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Unter der Bezeichnung Goldhüte, Goldene Zeremonialhüte oder Goldkegel sind bis dato vier in Europa gefundene, kegelförmige Artefakte aus dünnem Goldblech bekannt geworden, welche aus der späten Bronzezeit, genauer der Urnenfelderzeit stammen. [1]

Beschreibung

Bisher bekannt sind folgende vier Goldhüte:

  • Goldhut von Schifferstadt - Zeit: ca. 1.400-1.300 v. Chr., Fundort: Schifferstadt (Rheinland-Pfalz). Ausgestellt im: Historischen Museum der Pfalz in Speyer
  • Goldblechkegel von Ezelsdorf-Buch - Zeit: ca. 1.000 bis 900 v. Chr., Fundort: Ezelsdorf-Buch (Bayern). Ausgestellt im: Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg
  • Goldkegel von Avanton - Zeit: ca. 1.000 v. Chr., Fundort bei Poitiers (Frankreich). Ausgestellt im: Musée d’Archéologie Nationale nahe Paris
  • Berliner Goldhut - Zeit: ca. 1.000 bis 800 v. Chr., Fundort: Süddeutschland oder Schweiz. Ausgestellt im: Neuen Museum in Berlin

Alle vier kegelförmigen Goldhüte besaßen ursprünglich die gleiche Grundform auf breiter abgesetzter, steil gewölbter Basis und sind über die ganze Länge mit horizontalen Zier- und Rahmenbändern aus gleichartigen Punzstempelabdrücken flächendeckend ornamentiert, wobei die älteren Exemplare (Avanton, Schifferstadt) über einen bescheideneren Ornamentkanon verfügen als die jüngeren Exemplare.

Die Ornamentik, wie sie sich auf den Goldkegeln findet, wiederholt sich mit wenig Verschiedenheiten bei Metallarbeiten, Schmuck, Waffen, und sonstigen Gerätschaften auch in der Römerzeit und setzt sich weiter bis in das 12. Jh. fort. Unter diesen Goldarbeiten liegt die Verschiedenheit lediglich in einem gewissen Gesetz der Zahlen, indem sich nämlich beim Goldhut von Schifferstadt die Streifen und Reihen kleiner Punkte zu fünf und fünf, und beim Goldkegel von Avanton zu vier und vier wiederholen.

Funktionen

Von der Zeit der Auffindung bis zur Gegenwart waren die Ansichten und Vermutungen über Zweck und Bestimmung dieser Gegenstände verschieden und unsicher und selbst höchst unwahrscheinliche Theorien wurden ausgesprochen: Man bezeichnete diese Kegel als goldene Hüte, Kronen, Opfergefäße, Pfeilköcher etc. Auch eine Funktion als Schildbuckel wurde ihnen zugeschrieben.

Schildbuckel

Die Theorie, bei den Goldkegeln (besonders beim Goldhut von Schifferstadt) handle es sich um Schildbuckel, erscheint wenig plausibel. Allein das Goldblech ist zu schwach, um Hieben zu widerstehen und man hat keine vergleichbaren Schilde mit solch starken Vorsprüngen gefunden.

Für diese These könnte allerdings sprechen, dass dieses Goldblech natürlich nur der Überzug einer starken Holz- oder Eisenunterlage gewesen wäre, welche mit der Zeit verfaulte oder verrostete, und dafür, dass Schilde mit weit vorragenden Buckeln vielfach vorhanden waren, gibt es durchaus das ein oder andere Beispiel, wie z.B. zwei alamannische Schildbuckel aus dem 6. Jh., die in den Reibengräbern zu Nordendorf gefunden wurden. Auch dienten Schilde allgemein nicht nur zum Schutz, sondern waren auch als Ehrenzeichen von Kriegern und fürstlichen Personen und wurden in der Regel mit ins Grab gegeben.

Die gewöhnlichen Schildbuckel aus Eisen erhielten auch durch Holzunterlagen ihre Verstärkung; auch wenn sie selten von beträchtlicher Höhe waren. Doch auch wenn die meisten bekannten Funde von Schildbuckeln eine gewisse Höhe nicht überschritten, so kann man doch aus Abbildungen ersehen, dass zumindest im Frühmittelalter auch Exemplare von beträchtlicher Länge und eigentümlichen Formen in Gebrauch waren. Beispiele dafür liefern z.B. die Wiener Genesis (6./7. Jh.), das Wessobrunner Gebet (9. Jh.), der Stuttgarter Psalter (820-830) oder eine Bildmalerei von einem fränkischen Krieger, aus einem Brüsseler Manuskript des 9. / 10. Jhs..

Sonnenverehrung

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Der Goldkegel von Avanton

Steht auch die kultische Funktion der Goldkegel außer Frage, so kann man doch über den Inhalt des Kultes und seine Rituale nicht viel mehr als Mutmaßungen hegen. Die Kegel scheinen in eine Sonnenverehrung eingebunden zu sein. Nach der Hypothese von P. Schauer leiten sich die Goldkegel aus vorderasiatischem Religions- und Symbolgut her, das vom hethitischen Kleinasien aus über den unteren Donauraum auf Zentral-, Nord- und Westeuropa eingewirkt habe.

Dass nach hethitischen Vorstellungen der Kegel nicht nur Symbol oder Attribut der Gottheit war, sondern sie als abstraktes Bild auch unmittelbar darstellte, kam seiner Akzeptanz in den bronzezeitlichen Kulturen Zentral- und Westeuropas sicherlich entgegen. Auch andere zentrale Kultsymboliken der zentraleuropäischen Mittel- und Spätbronzezeit, wie z.B. der Wasservogel und die Vogel-Sonnenbarke, haben einen vorderorientalisch-ägäischen Ursprung und begannen sich in Zentraleuropa ab dem 1.400 v.Chr., gleichzeitig mit den Goldkegeln, zu etablieren. Man darf so wohl festhalten, dass die Goldkegel Teil einer über weite Strecken Europas und des Vorderen Orients ähnlich verstandenen religiösen Symbolwelt sind.

Kalenderfunktion

Nach einer Hypothese Wilfried Menghins könnten die verwandten Ornamente auf den Kegeln eine astronomische Kalenderfunktionen ausüben und ein direktes Ablesen von Zeiträumen in Mond- oder Sonneneinheiten ermöglichen. Da die genaue Kenntnis des Sonnenjahrs für die Festlegung von Zeitpunkten kultischer Bedeutung wie der Sommer- oder Wintersonnenwende von besonderem Interesse war, nahm das auf den Goldhüten niedergelegte astronomische Wissen in der bronzezeitlichen Gesellschaft einen hohen Stellenwert ein.

Einzelstücke

Goldhut von Schifferstadt

  • Zeit: ca. 1.400-1.300 v. Chr.

Der Goldene Zeremonialhut von Schifferstadt am Rhein wurde im Jahre 1835 zusammen mit drei bronzenen Beilen ausgegraben. Der Fund wurde offensichtlich rituell vergraben und gelangte nach seiner Hebung in das ehemalige Antiquarium der Residenz, später in das Bayerische Nationalmuseum in München und letztendlich in das Historische Museum der Pfalz in Speyer. Aufgrund der zugehörigen Beile läßt sich der Goldkegel ins 14. Jh. v.Chr. datieren. Zeremonialbeile waren ein wichtiges Kultgerät der Bronzezeit, wie die Beile von Schifferstadt und die bildliche Darstellung einer Kegelstele zwischen zwei Kultbeilen auf einer Steinplatte des Häuptlingsgrabes von Kivik in Südschweden, wohl aus dem 13. bzw. 12. Jh.v.Chr., zeigen.

Der Goldkegel besteht aus einem Stück reinen Goldbleches. Der untere Vorsprung ist verdünnt und hat keinen Abschluss am Rande; wohl ein Zeichen, dass er von einem Lederüberzug umgeben oder bedeckt war. Die erhaben getriebenen Ornamente im Hochrelief zeigen ringsum laufende Reifen, Ringe und Punkte. Die flach auskragende Krempe "Hutes" stellt eine nachträgliche, wenn auch bronzezeitliche Umformung dar.

Da dieser Goldhut laut Beschreibung auf einer Platte ruhend gefunden wurde, die jedoch nur noch aus Rost und Moder bestand, vermutete man darin einen ehemaligen Schild, der ursprünglich aus Holz, Leder und Eisen gefertigt worden hatte. Daher nahm man anfangs an, es handle sich bei dem Goldkegel um einen früh- oder hochmittelalterlichen Schildbuckel, wie sie noch bis ins 11. Jh. im Gebrauch waren.

Goldkegel von Avanton

  • Zeit: ca. 1.000 v. Chr.

Der Goldblechkegel von Avanton (frz. Cône d’Avanton) wurde 1844 bei Feldarbeiten in der Nähe des Dorfes Avanton, etwa 12 km nördlich von Poitiers in Frankreich ausgegraben. Oben weist er ein aus Dreiecken gebildetes Sternmuster auf, der untere Teil ist abgebrochen. Das Objekt gelangte in seinem beschädigten Zustand anfänglich in die Sammlung des Louvre und befindet sich heute im Musée d'Archéologie Nationale im Schloss Saint-Germain-en-Laye, nahe Paris. [2]

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Quellen

Wikipedia lexikon3e
Dieses Dokument basiert in seiner ersten oder einer späteren Version auf dem Artikel „Goldhut“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 22.11.2017 und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Goldhut
  2. Wikipedia: Goldblechkegel von Avanton
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