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Die Goldschmiedekunst des Hochmittelalters beginnt im Ostfrankenreich, ab 962 Heiliges Römisches Reich, mit dem Aufstieg der sächsischen Kaiser und der damit anbrechenden Zeit der Ottonen.

Beschreibung

Im 11. und 12. Jhd. erlebte die Goldschmiedekunst eine neue Blüte, wo man besonders in Köln, Trier und anderen rheinischen Städten kostbare Reliquienschreine und Kultusgegenstände fertigte, von denen zahlreiche erhalten sind. Diese Kunstrichtung erhielt sich bis in das 13. Jhd. [1]

Vom Beginn des Hochmittelalters haben sich Goldschmiedearbeiten zu sakralem Gebrauch im Gegensatz zur profanen Kunst in ansehnlicher Zahl erhalten und können teilweise sogar einzelnen Klosterwerkstätten zugewiesen werden. Ganz besonders taten sich dabei die Benediktinerklöster hervor, und vielfach ist es auch der Name eines bestimmten Kirchenfürsten, mit dem sich die Blütezeit der Goldschmiedekunst in der betreffenden Werkstatt eng verknüpft.

Eine tiefere Einsicht in die Entwicklung der Goldschmiedekunst und in die Schulzusammenhänge erhält man gerade in dieser Epoche der Klosterwerkstätten vorallem aber auch auf Grund eines Vergleichs mit den besser erforschten Miniaturmalereien. [2]

Ottonenzeit (919-1024)

Codex Aureus Sankt Emmeram, Deckel

Codex aureus von St. Emmeram, restaurierter Deckel (Kloster St. Emmeram, 975-1001)

Im Laufe des 10. Jhds., insbesondere unter den sächsischen Kaisern, wurde das Westfrankenreich (Frankreich) in der Entwicklung der Kunst immer mehr vom Ostfrankenreich (Heiliges Römisches Reich) überflügelt. Das gilt vornehmlich auch von der Edelschmiedekunst, was z. T. mit der Erschließung der reichen Silberadern des Harzes unter Kaiser Otto I. (962-973) zusammenhängen mag [3].

Auffallend in der Ottonenzeit (919-1024) ist die erneute Tendenz zur oströmischen, byzantinischen bzw. zur „griechischen“ Kunst, deren Einfluss sich aber von vornherein und im Laufe der Zeit immer mehr mit Intentionen und Elementen der allmählich erstarkten volkstümlichen Kunstübung mischt.

Erklärt wird diese Richtung vor allem durch die politischen Verhältnisse und die dadurch geschaffenen Beziehungen, die dominierende Machtstellung der deutschen Herrscher, die zahlreichen Gesandtschaften, die „von Römern, Griechen und Sarazenen“ mit reichen Geschenken an den kaiserlichen Hof kamen [4], sowie die Vermählung Ottos II. (973-983) mit der oströmischen Prinzessin Theophanu.

Frankreich

Auch aus Frankreich, welches bis zum Endes des 10. Jhds. noch unter karolingischer Herrschaft verharrte, gibt es in dieser Zeit einige Denkmäler und Zeugnisse, die eine fortgesetzte Pflege dieses Kunstzweiges bekunden. Von erhaltenen Denkmälern sind insbesondere die hochinteressanten und kostbaren Stücke in der Abteikirche Sainte-Foy zu Conques (Aveyron) und in der Kathedrale von Nancy besonders hervorzuheben. Dem Ausgang des 10. Jhd. gehören u. a. auch die Bucheinbände aus der Kathedrale von Saint-Denis (jetzt im Louvre) und aus der schweizer Abtei St. Maurice d'Agaune in Wallis (jetzt im Victoria & Albert-Museum in London) an.

Heiliges Römisches Reich

Was das Ostfrankenreich bzw. das Heilige Römische Reich betrifft, so sind wir über die Goldschmiedekunst in den Zeiten Konrads I. (911-918), Heinrichs I. (919-936) und auch noch Ottos I. (936-973) nur sehr mangelhaft unterrichtet, denn die überlieferten Reliquiare oder Schmucksachen dieser Herrscher können keinen klaren Begriff von der Kunstübung jener Epoche und ihren Leistungen mehr vermitteln. Erst für die Folgezeit können wir wieder an der Hand der Denkmäler ein deutlicheres Bild vom Stand und der Entwicklung der Goldschmiedekunst gewinnen.

Dass die kunstvolle Werkstatttradition der Goldschmiede im Heiligen Römischen Reich zumindest bis in die ottonischen Zeiten zurückreicht, davon zeugt die Überlieferung des Erzbischofs Willigis von Mainz (975-1011), „dass er sich um die Pflege der Goldschmiedekunst bemühte und dass er zur Bergung von Reliquien ein riesiges Kruzifix von 600 Pfund Gold anfertigen ließ“ [5].

Salische Zeit (1024-1125)

Adlerfibel Mainzer Goldschmuck, LM Mainz 0-1518

Kreisrunde Adlerfibel aus dem „Mainzer Goldschmuck“ (Landesmuseum Mainz, um 1025)

Aus der Zeit der salischen Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, von Konrad II. bis Heinrich V. (1024-1125), stammen einige interessante profane Schmuckstücke. Darunter z. B. der vermutliche „Krönungsschmuck der Kaiserin Gisela“ (1027-1043), der Gemahlin Konrads II. (1024-1039).

Dieser wunderbare Goldschmuck entstand wahrscheinlich um das Jahr 1025 in Mainz. Er besteht aus reichem edelsteinbesetztem Hals- und Brustgehänge, zwei kreisrunden Adlerfibeln („Fürspäne"), prächtigen Schließen oder Agraffen („Tasseln"), halbmondförmigen Ohrringen, Fingerringen usw.

Eine der Adlerfibeln und ein Ohrring gelangten in das Landesmuseum Mainz, während die restlichen Fundstücke im Jahre 1912 aus dem Besitz des Barons von Heyl in den des deutschen Kaisers Wilhelm II. übergingen... → zum vollständigen Artikel.

So trifft das Bild, das wir aus dem kostbaren profanen Schmuck der salischen Zeit gewinnen, annähernd auch bereits für die Ottonische Zeit davor zu, aus der sich auch der erneute byzantinische Einfluss herleitet. Auch der „Hiddenseer Goldschmuck“ steht durch seine granulierten Flächen in kunsthistorischer Beziehung mit dem späteren Gisela-Ornat des „Mainzer Goldschmucks“, und zwar insofern, als dass in beiden Fällen diese Granulierung nach byzantinischen Vorbildern erfolgte. [6].

Ansonsten sind Forscher aber für die vergleichsweise spärliche Kenntnis weltlichen Zierats der ganzen ottonischen und salischen Epoche (919-1125) fast ausschließlich auf dessen Wiedergabe in Miniaturmalereien, auf Elfenbeinschnitzereien, Grabdenkmälern usw., sowie auf Schilderungen in der gleichzeitigen Literatur angewiesen.

12. Jahrhundert

Remigiuskelch Reims 12. Jh., MgKL Wm08106a, Abb.05

Remigiuskelch (Kathedrale zu Reims, 12. Jhd.)

Das dem 12. Jhd. entstammende bayerische Gedicht „Vom Himmelreich“ (Daz himelrîche) nennt dann bereits die üblichsten Kleinodien, mit denen man sich schmückte, da es alles aufzählte, dessen die Abgeschiedenen in der ewigen Seligkeit nicht mehr bedürfen werden. Es heißt darin z. B. [7]: „sie ne zierent ouh uingerlin ringe noh bouge nuskelin [kleine Nuschen] uone goldes gesmelce neh die halssnuore.“

Der bekannteste deutsche Goldschmied im Früh- und Hochmittelalter war der Mönch Rogerus im Benediktiner-Kloster Helmarshausen der Paderborner Diözese (Hessen). Ob er allerdings identisch ist mit Theophilus Presbyter, dem Schriftsteller der „Schedula diversarium artium“ (um 1100-1120), dem bedeutsamsten Werk des Mittelalters über die verschiedenen zu seiner Zeit geübten Kunsttechniken, ist zweifelhaft.

Rogerus jedenfalls steht an der Schwelle der eigentlichen romanischen Kunst, in der die verschiedenen, im 10. und teilweise auch noch im 11. Jhd. vielfach widerstreitenden Strebungen sich zu der einheitlichen Blüte des neuen Kunststils zusammenschlossen.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon (Zeno.Org). 6. Auflage. Leipzig, 1905–1909. Bd. 8, S. 106-108.
  2. Creutz, Max. Kunstgeschichte Der Edlen Metalle (1909) (Amazon).Kessinger Publishing (10. September 2010). ISBN 1167952561.
  3. Widukindii, Res gestae Saxonicae III 63
  4. Widukind III 56
  5. Falke, Mainzer Goldschmuck. aaO. S. 29
  6. vgl. Falke, Mainzer Goldschmuck. aaO. S. 27
  7. Zeitschrift für deutsches Altertum. Berlin 1841 ff. Band 8 (1851); S. 153 ff (Deutsches des X-XII jahrhunderts aus Münchener handschriften; J.A. Schmeller), auf DigiZeitschriften).
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