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Die Goldschmiedekunst der Langobarden, die sich in der 2. Hälfte des 6. Jh. zu Herren von Italien machten, ist von jener der Ostgoten in vielen Fällen kaum zu unterscheiden.

Beschreibung

Die eigenartige Ornamentik der langobardischen Plastik, wie sie vorzugsweise auf Grabsteinen begegnet, mit ihrem Schlingen und Flechtwerk aus zwei- oder dreigeteilten Bändern („Geriemsel“), kommt in der Goldschmiedekunst dieses germanischen Stammes nur in beschränktem Maße zur Geltung.

Was Herstellung und Stil betrifft, so schwankt die Zuordnung oft zwischen germanisch und spätrömisch oder byzantinisch, um so mehr als die ostgotischen und langobardischen Metallarbeiter in Italien die römischen Formen und Ornamente mit größerem Verständnis verarbeiteten und sie weniger veränderten als die Germanen nördlich der Alpen, die in keiner so unmittelbaren Berührung mit dem eingesessenen Kunstgewerbe Italiens standen.

Theodolinde und Agilulf

Römische und germanische (langobardische) Elemente mischen sich in Stil und Technik z.B. bei der berühmten Doppeltafel (Buchdeckel des Evangeliars der Theodolinde [1]), welche die langobardische Königin Theodelinde (um 570-627) ihrer Stiftung, der Kirche zu Monza, schenkte und die sich im Domschatz dort befindet [2]. Auffällig ist hier die Zellenverglasung, die en cabochon geschliffenen Steine, die Verwendung antiker Kameen und die Kreuzform mit sich verbreiternden Balkenenden.

Die gleichen gemischten Elemente finden sich auch bei dem einfacheren Votivkreuz der Theodelinde und dem nah verwandten Votivkreuz König Agilulfs (591-615), beide im gleichen Domschatz. Das letztere Kreuz gehörte zu einer kostbaren Votivkrone, auf der Christus und die Apostel in getriebener Arbeit dargestellt waren. Während der Kämpfe mit dem republikanischen Frankreich von Monza nach Paris verschleppt, wurde sie 1804 gestohlen und vernichtet.

Mit dem Namen Agilulfs ist auch das 1896 bei Giulianova (südlich von Ancona) gefundene Bruchstück des Goldbeschlags eines Helmes (jetzt im Palazzo del Bargello, Florenz) bezeichnet, das eine Huldigungsszene nach byzantinischem Muster aber von geramnischer Ausführung in getriebener Arbeit zeigt, offenbar das Werk eines langobardischen Goldschmiedes, der wohl zugleich auch der Verfertiger des betreffenden Helmes war.

Goldblechkreuze

Goldblattkreuz Cividale San Mauro Grab 41, 590-610

Langobardisches Goldblattkreuz aus Cividale (San Mauro, 590-610)

Als spezifisch langobardisch dürfen jene Kreuze aus Goldblech angesehen werden, die ganz vorwiegend aus langobardischen Kriegergräbern stammen. Diese sind mit allerlei Punktierungen, Strichelungen, Buckelungen, mit Bandgefiecht langobardischer Art, larvenhaften Gesichtern usw. in gepresster oder gepunzter Arbeit im germanischen Stil verziert.

Sie waren ehemals auf den Gewändern aufgenäht. Eine größere Anzahl solcher Kreuze aus Monza, Benevent, Novara, Cividale del Friuli usw. besitzt z.B. das Germanische Museum in Nürnberg.

In Cividale, einem der Hauptorte der Langobarden, waren bereits 1750 aus drei Steinsarkophagen unterirdischer Grabkammern 11 Kreuze dieser Art zutage gefördert, ein anderes, mit langhaarigen Masken und eingelegten Steinen verziert, 1874 in dem vermeintlichen Grabe von Alboins Neffen, Herzog Gisulf II. von Friaul († um 610 gegen die Awaren) gefunden worden.

Wittislinger Fund

Ein Doppelgrab zu Wittislingen bei Lauingen a. D. (Bayern), dem auch ein Goldblattkreuz entnommen werden konnte („Wittislinger Fund von 1881“), barg außerdem eine Anzahl hervorragender Schmucksachen, darunter eine Scheibenfibel, deren Hauptmuster durch vier miteinander verschlungene Schlangen in Cloisontechnik mit Almandinen gebildet wird, und eine große mit stilisierten Adlerköpfen in Zellenverglasung verzierte Spangenfibel, auf deren Rückseite uns eine eingravierte Inschrift den Namen des ehemaligen Besitzers Uffila überliefert hat.

Die Technik dieser Stücke, vor allem die Verwendung kleiner Endchen Golddrahts zu einer das antike Vorbild in völliger Zersetzung zeigenden Ornamentation, lassen über ihre Herstellung durch einen germanischen Goldschmied kaum einen Zweifel. Ob hier aber ein alemannischer oder bajuvarischer Künstler am Werke gewesen ist, wie aus der Zeit (um 700) und Örtlichkeit gefolgert werden könnte, oder etwa ein Langobarde, wie das mitgefundene Votivkreuz vermuten lässt, ist schwer zu entscheiden. Forscher können bei den vielfach sehr nahen Beziehungen zwischen Bajuwaren und Langobarden fast das letztere annehmen.

Fund von Krainburg

Ebenso könnte man bei den etwa der gleichen Zeit entstammenden goldenen Scheibenfibeln mit Almandinen, silbernen Ohrgehängen usw. des Fundes von Krainburg (in Kranj, Slowenien) zwischen langobardisch, bajuwarisch, fränkisch schwanken. Von germanischen Goldschmieden ist in diesen Gegenden bereits um das Jahr 450 die Rede; sie standen im Dienste der Rugierkönigin Giso, die sie in strengem Gewahrsam hielt, bis sie ihr einen königlichen Schmuck fertiggestellt haben würden [3].

Karolingerzeit

In den späteren Werken der Goldschmiedekunst, die sich in Italien erhalten haben, besonders denen des 9. und 10. Jhds. (s.a.: Goldschmiedekunst der Karolingerzeit), macht sich neben den absterbenden langobardischen Motiven wieder ein Überwiegen des byzantinischen Einflusses geltend, wie er sich heute noch am deutlichsten in zahlreichen Stücken des Schatzes im Markusdom in Venedig, des Schatzes im Petersdom zu Rom (hier u. a. das Vortragskreuz Kaiser Justins) usw. dokumentiert. Auch in den meisten solcher Fälle ist es jedoch schwer, ja unmöglich, aus der Arbeit allein einen sicheren Schluss auf das Volkstum oder gar die Stammesangehörigkeit des betreffenden Künstlers zu ziehen.

Galerie

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Rechter Buchdeckel des Evangeliars der Theodolinde - Deutsche Digitale Bibliothek, abgerufen am 30.03.2020
  2. Museo e Tesoro del Duomo di Monza
  3. Eugippius im Leben des hl. Severinus c. 8
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