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Die ältesten bekannten schriftlichen Zeugnisse über den Handel in den germanischen Gebieten stammen aus der Antike und reichen bis in das 4. Jh. v. Chr. zurück, d.h. in die vorrömische Eisenzeit bzw. die Latènezeit (450 v.Chr. bis 15 n.Chr.).

Beschreibung

Das Interesse an den mitteleuropäischen Ländern war stets auch oder überwiegend ein merkantiles. Selbst die transalpine Eroberungspolitik der Römer stand stark unter dem Einfluß handelspolitischer Motive.

Wichtig für das Gesamtgebiet war der Güterverkehr auf den Handelswegen zwischen den einzelnen Völkern oder Völkerschaften. Trotz des gegenseitigen Mißtrauens, der Abschließung voneinander durch Ödlandstreifen und der Sperrung der Verbindungswege durch Befestigungen bahnte sich der Verkehr den Weg durch die Völkerschaftsgebiete. Notwendige und hochbegehrte Gegenstände gingen häufig im Verkehr von Volk zu Volk.

Übergang Hallstattzeit / Latènezeit

Seit dem Vordringen der römischen Eroberung besonders von Südgallien her kamen italische und südgallische Kaufleute auf der Rhonestraße längs den Seen der Westschweiz an den Oberrhein und die obere Donau und schon in der ersten Hälfte des 1. Jh. v. Chr. zu den germanischen Völkerschaften über den Rhein.

Seit dem Bekanntwerden des Eisens in Mitteleuropa, besonders in den letzten Jahrhunderten der vorrömischen Periode, d.h. in der von keltischen Einflüssen durchaus beherrschten Latènezeit, treten auch auf Grund literarischer Nachrichten, die Verkehrsverhältnisse vielfach in ein helleres Licht. Der Bernsteinhandel verlor wegen der Abneigung der klassischen Kunst gegen die Verwendung des Bernsteins seine Bedeutung für den größten Teil der Mittelmeerländer, außer Italien, behielt sie aber, wenn auch nicht in demselben Maße wie früher, für die transalpinen Völker.

Zahlungsmittel

Als Geld der Latènezeit deutet man längliche Goldperlen; doch finden sich auch Nachbildungen der Münzen des Mazedonierkönigs Philipp.

Keltischer Einfluss

Das westliche Fundgebiet des Bernsteins erscheint in der Spätlatènezeit (190 v. Chr. bis 0) für den Handel im Wesentlichen ausgeschöpft. Doch gelangten Erzeugnisse italischer und griechischer Kunst auch nach Nordeuropa. Die Vermittler des Verkehrs zwischen dem Norden und dem Mittelmeer wurden die Kelten, bei denen sich während der Latènezeit ein bedeutender Goldreichtum ansammelte.

Die wichtigste Eingangspforte des Handels vom Mittelmeer nach Mitteleuropa, besonders auch für die Erzeugnisse griechischen und italischen Kunstgewerbes, bildete die Rhonemündung, hauptsächlich Massalia, und nicht die Landschaften an der Adria. Die griechische Kolonisation versuchte sich hier im Wesentlichen erfolglos. Anscheinend bahnten erst das Vordringen der römischen Eroberung, die Entdeckung reicher Goldbergwerke bei den Tauriskern und die Gründung Aquilejas dem italischen Handel hier seit dem 2. Jh. v. Chr. die wichtigen Wege in die mittleren Donauländer.

Erst zu derselben Zeit begann die etwas häufigere Benutzung der Alpenpässe im Handelsverkehr. Der Hauptzug des Handels mit den Erzeugnissen griechischen und italischen Kunstgewerbes ging über Massalia nord- und nordwestwärts.

Form und Umfang

Über Form und Umfang des Handels im Gebiet des heutigen Deutschlands vor der Römerzeit (0 bis 200 n. Chr.) lässt sich wenig Sicheres ermitteln, und die Ansichten darüber gehen weit auseinander. Im Allgemeinen herrschte Tauschhandel vor, doch weiß man über dessen Formen nur wenig, genauso wie über das Vorkommen des sog. stummen Tauschhandels. Auch Seehandelsverkehr längs der Küste, fand schon seit der frühen Metallzeit statt.

Die heutigen archäologischen Erkenntnisse der vorrömischen Zeit lassen im Großen und Ganzen solche Handelsobjekte mehr hervortreten, die in der reicheren schriftlichen Überlieferung der späteren Zeiten nicht denselben Rang einnehmen. Die Bedeutung der dem unmittelbaren Konsum dienenden und dem rascheren Verderben ausgesetzten Gegenstände, der Hauptgegenstände des späteren Handels, gelingt es nur selten und indirekt für den vorrömischen Handel zu erschließen.

Der Handelsverkehr zwischen den Völker bzw. der Fernhandel verliefen nicht ungeregelt und formlos. Die Völkerschaft regelte ihn, indem sie ihn gestattete oder verbot (s. Art. Ausfuhr'). Der Handel von Volk zu Volk bevozugte bestimmte Örtlichkeiten und Gelegenheiten, besonders an den Grenzen; doch fehlt es an Nachrichten darüber.

Die Depot- u. a. Funde der vorgeschichtlichen Zeit liefern keine Anhaltspunkte für die Ausübung des Handels durch einzelne oder mehrere gemeinsam reisende Personen. Im Allgemeinen verharrte der Handelsbetrieb in Mitteleuropa noch bis ins Frühmittelalter bei denselben Formen. Erst seit dem langsamen Aufkommen eines Städtewesens in Mitteleuropa traten wesentliche Änderungen ein.

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