trotz der Altertümlichkeit ihrer Formen der Annahme einer weit in vorgeschichtliche Zeit zurückreichenden Nachbarschaft der Finnen und Germanen keine Stütze.

Unterscheidungen

Samen (Lappen)

Laplander by Edward Harding, 1803

Ein Mann aus Lappland (Edward Harding, 1803)

In den germanischen Quellen haftet der Name auch an einem mit den Finnen Finnlands sprachlich nahe verwandten, aber kulturell und herkunftsmäßg stark abweichenden Volk des hohen skandinavischen Nordens. Dort ist das Finna land des Beowulfs [8], und als Finner (in den anord. Quellen als Finnar) werden noch heute in Norwegen die Samen (Lappen) bezeichnet. Übrigens setzt bereits Ptolemäus den Namen Finnoi in den Norden der Skandia.

Der früher sehr vertretenen Ansicht, dass es sich auch bei dem Volk, welches seine Spuren in den Ortsnamen Südwestskandinaviens hinterließ, um Lappen handelte, wurde von verschiedenen Seiten gewichtige Gründe entgegengestellt. Die Lappen erreichten vergleichsweise spät ihre moderne Verbreitungsgrenze und für ihre Ausbreitung in älterer Zeit, kommt das südwestliche Skandinavien nicht in Betracht.

Skridefinnen

Die südlicheren Finnen Finnlands könnten dem Unterscheidungsbedürfnis zischen ihnen und den nördlicheren Lappen (den anord. finnar) den zusammengesetzten Namen Skridefinnen verdanken; dass jedoch gerade ihre unmittelbaren germanischen Nachbarn, denen die nördlicheren Lappen fernlagen, diesen Namen nicht gebrauchten, begreift sich dabei leicht. Er ist in verschiedenen Formen bei Jordanes und dem Kosmographen von Rav überliefert, und erscheint als Skridífinoi bei Prokop, als Scritobini bei Paulus Diaconus.

Nach Alfreds Orosius standen die Scridefinnas im Nordwesten von den Schweden. In den Jahren 1053 und 1054 wurden durch Papst Leo IX. und Viktor II. dem Erzbischof Adalbert von Bremen die Rechte seiner Kirche u.a. in Scrideuinnun bestätigt, und Adam von Bremen kennt die Scritefinni an der Grenze von Schweden und Norwegen. Auch erscheinen sie ebendort unter dem Namen Scricfinni bei Saxo Grammaticus. Germ. Skriþi-finna, Skridi-finna enthält als ersten Teil skriþi skridi - 'Schritt, Lauf', auch - so in ags. skrid n. - 'Wagen' - 'Gerät' zur Vorwärtsbewegung. Jedenfalls gaben Anlass zur Benennung die gerade von den Skridefinnen bezeugten Schneeschuhe, Skier; heisst doch auf solchen laufen im anord. skriða á skiðum [9]

Terfinnas

Verschieden von den Skridefinnen im Gebiet der heutigen Berglappen sind die Terfinnas, die nach Angabe des Halogaländers Ohthere gemäß Alfreds Orosius weiter nach Osten zum Weißen Meer hin im Bereich der Fischerlappen zu suchen sind. Sonst werden sie nirgends erwähnt, und ihr Name ist unverständlich.

Esten

Unter einem anderen, besonderen Namen erscheinen daneben bei den Nordgermanen die Quänen, die Sitones bei Tacitus, die Karelier (anord. Kiriál(ar, -ir?), die Esten (anord. Eistr, Eistir), die Permier anord. Biarmar, ags. Beormas) um das Weiße Meer.

Entwicklung

Arktische Steinzeit

Die angenommene lappische Herkunft der in Finnland gefundenen arktischen Steingeräte, die sich durch Form und Material - Schiefer statt Feuerstein - von den südskandinavischen unterscheiden, wurde allgemein abgelehnt. Aber über die Träger dieser arktischen Kultur, einer eigenartigen Fischer und Jägerkultur, die sich auch in das Ostbaltikum und nach Finnland und Russland hinein verfolgen lässt, gehen die Ansichten weit auseinander. [10]

Eisenzeit

Finland, In the beginning, Mechelin 1894, S.070

Landnahme der ersten Finnen (Axel Gallén, 1894)

Tacitus [11] schildert die Fenni als ein auf niederster Kulturstufe stehendes Jägervolk, aber ohne etwas von Renntieren und dem Gebrauch der Schneeschuhe zu wissen.

Dies sowohl wie seine Angabe, dass mitten zwischen ihnen und den Peucinen das Gebiet der Veneti liege, lässt darauf schließen, dass seine Fenni östlich der Ostsee zu suchen sind, und die Ostgermanen die Kunde von ihnen bis zu den Römern brachten.

Völkerwanderungszeit

Nach Alfred Hackman [12] (1864-1942) wanderten die Finnen im 4.-5. Jh. mit einer Eisenkultur in Finnland ein. Wirtschaftliche Bedeutung hatten für die Germanen die Beziehungen zu ihren Nordnachbarn hauptsächlich wegen des Pelzhandels und des Tributs an Pelzwerk, den sie ihnen früh auferlegten, des finnskattr der altnordischen Quellen.

Nach dem Vorrücken der Goten an den Pontus machten die Germanen auch mit finno-ugrischen Stämmen des inneren Russlands Bekanntschaft. So nennt denn Jordanes († nach 552) [13] als Völker, die der Ostgotenkönig Ermanarik († um 376) beherrschte, die Merens (Merjanen) und Mordens (Mordwinen), und daneben etwa ein Dutzend andere, mit deren schlecht überlieferten Namen nicht viel anzufangen ist.

Mythologische Einflüsse

Zusammen mit anderem Kulturgut nahmen die finnisch-lappischen Stämme auch mythologische Vorstellungen und Bräuche der Germanen auf und bewahrten diese zum Teil weit länger als ihre Lehrmeister. Das gilt besonders von den Lappen. Jünger scheinen zumeist die Einflüsse zu sein, die L. v. Schroeder in seinem Buch Germanische Elben und Götter beim Estenvolke behandelt. [14] Auf die Germanen übte das Schamanentum der Finnen (Lappen) einen starken Eindruck aus; sie galten bei ihnen als zauberkundig.

Galerie

Verwandte Themen

Navigation Völker und Volksstämme
Alamannen  •  Angelsachsen  •  Baiern  •  Balten  •  Burgunder  •  Finnen  •  Franken  •  Friesen  •  Germanen  •  Goten  •  Hunnen  •  Kelten  •  Langobarden  •  Sachsen  •  Skythen  •  Slawen  •  Sueben  •  Thüringer  •  Vandalen  •  Wikinger
Adelsgeschlechter  •  Amaler  •  Habsburger  •  Karolinger  •  Merowinger  •  Ottonen  •  Salier  •  Staufer  •  Völsungen  •  Ynglingar
Völker (Hauptkategorie)  •  Angelsachsen  •  Balten  •  Franken  •  Germanen  •  Goten  •  Hunnen  •  Kelten  •  Slawen  •  Wikinger

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Finnen - Geschichte der Finnen
  2. Müllenhoff, Deutsche Altertümer. aaO. Bd. II, S. 54
  3. Zeuss, Kaspar. Die Deutschen und die Nachbarstämme (Internet Archive). München : Lentner, 1837. S. 272 (Anm.)
  4. Grimm, Jacob. Geschichte der deutschen Sprache (Internet Archive). 4. Aufl. Leipzig : Hirzel, 1880. S. 174
  5. Tacitus, Germania. aaO. Kap. 46.
  6. Ptolemäus, Claudius. Geographike Hyphegesis - Sarmatia Europea bezeichnet den westlichen Teil der Sarmatia.
  7. Thomsens, V. Über den Einfluss der germanischen Sprachen auf die finnisch-lappischen. Übersetzung: E. Sievers, 1870
  8. Beowulf (heorot.dk): Beowulf: Originaltext mit deutscher Übersetzung und Anmerkungen. V. 580
  9. vgl. Müllenhoff, Deutsche Altertümer. aaO. Bd. II, S. 44 Anm.
  10. Vgl. ferner Kossinna, Gustaf. Der Ursprung der Urfinnen und Nordindogermanen und ihre Ausbreitung nach dem Osten, Mannus I (1909)
  11. Tacitus, Germania. aaO. Kap. 46.
  12. Hackman, Alfred. Die ältere Eisenzeit in Finnland, 1905
  13. Jordanes, Getica. 23
  14. Schroeder, L. v. Germanische Elben und Götter beim Estenvolke in Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften in Wien, philos.-hist. Kl. 153) S. 1 ff.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.