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Die Kunstwerke der Kelten laden zur Kontemplation ein, zur Besinnung auf das Magische in der Natur und den Kreisläufen des Lebens. Die Beschäftigung mit den verschlungenen Mustern ist ein fast schon meditativer Akt.

Beschreibung

Weltberühmt ist die Insulare Buchmalerei der Kelten , wie z.B. das Book of Kells aus dem 8. Jh. Daneben sind der Silberkessel von Gundestrup (Latènezeit), der Battersea Schild (um 300 v. Chr) oder der vergoldete Bronzehelm aus Agris (um 350 v.Chr, Frankreich) herausragende Beispiele keltischer Kunst.

Ornamentik

Siehe auch: Doppelspirale  •  Keltenknoten  •  Keltenkreuz  •  Radkreuz  •  Triskele

Die bekanntesten Motive der keltischen Kunst sind die Triskele und das Keltische Kreuz. Man findet sie in den Andenkenläden aller „keltischen“ Länder in mehr oder minder geschmackvollen Ausführungen und in Deutschland verstärkt als Amulette (s. Keltische Amulette) oder Schmuckanhänger in der esoterischen Szene. Mit beiden Symbolen, Triskele und keltischem Kreuz, sind der Anfangs- und der Endpunkt keltischen Kunstschaffens markiert.

Am Anfang war die Spirale. Sie ist keine keltische Erfindung, vielmehr finden sie sich bereits auf den Monumenten der Megalithkultur. Bekannt sind vor allem die Spiralmotive von Newgrange am Brú na Bóinne (Irland). Die Kelten betrachteten sie als Symbol für die Kreisläufe des Lebens. Neben der Triskele und dem Keltenkreuz treten als typische keltische Motive die Doppelspirale, das Rad- oder Scheibenkreuz, der Keltische Lebensbaum, die Schlange und der Keltische Knoten auf.

Lineare Muster

La Tène (Schweiz) und Hallstatt (Österreich), die beiden großen Fundstätten, nach denen die frühkeltische Kultur benannt wurde, brachten eine Fülle von kunstvoll verzierten Gegenständen zutage, die den Übergang von geradlinigen zu kuvolinearen Mustern zeigen. Sehr frühe Ornamente bestanden vornehmlich aus Strichen, geraden, schräg gestellten, X-oder V-förmigen, die die zu dekorierenden Flächen bedeckten. Schon damals entstanden mit den einfachsten Mitteln eine ungeheure Vielzahl unterschiedlicher Muster, einmal durch die Variation der Striche zu Zickzacklinien, Fischgrätmustern, Rauten- oder Kreuzbändern, zum anderen vor allem durch das Ausfüllen oder Freilassen von Zwischenräumen.

Besonders Graburnen sind uns hier überliefert, in die man mit schlichten Mitteln, beispielsweise dem Fingernagel oder einem Holz- oder Knochenstab, die Muster in den feuchten Ton eingeritzt hat. Sie finden sich außerdem auf bronzezeitlichen Waffen und auf Schmuckstücken, in die sie mit Hammer und einem feinen, spitzen Dorn eingraviert wurden. Vor allem die goldenen Lunulae, ein halbmondförmiger Halsring, sind damit verziert, wobei das exquisite Augenmaß für gefüllte und freie Flächen auffällt.

Kurvolineare Muster

Keltischer Bronzespiegel Desborough

Dieser Bronzespiegel aus dem 1. Jh. ist mit aufwendigen kurvolinearen Ornamenten verziert.

Lange haben sich die Kelten nicht mit den geradlinigen Mustern aufgehalten. Sowohl die steinzeitlichen Spiralen als auch die Kunst der mediterranen Völker weckten ihr Interesse für geschwungene Linien. Mit der Bronzezeit wuchs ihre Vorliebe für diese kurvolinearen Ornamente, und man gewinnt fast den Eindruck, als ob gerade Striche verpönt waren. John Romilly Allen (1847–1907), der englische Archäologe, Emblemforscher und Historiker, der Anfang des 20. Jhs. ein umfassendes Basiswerk über die keltische Kunst schrieb, formuliert es so:

„Geradlinige Muster kommen in der spätkeltischen Kunst verhältnismäßig selten vor, denn die Designer scheinen eine tief verwurzelte Abneigung gegen gerade Linien gehabt zu haben, wenn sie sie irgendwie vermeiden konnten.“ Die Mustervielfalt vergrößerte sich jedenfalls sprunghaft. Der mediterrane Ursprung der gerundeten Formen lässt sich in den stilisierten Blattmustern er kennen.

Da in frühkeltischen Gräbern Gegenstände aus Italien und Griechenland gefunden wurden, müssen die Ornamente den Handwerkern bekannt gewesen sein. Doch sie kopierten sie nicht einfach, sondern verwandelten sie in einen höchst eigenen komplexen Stil. Die Spiralmuster mögen sich von Norden von Skandinavien aus verbreitet haben, aber auch hier fanden die keltischen Künstler eine völlig neue Form; sie verbanden die Spiralen mit S- oder C förmigen Linien miteinander.

Die Magie der Kurvenmuster

Wenn man sich vor Augen führt, mit welch schlichten Werkzeugen in der Bronzezeit gearbeitet wurde, muss die Bewunderung für die erlesenen Arbeiten noch steigen.

Was immer eine Fläche zum Verzieren bot, wurde verziert, doch nie überladen, sondern immer mit einem feinen Gespür für die Flächenaufteilung. Leider kennen wir nur die Muster, die auf dauerhaften Materialien aufgebracht wurden, auf Bronze, Eisen, Gold und Silber, Keramik und Stein. Holz und Leder, Stoffe und Rinden sind leider dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Aber die Objekte, die uns erhalten geblieben sind, lassen darauf schließen, dass die Kelten ein Kunstwerke und Schönheit liebendes Volk waren.

Auch Romilly Allen konnte sich in seinem eher trockenen Werk zum Thema der kurvolinearen Ornamentik nicht zurückhalten und schrieb: „Die meisten Elemente, durch die sich ein Dekorationsstil definiert, sind so phantastisch und originell, dass man sie zuerst mit dem Auge und erst dann mit dem Verstand wahr nimmt; jedoch scheinen sie sich gleichzeitig dem Beschreibungsvermögen zu entziehen.“ Kurzum, was Allen zum Ausdruck bringen will, ist, dass die Ornamente eine magische Ausstrahlung haben.

Farbgebung

GBM - Kelten 2 Augenperlen

Keltische Augenperlen aus Straubing (Hallstattzeit, 6.-5. Jh. v. Chr.).

Die Kelten liebten farbenfrohe Kleider und Gebrauchsgegenstände. Wenn auch viele der frühen Kunstwerke ihre Farbe verloren haben, so kann man doch einige Rückschlüsse ziehen aus dem, was dauerhaft erhalten geblieben ist. Das sind etwa die Glasuren der Töpferwaren, die Dekorationen aus Edelsteinen und das beliebte Emaille.

Einlegearbeiten mit roten Korallen und gelbem Bernstein auf schwarzem oder goldenem Grund erfreuten sich großer Beliebtheit, und eine große Farbvielfalt ergab sich aus den unterschiedlichen Emaillearbeiten, die mit unterschiedlichen Techniken aufgebracht wurden. Bei Keramiken und Glasperlen ist die Kombination von Gelb und Kobaltblau bekannt, ebenfalls eine sehr stark wirkende Farbverbindung. Vornehm gedeckte Farben waren offensichtlich nicht in Mode.

Auch die späteren Handschriften waren äußerst lebendig koloriert. Beliebt waren augenscheinlich die Kombinationen von Rot, Gelb und Grün, die sich besonders kontrastreich zueinander verhalten. Dazu wurde immer Schwarz als Umrandung oder kontrastreicher Hintergrund verwendet. Besonders die Tinten, die bei den Buchillustrationen verwendet wurden, überraschen mit ihrer großen Leuchtkraft, die zum Teil bis heute erhalten geblieben ist.

Körperbemalung

Zahlreiche Zeugnisse verraten, dass sich die Kelten mit Begeisterung der Ornamentik hingaben - auch auf dem eigenen Körper. Körperbemalung und Tätowierungen waren Kunstformen. Vor allem bei den Inselkelten wurden sie gepflegt, wie die antiken Autoren wissen. Mit Färberwaid, einer natürlichen blauen Farbe, bemalten sich die Krieger Körper und Gesichter, bevor sie in den Kampf zogen. Wahrscheinlich wollten sie damit ihre Gegner beeindrucken und einschüchtern.

Bei den Römern gelang ihnen das am Anfang auch noch. Aber nicht nur für kriegerische Auseinandersetzungen bemalten sich die Kelten; es gibt gute Gründe zu vermuten, dass sie dauerhafte Tätowierungen trugen. Welchen Mustern und Farben sie dabei den Vorzug gaben, ist allerdings nicht überliefert, aber man geht sicher nicht fehl in der Annahme, dass sie denen der übrigen Dekorationsstile ähnelten.

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