Mittelalter Wiki
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In der Kleidung drückte sich nicht nur eine kulturelle Entwicklung aus, sie war auch selbst der bewusste Ausdruck einer Zugehörigkeit und Identität mit einer bestimmten Kultur oder Gruppierung. Dieser Unterschied war bei den antiken Völkern so lange für einzelne Verbände und Kulturen charakteristisch, bis die römische Herrschaft die gesamte antike Welt umspannte und Rom tonangebend für die Kleidung der 'zivilisierten', unter römischer Oberhoheit stehenden Bevölkerung des Morgen- und Abendlandes wurde.

Beschreibung

Die römische Tracht wurde die modische, und damit erschien zum erstenmal der Begriff der Mode. Aus der Antike und Römischen Kaiserzeit berichten einige römische Schriftsteller einiges über die germanische Kleidung. So Cäsar in seinen Kommentaren, Sallust (86-35 v. Chr.) und Tacitus, oder auch Pomponius Mela. Auch einige Grabsteine römischer Soldaten, die am Rhein gefunden wurden, zeigen auf Germanendarstellungen getreue Abbilder der Kleidung ihrer Gegner.

Männertracht

Die Monumente der Grabsteine römischer Soldaten lassen in der Darstellung der meist als Besiegte geschilderten Germanen ihre häufig fast völlige Nacktheit erkennen, die auch von den röm. Autoren betont wird. Ein meistens recht kleiner Mantel, der von den Schultern herabflattert, bildet die ganze Bekleidung. Dieses mantelartige Gewand (sagum) war ohne Naht und ohne Knöpfe aus gewalktem Stoff mit Hals- und Ärmellöchern. Übereinstimmend bemerkt Tacitus, dass nur Begüterte außerdem ein Unterkleid tragen. [1]

Einiges wurde auch noch durch Bemalung ausgedrückt, aber die Nacktheit ist in einzelnen Fällen nicht zu bestreiten. In gewisser Weise sind diese rheinländischen Steinmetzarbeiten der Römischen Kaiserzeit mit zwei Skulpturen im Nationalmuseum in Budapest vergleichbar, die sich auf die Eravisker, einen germanischen oder keltischen Stamm in Pannonien, bezieht. Doch weisen sie nur Frauentrachten dieser Zeit auf, die außerordentlich charakteristisch volkstümlich anmuten.

Säulendarstellungen

Edle Römer [2]

Im Gegensatz zu den rheinischen Darstellungen der römischen Kaiserzeit zeigen die Denkmäler von Adamklissi in der Dobrudscha (Rumänien), sowie die Trajanssäule und die Markus- (oder Antonins-)säule in Rom alle Germanen mit Beinbekleidung (Hosen). Die Bastarner, durch ihren Haarschopf als Sueben gekennzeichnet, erscheinen in Adamklissi meist mit nacktem Oberkörper, zuweilen mit einer kragenartigen, schmalen Brustbekleidung oder einer Tunika.

Das immer vorhandene Beinkleid reicht bis zu den Hüften und besteht teilweise aus umgewickelten Binden, aus faltigen oder auch anliegenden Hosen (im heutigen Sinne). Über die zeitliche Einordnung des rumänischen Monuments in Adamklissi bestehen allerdings Zweifel; eine These bezieht es auf den Triumph des Crassus 29-28 v. Chr. während es eine andere als Tropaeum Trajani (53-117 n. Chr.) bezeichnet.

Die Trajanssäule [1] in Rom zeigt Germanen als Hilfstruppen der Römer gegen die Daker. In ihrer Tracht erinnern sie vielfach an die Bastarner von Adamklissi, aber im Gegensatz zu den Dakern sind hier ihre Beinkleider immer eng anliegend dargestellt, und ein von der Schulter herabwallender Mantel bedeckt den sonst nackten Oberkörper.

Die Mark-Aurel-Säule [2] verewigt den Sieg Mark Aurels (121-180 n. Chr.) über Markomannen und Sarmaten. Hier zeigen die dargestellten "Barbaren" lange, faltige Hosen und gegürtete Kittel oder Tuniken; nur teilweise ist der Oberkörper nackt. Auch Mäntel kommen vor, die wie üblich auf der rechten Schulter durch eine runde Fibel zusammengehalten werden. Die Form der Tunika ist am Hals öfter weit offen, vorn aufgeschlitzt, langärmelig und bis etwa zum Knie reichend. Dieselbe Erscheinung sehen wir an einem Marmorrelief im Konservatorenpalast zu Rom, das wahrscheinlich vom Triumphbogen Mark Aurels in Rom stammt.

Kleinodien

Bei den häufigen Kleinbronzen und anderen Geräten des 1. Jhds. n. Chr. ist der Typus des "Germanen" soweit überhaupt erkennbar, in ähnlicher Ausprägung dargestellt. Sie zeigen auch öfter eine Bekleidung des Oberkörpers durch ein langärmliges Hemd oder Tunika. Eine weitere Gattung römischer Altertümer, die Germanendarstellungen liefert, sind Gemmen und Münzen. Die Gemma Augustea [3] im Kunsthistorischen Museum Wien sowie die tiberianische in Paris zeigen Germanen mit langen Hosen und nacktem Oberkörper: einer von ihnen trägt auch einen Mantel. Auf einer Münze des Domitian in Berlin sieht man gleichfalls eine Germanendarstellung (Chatten) mit langem Beinkleid und einem Fellmantel.

Frauentracht

Rekonstruktion vandalischer Trachten der äußeren Karpatensenken (2./3. Jh.)

Über die germanische Frauentracht zur Römischen Kaiserzeit ist aus den literarischen Quellen wenig zu entnehmen. Tacitus betont die Vorliebe der germanischen Frauen für leinene, purpurgeschmückte Gewandung und erwähnt außerdem, dass sie gern Arme und obere Brust frei tragen.

Auch die Denkmäler dieser Zeit zeigen nicht viel Charakteristisches diesbezüglich: lange, faltige Gewänder, ein- oder zweimal gegürtet. In einigen Fällen, z.B. bei der aus vespasianischer Zeit stammenden Reliefdarstellung einer gefangenen Germanin mit eng anliegendem, kreuz- und quergestreiftem Gewand aus Mainz und in einem Münzenbild des Domitian erscheint abweichende hosenartige Tracht der germanischen Frauen, die aber keineswegs so verbreitet gewesen sein dürfte wie bei den Männern.

In zwei Reliefs der Römischen Kaiserzeit in Budapest sind Frauendarstellungen von eigentümlicher Art erhalten, die als Eraviskerinnen angesehen werden. Das eine in Dunaföldvar gefundene zeigt eine mit Haube bekleidete Frau, die auf einer Schüssel einen Schweinskopf vor sich hält. Sie trägt ein faltiges, fußfreies Untergewand sowie ein etwas kürzeres, um die Hüfte gegürtetes Obergewand, das an beiden Schultern mit je einer gewaltigen Fibel des sog. pannonischen Typus zusammengehalten ist.

Das andere Steinbild aus Aquincum zeigt drei Frauen (und ein Kind) mit ähnlicher haubenartiger Kopfbedeckung, Fibeln derselben Art wie bei dem vorigen Monument und Halsringen verschiedener Formen, sowie Armringen. Ihre Rumpfbekleidung ist kürzer und läßt darunter eine eigentümlich faltige und weite Beinbekleidung erkennen, vielleicht "Hosen" von ähnlicher Art, wie sie z. B. in der heutigen Tiroler Volkstracht noch vorkommen. Es sind faltige dicke Strümpfe, die nach Bedarf bis zu den Hüften heraufgezogen werden können. Die mittlere Frauenfigur des Grabsteins von Aquincum zeigt außerdem ein schürzenartiges Mittelstück in ihrer Rockbekleidung.

Spätantike

Byzantinische Tracht

Eine gute Darstellung vom Charakter der Kleidung der frühchristlichen Zeit im Oströmischen Reich (dem späteren Byzantinischen Reich) geben die Darstellungen des Kaisers Justinian I. († 565) und seiner Frau Theodora I. († 548) in der Kirche San Vitale in Ravenna. Diese Tracht war vergleichsweise einfach und von der späten Römerzeit bis in das 10. Jh., wo die Einflüsse des Christentum ausgeprägter wurden, wenig dem Wechsel unterworfen.

Nur die Fußbekleidung wich bei den Männern wie Frauen von jener der antiken Römerzeit ab. Allerdings ist von Bestandteilen der Trachten, abgesehen von vereinzelten Waffenstudien, wenig überliefert worden, da im Großteil der Gräberfunde nur Schmuckgegenstände, wie Fibeln, Agraffen, Armspangen, Perlen aus Glas und gebranntem Ton überdauerten. Einzelne Überreste von gemusterten Seidenstoffen haben sich, wenn auch als große Seltenheiten, erhalten, da man mit solchen schon in frühchristlicher Periode Reliquien umhüllte.

Die hier vielfach erscheinenden, vereinzelt stehenden breiten langen Streifen in dunkler Farbe auf heller Kleidung waren eine besondere und stets wiederkehrende Eigentümlichkeit, ebenso die viereckigen Stücke, welche aus einem anderen Stoff geschnitten in die Mäntel der Männer eingesetzt wurden und verschiedene Rangabstufungen bezeichneten. Die Bischöfe trugen vor dem 11. Jh. noch keine Inful, wie hier Maximianus. [4]

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Götzinger, E.: Reallexicon der Deutschen Altertümer (Zeno.Org). Leipzig 1885., S. 363-369 (Harnisch).
  2. MgKvL. aaO.: Fig. 6. Edler Römer der spätern Zeit in der Tunika (hemdartigem Unterkleid) und der Toga praetexta (mit Purpur umsäumtem, mantelartigem Oberkleid).
    Fig. 7. Edle Römerin in der Stola (einem langen, bis auf die Füße reichenden Oberkleid) und der Palla (einem Mantel, der beim Ausgehen getragen wurde).
  3. Kunsthistorisches Museum Vienna (Bilddatenbank): Kameo: Gemma Augustea. Antiksammlung. Römisch, Frühe Kaiserzeit 9 - 12 n. Chr.
  4. Trachten, Kunstwerke und Geräthschaften vom frühen Mittelalter bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts (Band 1) : nach gleichzeitigen Originalen. Jakob Heinrich von Hefner-Alteneck. Frankfurt am Main : H. Keller, 1879. Taf. 003 u. 004.
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