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Die Goldschmiedekunst der Burgunder wird u.a. charakterisiert durch die Vorliebe der Darstellung einer männlichen Gestalt zwischen zwei stilisierten Tieren. Sie findet sich häufig auf großen Gürtelschließen, deren Schmuck sonst lediglich durch quergeteilte Bänder in allerlei Verschlingungen, einfache Kreuze usw. bestritten wird.

Beschreibung

Obgleich auch dieser germanische Stamm bereits durch Chlodwig I. (466-511) in politische Abhängigkeit geriet und 532 von den Franken endgültig unterworfen wurde, zeigt die Goldschmiedekunst der Burgunder, wenigstens in bestimmten Gruppen ihrer Hervorbringungen, eine deutlich ausgeprägte Eigenart.

Als charakteristisch kann u. a. die Vorliebe für die Darstellung einer männlichen Gestalt zwischen zwei ursprünglich vierfüßigen, oft aber bis zur Unkenntlichkeit stilisierten Tieren bezeichnet werden. Diese Darstellung leitet sich aus der antiken, vielleicht der assyrischen Kunst her, wurde aber auch auf das Motiv von „Daniel in der Löwengrube“ bezogen. Sie findet sich häufig auf den durch ihre riesige Größe ungewöhnlichen und für die burgundische Art kennzeichnenden, silber- und goldtauschierten oder silberplattierten eisernen Gürtelschließen, deren Schmuck sonst lediglich durch quergeteilte Bänder in allerlei Verschlingungen, einfache Kreuze usw. bestritten wird. Vereinzelt findet sich auch die Darstellung des Einzugs Christi in Jerusalem [1].

Fundgebiete

Trotz politischer Abhängigkeit behielten die Burgunder anscheinend bis in das 8. Jhd. die alte Bestattungsart bei, und so stammen zahlreiche Funde aus den Gräberfeldern des einstigen Burgunderreiches, wozu außer Burgund besonders auch Savoyen, die Dauphine, Westschweiz und die nördliche Provence gehörten. Zu den wichtigen archäologischen Fundstätten zählen u. a. die aufgedeckten alten Friedhöfe von Charnay, S. Savine, la Balme (Savoyen), Bassecourt, Fetigny, Saint Sulpice (4 km westlich von Lausanne), Areuse (Kanton Neuchätel), Lussy und Attalens (Kanton Freiburg), Elisried, Ruhigen, Rosen, Bühl und Weissenbühl bei Bern, Grenchen im Kanton Solothurn usw. Ausgestellt und beherbergt werden viele burgundische Funde u. a. vom Schweizerischen Landesmuseum in Zürich [2], den Museen in Genf, Lausanne, Neuchätel, Freiburg i. Ü. Bern usw.

Einzelstücke

Bei den Denkmälern aus diesen Gebieten zeigt sich aber auch überall starke Beeinflussung durch die spätrömische, die byzantinische und durch die orientalische Kunst, vor allem in den hervorragenderen Werken der burgundischen Goldschmiede, die sich dann meist wiederum nur durch die rohere Art der Ausführung als germanische Arbeiten erweisen.

Dies gilt z. B. von dem zu Gourdon (Côte-d’Or) 1845 gefundenen, in Gold mit Zellenverglasung ausgeführten Kelch samt Schale, die nach den mitgefundenen byzantinischen Münzen in die Zeit des Burgunderkönigs Sigismund (516-523) zu setzen sind [3]. Auch den goldenen „Siegelring des Greifarius“ aus dem Eifischtal (Val d’Anniviers) im Kanton Wallis (Schweiz) werden wir wohl als burgundisch anzusprechen haben [2].

Im Schatz des Klosters St. Maurice d’Agaune (Kanton Wallis) [4] findet sich u. a. ein antikes Sardonyxgefäß („Sankt Martins-Vase“), welches eine Fassung (Fuß und Hals) in Cloisontechnik aufweist, die dem 5.-6. Jh. angehört und sich durch ihre recht rohe Arbeit germanisch (burgundisch) darstellt. Dasselbe gilt für das berühmte goldene Reliquienkästchen („Theuderich-Schrein“), welches mindestens 100 Jahre später anzusetzen ist.

Das Werk eines byzantinischen Künstlers. des 7. Jh. aber haben wir z. B. wie eine griechische Inschrift lehrt, in der Scheibenfibel aus Goldblech mit der Darstellung der heiligen drei Könige vor uns, die zusammen mit mächtigen burgundischen Schließen in Attalens (Kanton Freiburg, Schweiz) gefunden wurde.

Der 1879 gefundene „Cundpald-Kelch[5] bzw. „Kelch von Petőháza“ (Komitat Győr-Moson-Sopron, Ungarn) [6] besteht aus Kupfer und war ehemals ganz mit Goldblech plattiert. Er trägt die Goldschmiedsbezeichnung + CUNDPALD FECIT und ist bei seiner nahen Verwandtschaft mit dem Tassilokelch kaum vor der 2. Hälfte des 8. Jh. entstanden. Auch dieses Fundstück kann man als die nach Osten verschlagene Arbeit eines Künstlers aus burgundischem oder fränkischem Stamme betrachten.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. La Balme; Musée d'Art et d'Histoire (Genf), Schweiz. (Homepage)
  2. 2,0 2,1 Schweizerisches Landesmuseum (Homepage) in Zürich.
  3. Bibliothèque nationale de France (BnF)
  4. Wikipedia: Abtei Saint-Maurice
  5. Wikipedia: Cundpald-Kelch
  6. im Besitz des Liszt Ferenc Múzeums in Sopron (Ungarn)
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