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Die Goldschmiedekunst der Angelsachsen zeigt während der Völkerwanderungszeit selbst auf den Britischen Inseln überall deutlich den Einfluss durch die klassische Kunst, ja die Herkunft aus ihr, und so sind einige Funde sogar geradezu als spätrömische Arbeiten anzusehen.

Beschreibung

Außer den Sachsen, die sich, seit der Mitte des 5. Jh. vorzugsweise im südlichen England niederließen, und den Angeln, die nördlich von ihnen den Osten einnahmen, waren auch noch Jüten an der Besitzergreifung der Britischen Inseln beteiligt, die nachmals hauptsächlich in Kent siedelten.

Die Kunsterzeugnisse dieser germanischen Stämme aber nach bestimmten Kriterien voneinander zu unterscheiden oder sie mit Sicherheit von denen der römischen Provinzialkunst zu sondern, gelingt nur in sehr beschränktem Maße. Mit dem allmählichen Überwiegen des germanischen Kunststils tritt dann aber, der Entwicklung auf dem Kontinent entsprechend, auch hier eine ganz ähnliche Zersetzung des klassischen Ornamentes ein.

Funde

Gegenstände, wie die feinen Halsketten von Roundway Down bei Devizes (Wiltshire) oder aus dem Tumulus Callidge Lowe (Derbyshire), letztere eine Aneinanderreihung tropfenförmig geschliffener Granaten in goldener Fassung, wie ferner die goldene Schließe von Tostock bei Ixworth (Suffolk) mit zwei großen tafelförmigen Granaten, die ähnliche Schließe von Gilton und vielleicht sogar die schöne Silberfibel von Bedfordshire [1] sind noch fast als spätrömische Arbeiten anzusehen.

Das Auslösen der klassischen Ornamentik wird z. B. repräsentiert durch die Zierscheiben aus Silber und vergoldeter Bronze, Schmuckstücke eines hölzernen Schildes, der aus einem Tumulus zu Caenby (Lincolnshire) zutage kam [2] oder durch die eigenartigen konkaven Fibeln aus vergoldeter Bronze, die in dem sächsischen Friedhof zu Fairford (Gloucestershire) regelmäßig auf der Brust der Leichen gefunden wurden.

In die Mitte des 7. Jhds. ist das Pektoralkreuz des heiligen Cuthbert († 687), „St Cuthbert's Cross“, in der Kathedrale zu Durham [3] zu setzen, das sich gleichfalls vor allem durch eine treffliche Cloisontechnik auszeichnet. Eine vorzügliche Filigranarbeit von erlesenem Geschmack ist auch die goldene Schnalle mit vier gut stilisierten Adlerköpfen aus Kent [4].

Silbervergoldete Degengefäße, „sciran goldes“, wie es im Beowulf (V. 1695) heißt, zuweilen mit einer Runeninschrift versehen, wie das in der Pfarrei Ash bei Sandwich gefundene, Helme und andere Rüstungsteile mit silbernen und goldenen Zieraten, wie z.B. der Spangenhelm von Monyash (Derbyshire) mit silbernem Kreuz auf der Mittelrippe, Goldspangen, wie z. B. jene aus einem angelsächsischem Kriegergrab von Gilton, u. a. m. lassen die Goldschmiedekunst des Landes während des 6. und 7. Jhds. in einem sehr vorteilhaften Lichte erscheinen. Nielloverzierungen sind äußerst selten und auch die Tauschierarbeit scheint von den Angelsachsen wenig oder überhaupt nicht geübt worden zu sein.

Formentypen

Für die Formengebung und die entwickelte Technik der angelsächsischen Goldschmiede sind auch jene großen Bronzefibeln mit Gold- und Silberplattierung und eingelegt mit verschiedenfarbigen Steinen und Glaspasten kennzeichnend, die aus verschiedenen Grabhügeln besonders in Leicestershire und Warwickshire stammen.

Einen anderen Typus wiederum stellen die goldenen Ringfibeln von Abingdon, Berkshire (südlich von Oxford) [2], von Kingston [5], Wingham, und Sittingbourne in Kent u. a. m. dar, bei denen außer reizvoller Cloisonarbeit und Einlagen aus farbigen Steinen und Pasten, vor allem Granatplättchen, Flechtenornamente aus Filigran und als besonders charakteristisch regelmäßig angeordnete Buckelchen aus Elfenbein oder Knochen mit einer Einlage aus rotem Glas oder einem kleinen Granaten begegnen. Ähnliche Broschen sind hin und wieder wohl auch diesseits des Kanals gefunden worden, wie z. B. in Marilles (Brabant); doch wird die Heimat auch solcher Stücke vermutlich in England zu suchen sein.

Von weiteren Cloisonarbeiten mögen etwa noch die Haarnadel aus einem Frauengrab des Friedhofs zu Wingham (Kent), die beiden vergoldeten Bronzeschnallen, mit Granaten und aus Silber, stark vergoldet und ebenso mit Granattäfelchen inkrustiert, aus dem Friedhof zu Gilton, gleichfalls im östlichen Kent, die silbernen Löffel mit Goldbelag und Granateninkrustierung auf dem Stiel [6], genannt sein.

Fränkische Importe

Schmuckstücke, wie eine goldene Ringfibel unbekannten Fundorts, mit 3 in Cloisontechnik aus Almandinen zusammengesetzten Vogelköpfen, die mit drei Rosetten derselben Art abwechseln, und mit S-förmigen Filigranendchen zur Bestreitung der Musterung des Grundes, oder die 1828 auf der Crondaler Heide (Hampshire) gefundenen feinen Goldkettchen nebst Anhängern mit Zellenverglasung, die an die Ohrgehänge des Fundes von Domagnano erinnern, dürften vielleicht eher als fränkischer Import, denn als einheimische Arbeiten zu betrachten sein. Auch fanden sich Kettchen zusammen mit merowingischen Münzen, auf deren einer der Name des heiligen Eligius, des Münzmeisters und Goldschmieds König Dagoberts (628-638), genannt wird.

Folgen der Christianisierung

Mit dem Aufkommen und der Verbreitung des Christentums auch unter den germanischen Stämmen (Bekehrung der Sachsen durch Augustin von Canterbury seit 597, der Angeln seit 633 durch Aidan) wurde die alte Bestattungsweise mit reichlichen Grabbeigaben an Schmuck und Waffen immer mehr zurückgedrängt, und am Ende des 7. Jhds. hörte sie völlig auf. Mit dem Aufhören bedeutsamerer Grabfunde aber versiegt auch für die folgenden Jahrhunderte die Kenntnis der Goldschmiedekunst und ihrer Denkmäler fast ganz, denn nur sehr wenige Stücke sind, teilweise durch bloßen Zufall, aus dieser Folgezeit überliefert.

Das hervorragendste unter ihnen ist das als König „Alfred's Juwel“ (871-901) bekannte goldene Schmuckstück, das auf der Vorderseite das Bildnis des Fürsten in Zellenschmelzarbeit, offenbar eine Nachahmung byzantinischer Emailmalerei, zeigt und um den Rand herum die Inschrift „Ælfred mec heht gewyrcan“ (Alfred ließ mich machen) aufweist. Daneben wäre etwa noch der Ring Aethelreds (Æ. I. 866-871, Æ. II. 979-1016) zu erwähnen.

Allerdings zeigen neben den spärlichen Denkmälern auch literarische Dokumente, dass die Goldschmiedekunst des Frühmittelalters in England nach wie vor blühte und reiche Anerkennung fand. Literarische Beispiele sind u. a. die Notiz über die silbernen Reliefs mit Darstellungen aus dem Leben des heiligen Aldhelm von Sherborne (um 639-710), mit denen König Aethelwulf von Wessex (um 800-858) das Grabmal des Heiligen in der Kirche zu Malmesbury Abbey schmücken ließ, die Nachrichten über allerlei Goldschmiedearbeiten in den „Annals of four masters“, das Lob der Goldschmiedekunst in dem angelsächsischen Gedicht von der Menschen Gaben im Exeterbuch oder die urkundliche Nachricht, derzufolge König Eadgar (959-975) seinem Goldschmiede Ælfsige, zum Dank für dessen Dienste, Landbesitz überwies.

Galerie

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Salin, Altgermanische Tierornamentik. aaO. S. 322, Abb. 699.
  2. 2,0 2,1 British Museum in London
  3. in der Bibliothek der Kathedrale von Durham
  4. Salin, Altgermanische Tierornamentik. aaO. S. 327, Abb. 706.
  5. Museum of Liverpool
  6. im Ashmolean Museum of Art and Archaeology Oxford und im Britischen Museum London
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