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Die Kirche von Lye (schwed. Lye kyrka) ist eine Landkirche aus dem 12. Jhd. auf der Insel Gotland in Schweden. Sie beherbergt mehrere Grabplatten mit Runeninschriften (G 99 bis G 103). Weitere Runeninschriften finden sich an den Wänden (G 104 f.). [1]

Beschreibung

Die Runen-Grabsteine von Lye kyrka sind typisch für die Art von Inschriften, wie sie sich auf Gotland vom 14. bis 16. Jhd. finden. Dort wurden Runen auf Grabdenkmälern länger und häufiger angewendet als sonstwo in Skandinavien und fast 200 solcher Grabinschriften sind bekannt.

Viele sind durch Angabe der Primzahl und des Sonntagsbuchstabens des Jahres datiert. Die Stilisierung der Inschriften blieb in der Hauptsache dieselbe, welche schon in der Blütezeit der Runensteine üblich war. Dazu werden fromme Wünsche für die Seele des Toten gefügt oder eine Mahnung an die Nachwelt, ein Paternoster für ihn zu lesen. [2]

Grabplatte G 99

Die Grabplatte G 99 stammt aus dem Jahr 1449 und seine Inschrift basiert auf dem vollständig punktierten Runenalphabet.

  • Transliteration: iakaupr • i • litlaronum • hari • lit • giara • þinna • stain • üvir • faþur • sin • olaf • ok • broüþr • sina • liknuiþ • ok • simon • biþim • fü[ri] • þaim • ok • allum • krisnum • sialum • ok • þa • uar • liþit af • guz • bürþ • fiurtan • huntraþ • ar ok • ainu • are • minna • þen • V • tihi • ar • ok • i • þi • ari • brimaþi • k • ok • r • sunudahr • i • XI (Fehler für XII). raþu
  • Übersetzung: „Jakob in Lillrone, der ließ diesen Stein machen über seinem Vater Olaf und seinen Brüdern Liknvid und Simon. Lasst uns beten für sie und für alle christlichen Seelen. Und es waren da verflossen seit Gottes Geburt 1449 Jahre und in diesem Jahre war k Primzahl (Runenstab) und r Sonntagsbuchstabe in der 11. (Fehler für 12.) Reihe.“ [2] [3]

Grabplatte G 100

Die Grabplatte G 100 stammt aus dem Jahr 1449.

Lye kyrka Grabplatte G 1000, Bengt A. Lundberg 1986-01-14
  • Transliteration: þinna · sten : þa · lit · husfru · ruþvi · giera · yfir sin · bonda · iakop · i · managardum · sum · skutin · uarþ · ihel · miþ · en : pyrsu·stin · af · uis·borh · þa · en · kunuung · erik · uar · bi · stallaþ · pa · þi · for · nemda · slot · en · þa · uar · liþit · af · guz · byr(þ) · fiurtan · hundraþ : ar · ok · ainu : ari · minna · þen : fem(t)igi : ar · biþium · þet : et · guþ : naþi · hanz · sial · ok · allum · krisnum · sialum : amen
  • Transkription: Þenna stæin þa let husfrøyia Hroðvi gæra yfiR sinn bonda Iakob i Managarðum / Mannegårde, sum skutin varð ihel með æin byrsustæin af Visborg, þa en konungR ÆirikR vaR bestallað pa þy fornæmnda slot. En þa vaR liðit af Guðs byrð fiurtan hundrað ar ok æinu ari minna þæn femtigi ar. Biðium þet at Guð naði hans sial ok allum kristnum sialum. Amen. [4]
  • Übersetzung: Die Hausfrau Hróðvé ließ diesen Stein über ihrem Ehemann Jakobr in Managarðir / Mannegård errichten, der in Visborg mit einer Kanone in Stücke geschossen wurde, als König Eiríkr auf der oben genannten Burg stationiert war. Und dann waren vierzehnhundert Jahre und ein Jahr weniger als fünfzig Jahre seit Gottes Geburt vergangen. Lasst uns beten, dass Gott seiner Seele und allen christlichen Seelen gnädig ist. Amen. [5]

Grabplatte G 101

Die Grabplatte G 101 stammt aus der Zeit von 1300 bis 1350. Sie befindet sich im Gotlands Museum (Visby) unter der Inventarnummer: C 4828.

  • Transliteration: gairual(tr) : i : lyum : han : lit gera : hua- : (h)-ta : yfir : [sin : sun : iakaubr : roþui]la : arfi -sn ... nhnuiþr : þair : lutu : eptir : han : gairual(t) : i : lyom
  • Übersetzung: Geirvaldr in Lyr / Lye ließ dieses Gewölbe über seinem Sohn Jakobr von Hróðvilaarfr / Rotarve anfertigen ... Ragnvaldr, sie erbten von ihm, Geirvaldr in Lyr / Lye. [6]

Grabplatte G 102

Die Grabplatte G 102 stammt aus der Zeit von 1400 bis 1500.

  • Transliteration: botolfr : megensarfa : li(t) : giara : stain : [hissan : ok : leggþi : yfir] : petar : fadur : sena
  • Übersetzung: Bótulfr Meginsarfr / Megensarve ließ diesen Stein herstellen und über Pétar, seinen Vater, legen. [7]

Grabplatte G 103

Die Grabplatte G 103 stammt aus der Zeit von 1300 bis 1400.

  • Transliteration: [iuan] : i mana:gar[þ]um : han : l[it] : ger[a] : hin[na] : s[ta]in : yfir : si[n] : faþ[u- :] (b)[o]tu[lf] : [ok] : hans : [m-] : bo:t...o : ok : r[o]þu[iþ : --]k : gerin : uel [: ok] : biþin : fyri : þai[ra] : sial : aldra [... i : kuþ:i : ... : u...] mik
  • Übersetzung: Jóhan in Managarðir / Mannegårde ließ diesen Stein über seinem Vater Bótulfr und seinen Verwandten (?), Bót-... und Hróðviðr errichten. Seid so gut und betet für alle ihre Seelen ... in Gott (?) ... mich. [8]

Putzinschrift G 104 A

Die Putzinschrift G 104 A stammt aus der Zeit von 1400 bis 1500.

  • Transliteration (A): syto hera : gesus : kristus : giak : biþr : þik : firi : þa sy[n-]h : ok : toryyfilsi : þinn suyta : mofru maria : mouy : na-s-þa-t * fuþ-rkhnia * (h)elb mari... * na : tema sat * (h)elb m-(r) * h armabi * tenna * om * konst * [fuþork-...stb...]
  • Übersetzung: Süßer Herr Jesus Christus, ich bete zu dir für deine süße Mutter Maria, die Magd, die sündigt und quält. ... <fuþorkhnias>. Maria hilf... Maria hilf... <fuþorkhniastbmlR>. [9]

Galerie

Quellen

  1. Wikipedia: Kirche von Lye (DE), Version vom 13.10.2020
  2. 2,0 2,1 Hoops, Johannes. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 1. Auflage, 4 Bände. K. J. Trübner, Straßburg 1911-1919. Bd. IV, S. 46 (Runenschrift, § 19a.)
  3. Vgl. auch Grabplatte von Lye Kyrka (G 99) im RuneS-Projekt der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Abgerufen am 13.10.2020
  4. Wikipedia: Gotlands runinskrifter 100 (SV), Version vom 13.10.2020
  5. Grabplatte von Lye Kyrka (G 100) im RuneS-Projekt der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Abgerufen am 13.10.2020
  6. Grabplatte von Lye Kyrka (G 101) im RuneS-Projekt der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Abgerufen am 13.10.2020
  7. Grabplatte von Lye Kyrka (G 102) im RuneS-Projekt der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Abgerufen am 13.10.2020
  8. Grabplatte von Lye Kyrka (G 103) im RuneS-Projekt der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Abgerufen am 13.10.2020
  9. Putzinschrift von Lye Kyrka (G 104 A) im RuneS-Projekt der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Abgerufen am 13.10.2020
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