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Der Keltenknoten ist ein typisches Motiv der Keltischen Kunst. Flechtwerke, die Abbildung von geflochtenen Bändern oder ganzen Geweben (Flechtband), waren zwar schon bei den Römern bekannt und sind in ganz Europa nachzuweisen, doch einzig die Kelten verwandelten die geradlinigen, regelmäßigen Geflechte in das durchbrochene Knotenmusternetz, für das sie bis heute berühmt sind.

Beschreibung

„Dann knüpfte Ogma einen Knoten der Erinnerung in die Fransen von Brigids Mantel“, heißt es in dem irischen Schöpfungsmythos.

Die keltischen Kunsthandwerker griffen die Ideen anderer Völker bereitwillig auf und gestalteten sie nach eigenen Vorstellungen weiter. Gelang ihnen das schon bei den Blattornamenten und Spiralmustern hervorragend, so schufen sie mit den Flechtmustern etwas Einzigartiges, das in der Kunstgeschichte seinesgleichen sucht.

Inspiriert wurden die keltischen Künstler vermutlich in der Frühzeit der Christianisierung von den Psaltern und Evangeliarien, die die Mönche aus dem Mittelmeerraum mitbrachten. Diese Phase begann etwa um 500 n.u.Z. In den frühen Klöstern wurden diese Schriften kopiert, von Mönchen, die, obwohl sie zum christlichen Glauben übergetreten waren, doch ihre typisch keltische Neigung, die verschiedensten freien Flächen zu dekorieren, nicht verleugnen konnten. So entstanden die beeindruckenden Teppichseiten in den Evangeliarien, die entweder vollständig mit Flechtwerk ausgeschmückt sind oder deren Kapitale entsprechend verziert sind.

Die berühmtesten Beispiele findet man in dem „Book of Kells“, dem „Book of Durrow“ und dem „Book of Lindisfarne“.

Symbolische Bedeutung

Die Muster der keltischen Knoten sind ausgesprochen komplex, fehlerlos gearbeitet und mit leuchtenden Farben ausgelegt. Aber nicht nur auf Papier haben die Kelten Knoten- und Flechtwerke gebracht, ebenfalls bekannt sind die Keltenkreuze, in die Steinmetze die geflochtenen Ornamente meißelten. Sie sind insbesondere in Irland und Schottland zu finden.

Das Denken in Zusammenhängen ist eines der hervorstechendsten Merkmale der Kelten. Verbindungen aufzubauen zwischen den Erscheinungen der Natur, dem Verhalten der Menschen, dem Wirken der Götter - das ist die Grundlage der Mythen, der bardischen Dichtung und auch der Weissagung. Auf diesem Wege entstand eine vielschichtige, verknüpfte Weltsicht, die unserem geradlinigen Denken fremd ist und manchmal verwirrend erscheinen mag. Aber sie wird der Realität viel besser gerecht als ein schlichtes Kausalprinzip, bei dessen Anwendung wir in manchmal unzulässiger Vereinfachung davon ausgehen, dass jede Auswirkung nur eine definierte Ursache hat.

Die Mönche, die im Rahmen der insularen Buchmalerei die feinen Netzwerke aus Knoten und Fäden gewoben haben, mögen bei dieser Beschäftigung über die geheimnisvollen Verknüpfungen im Lebensnetz meditiert haben. So sind die komplexen Knotenmuster auch Symbol für die Verbindungen, die zwischen allen Dingen und allen Lebewesen bestehen, für die zarten Energiestränge, die alles Sein miteinander verweben, die sich an den Stellen zu Knoten vereinen, an denen sich die Kräfte manifestieren und als konkrete Ereignisse sichtbar wer den, die sich zu Spiralen ein- und auswickeln oder um eingebettete Bilder schwingen.

Es ist den Künstlern gelungen, den Eindruck von etwas Ganzheitlichem zu vermitteln, das beim Betrachter eine innere Resonanz hervorruft. Die keltischen Knoten sind mehr als nur eine kunstvolle Verzierung, sie sind eine Darstellung des Lebensnetzes. Es ist nicht einfach, derartige Geflechte herzustellen, denn es erfordert beträchtliche Geduld und Achtsamkeit, die Fäden zu verweben.

Zoomorphe und anthropomorphe Elemente

Eher selten haben die Kelten in ihren Kunstwerken Szenen von Göttern, Menschen und Tieren abgebildet. Aber sie haben das ein oder andere Modell buchstäblich in ihre Dekorationen mit eingeflochten. Diese Figuren sind sehr stark abstrahiert, aber deutlich zu erkennen.

Besonders beliebt sind Schlangenmotive, die sich bei den gewundenen Knoten geradezu anbieten. Aber auch Vögel wurden gerne eingeflochten, wobei sich Hälse, Schwänze und Kopfgefieder der Tiere in starken Knotenbildungen umeinander wickeln. Noch seltsamer wirkt dies bei menschlichen Gestalten, die Arme und Beine auf die gelenkigste Art umeinander winden, und wenn das nicht ausreicht, werden Bärte und Schöpfe fröhlich miteinander verwoben.

Celtic Animal Ornament1

Keltische Tierornamentik mit Knotenflechtwerk

Arten

In den Flechtwerken der Kelten ist sehr genau darauf geachtet worden, dass die Fadenführung immer korrekt ist. Selbst in den feinsten und kompliziertesten Mustern gibt es keine Fehler.

Salomonsknoten

Die einfachste und kleinste Knotenmustereinheit ist der so genannte Salomonsknoten. Seinen Namen erwarb sich dieses Ornament im Mittelalter, da es angeblich die ganze Weisheit Salomons enthielt.

Flechtbandmuster

Ein einfaches Flechtband erhält man, wenn man mehrere Salomonsknoten nebeneinander verbindet. Der sog. Liebesknoten ist eine Abwandlung von drei Salomonsknoten nebeneinander und entsteht durch eine Unterbrechung im Geflecht. Diese Unterbrechungen sind das eigentliche Geheimnis der komplexen Flechtwerke und geben Spielraum für viele Varianten. Die keltischen Künstler haben dabei ihre Vorliebe für die Spirale in die Knoten einfließen lassen, und daraus ist der Spiralknoten entstanden, der etwas mehr Geschick erfordert als die beiden zuerst genannten.

Quellen

Einzelnachweise

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