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Der Lausitzer Typus ist eine früheisenzeitliche Keramik-Gruppe, die während der Hallstattzeit (800-450 v. Chr.) auftrat. Typisch für diesen Stil waren z.B. Buckelgefäße.

Ornamentik

In Nordwestdeutschland ging der keramische Stil mit dem Ausgang der neolithischen Zeit zusammen mit der bisdahin gängigen Ornamentik unter. Die einfachen bauchigen Urnen trugen danach fast nie eine Verzierung. Dagegen entwickelte sich im östlichen Deutschland aus den Ausläufern des Megalithstils bei Bernburg und Magdeburg (s. Bernburger Typus) in die Mark und die Lausitz hinein ein neuer "Lausitzer Stil" der Bronzezeit.

Am einleuchtendsten tritt dies Verhältnis hervor, wenn man die Hauptformen der steinzeitlichen Gefäße von Walternienburg bei Magdeburg mit den Hauptformen der bronzezeitlichen Lausitzer Keramik vergleicht (siehe Galerie: Abb. 1 bis 6). Die Amphora auf Abb. 2 und Abb. 05 hat beidemal denselben weiten und scharfgeknickten Bauch und denselben hohen und steilen Hals. Die oberen Schnurhenkel sitzen im Winkel zwischen Schulter und Hals, die unteren von Walternienburg wurden in der Lausitz zu Zierbuckeln.

Außerdem erhielt das Lausitzer Gefäß einen Standring. Der große Becher auf Abb. 1 und Abb. 4 zeigt ebenfalls dieselbe Grundform, nur ist bei dem Lausitzer (Abb. 4) die Schulter nicht mehr so eckig und der Henkel sitzt höher. Ebenso ähnlich sind sich in der ganzen Form die zweihenkligen Töpfe in Abb. 3 und Abb. 6. Die Verzierungen zeigen in der Lausitz noch vielfach die alten Flechtmotive (Abb. 4 und Abb. 6), nur werden sie nicht mehr eingestochen, sondern in durchlaufenden Linien eingeritzt oder in breiten rundlichen. Furchen „kanneliert".

Um die Buckel herum treten sie auch in neuer Weise als Begleitringe auf (Abb. 5). Aber wir sehen auch in Walternienburg selbst diese Ritz- und Kanneliertechnik sich schon anbahnen (Abb. 3). Damit wird auf die Illusion, die man vorher in bezug auf die Darstellung des Flechtwerks erstrebt hatte, verzichtet, und es bleibt nur die ihm eigentümliche Linienführung. Das ursprünglich noch technisch Gedachte wird immer mehr zum rein Dekorativen.

Buckelverzierung und Korbstil

Eine ähnliche, nur noch stärkere Entartung erfährt im Lausitzer Stil das kleine, in der Neolithik kaum bemerkbare technische Element, der Buckel, der bei den Rössener Gefäßen als einfacher Knopf am Bauchknick sitzt, sonst meist schon zur Schnuröse ausgestaltet ist (s.a. Korbstil).

Bei den Lausitzer Töpfen und Krügen erwächst an dieser Stelle, an dem scharfen Bauchknick vier- oder sechsfach, ein Gebilde wie ein Schildbuckel. Die variierende Dekorationsform würde den technischen Ursprung nicht mehr erkennen lassen, wenn nicht die Stelle, wo die Buckel durchweg am Gefäß sitzen und ihre gewöhnliche Zahl ihn anzeigen würde.

Lausitzer Kultur

Die Lausitzer Kultur datiert in die Hallstattzeit (A+B) von der späten Bronzezeit bis in die frühe Eisenzeit (etwa 1300–500 v. Chr.). Sie bestand auf den heutigen Gebieten von Ostdeutschland, Polen, Teilen Tschechiens, der Slowakei und in Teilen der Ukraine.

Die Lausitzer Kultur mit ihrer weiten Wirkung nach Norden, Osten und Süden wird den Semnonen zugeschrieben, die nach Tacitus (Germ. 39) das Kernvolk der Sueben sind, bei denen noch alljährlich ein gemeinsames Fest aller suebischen Völker gefeiert wird, bei denen der Weltenlenker thront und denen gegenüber alles andere als nachkömmlich und abhängig erscheint.

Es stimmen hier die archäologischen Beobachtungen mit den historischen Nachrichten so zusammen, wie selten sonst. Und dieser alte, auf Flechttechnik beruhende Ornamentik-Stil ist in der norddeutschen Keramik nicht ausgestorben. Nur langsam und ungleichmäßig, in jeder Landschaft anders, werden in Norddeutschland die südlichen Einflüsse der Hallstatt- und Latènekultur aufgenommen.

Nur in Westpreußen und an seinen Rändern, wo die Beziehungen mit dem Südosten besonders rege sind, findet sich die merkwürdige Anthropomorphisierung der bauchigen Tongefäße, wie in Troja schon in der 2. Stadt. Am Halse der Vase ist das Gesicht: Nase, Mund und Augen, angebracht, der Deckel erscheint als Mütze, auf der Brust sind häufig mehrere Halsketten übereinander eingeritzt, und in die seitlichen Henkel, die zum Gesicht wie die Ohren sitzen, sind bronzene Ohrringe eingeknüpft. Diese westpreußischen „Gesichtsurnen" stehen, wie schon die Form des ganzen Gefäßes zeigt, unter dem Einflüsse der Hallstattkultur und gehören in die Zeit von etwa 500-300 v. Chr.

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