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Jera (), Jeran oder auch Jara (urnord. jāra; ags. gēar) ist die 12. Rune des älteren Futhark mit dem Lautwert „J“. Im jüngeren Futhark fehlt sie. Der rekonstruierte urgermanische Name *jēran bedeutet „(gutes) Jahr“ (anord. ár) oder „Ernte“. [1]

Beschreibung

Die Rune zu lat. J schuf man, indem man zwei C mit den Öffnungen gegen einander stellte. Eine der ältesten Formen der J-Rune ist und diese geht auf lat. G zurück; was darauf hinweist, dass die Runen dem jüngeren lat. Alphabet entstammen, da erst in diesem lat. C und G unterschieden wurden.

Älteres Futhark

Die J-Rune (), die sich im älteren Futhark von der Ng-Rune () dadurch unterschied, dass sie kein geschlossenes Viereck bildete, hat eine besonders interessante Entwicklung mit häufig wechselnden Formen. Dabei ist die Tendenz auffällig, jene Runen, die ursprünglich kürzer als die andern waren und keinen vertikalen Stab hatten, in dieser Hinsicht den übrigen gleichzumachen.

Bis zu der Zeit von 600-650 n. Chr. trug diese Rune noch den „j“-Laut, und in dieser Bedeutung traten noch die Zeichen 5 und 6 auf. Aber ab 600 veränderte sich der Name der Rune von *jára zu *ára auf Grund des nordischen Lautgesetzes, und dies hatte zur Folge, dass der Lautwert der Rune „a“ wurde, was mit A wiedergegeben wurde.

J- und Ng-Rune

J-Runes evolution2

Entwicklung der J-Rune

Über die Lautwerte der Runen J und Ng (Ingwaz) in zusammenhängenden Texten herrschten lange sehr verschiedene Meinungen. In älterer Zeit las man die Rune und ihre spiegelverkehrte Version z. B. auf den Inschriften auf dem Ortband von Thorsberg und dem Runenstein von Tune als „ng“.

Der norwegische Philologe Sophus Bugge (1833–1907) zeigte zuerst, dass dieses Zeichen auf dem Tuner-Stein als „j“ gelesen werden muss, und in Folge legte auch der österreichische Germanist und Sprachwissenschaftler Theodor von Grienberger nahe, dass dieselbe Lesung sowohl auf dem Ortband von Thorsberg wie auch in einer Reihe anderer Inschriften angewendet werden muss. [2] [3]

Die Richtigkeit dieser Ansicht wurde durch die allerdings etwas beschädigte J-Rune des Alphabets auf dem Runenstein von Kylfver (4. Jhd.) bekräftigt, wie auch durch die Herkunft und die Entwicklung der J-Rune in Nordeuropa. Daher liest man die Ng-Rune heute nur in dem Fall, wo das Zeichen aus einem geschlossenen Viereck () besteht.

Angelsächsisches Futhorc

Im angelsächsischen Futhorc entwickelten sich zwei verschiedene Jera-Runen, welche unterschiedliche Lautwerte und Bedeutungen tragen:

  • 12. Gēr (ᛄ) bzw. Géar n. mit dem Lautwert j und der Bedeutung 'Jahr'.
  • 28. Īor (ᛡ) mit dem Lautwert io (eo) und der wahrscheinlich Bedeutung 'Aal'.

Die Rune 28. ᛡ Īor ist ein Diphthongzeichen, gebildet nach Analogie der Ea-Rune.

Mittelgermanische Runen

Bei den Mittelgermanischen Runenreihen weist die J-Rune selbständig abweichende Runenformen auf. So trägt sie auf der Bügelfibel von Charnay und der einen Bügelfibel von Bezenye (540-560) das Aussehen 𐊪, d. h. sie entwickelte sich auf dieselbe Weise wie auf dem Speer von Kragehul und in anderen nordischen Inschriften.

Jüngeres Futhark

In den jüngeren nordischen Runenreihen (Jüngeres Futhark) wurden die Abkömmlinge der J-Rune mit dem Formentypus und die normalen Zeichen für das unnasalierte A und damit verwandte Laute. S.w.u. → Ansuz.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Jera (Version vom 02.09.2020)
  2. Arkiv for nordisk filologi (‚Archiv für nordische Philologie‘) im Projekt Runeberg. Bd. 14, S. 114 ff.
  3. Zeitschrift für deutsche Philologie. Halle 1868 ff. Bd. 32, S. 289 ff., 292 f.
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