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Obstwein bzw. Fruchtwein als leicht alkoholisches Getränk aus frischem oder vergorenem Saft von Kern- und Steinfrüchten sowie wildem Beerenobst war neben Met und Bier, wahrscheinlich noch vor dem letzteren, auch den Germanen bekannt.

Beschreibung

Ausdrücklich bezeugt ist für das Gebiet des heutigen Deutschlands und Englands (der Norden kommt kaum in Betracht) die Verwendung von Äpfeln und Birnen, später auch von Schlehen für die Herstellung von Obstweinen. Gelegentlich wurden auch Preißelbeeren, Heidelbeeren usw., die ja schon die jungstein- und bronzezeitlichen Pfahlbauern sammelten, ausgepresst oder als Grundlage einen Aufguss verwendet, der dann zur Gärung gebracht wurde. Noch heute ist ähnliches von Kärnten bis Island hier und da Volksbrauch.

Etymologie

Die Bezeichnung solcher Getränke ist in jüngerer Zeit, wo die einzelnen Arten genannt werden, wechselnd. Während das Mittellatein pomatium und piratium kennt, kommen Spezialbenennungen in den Landessprachen erst spät auf: bei uns herrschen die neutralen saf und tranc (apheltranc ca. 1100), in England wós (pere-wós, ofetes wós), dann hier wie dort das Lehnwort most < mustum, (birmost); jünger ist im Deutschen die übertragene Anwendung von wín (auch ags. æppelwín).

Ein uraltes Wort für den Obstwein, das für alle germanischen Sprachen bezeugt ist, ist líd: got. leiþu n.; as. ags. afr. an. líð m. n.; ahd. líd, mhd. lít m. Allerdings verblaßt diese Bezeichnung früh wieder in der Bedeutung und geht in der lebendigen Sprache überall außer in Oberdeutschland zeitig verloren. In der weitesten Bedeutung schließt líd auch den Wein mit ein, die engste ist diejenige, welche der Weiterentwicklung von sicera zu frz. cidre entspricht: Obstwein, speziell Apfelwein.

Der alte líd war zweifellos ein saures und herbes Getränk: das bezeugen auch jene alten Belege, wo es für den Essig steht, und ebenso das althochdeutsche Ludwigslied (Zeile 53 f.) von 881/882, in dem es heißt: Her skancta cehanton Sinan fianton Bitteres lides. [1] So versteht auch noch einer der Revisoren der vorlutherischen Bibel 'sicera' als saurtranck, und die 'Bitterkeit' des 'Apfeltranks' wird von dem Dichter Konrad von Würzburg (1220-1287) mehrfach in Metaphern verwertet.

Aber so gut man Wasser, Bier und Wein mit Honig versetzte, so tat man das natürlich auch mit dem Obstwein, sei's um ihn lediglich zu versüßen, sei's um ihn (gekocht) einer neuen Gärung auszusetzen: bezeugt ist dies durch Ekkehart IV. von St. Gallen (um 980-1057) in seinen Benedictiones ad mensas durch die Glosse: sicera est... sucus pomis optimis expressus, qui melle digestus ut vinum inebriat et diuturnius durat. [2]

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Das Ludwigslied (University of Notre Dame). Althochdeutscher Volltext sowie neuhochdeutsche Übersetzung von Horst Dieter Schlosser
  2. St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 393 (e-codices). St. Gallen, Stiftsbibliothek. Um 1010-1060. Sammelhandschrift - Dichtungen des St. Galler Mönchs Ekkehart IV. (Autograph).
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