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Die Ostgoten waren ein Teilstamm der Goten. Sie gingen aus dem gotischen Volk der Greutungen hervor und bestanden als Ostgoten vom 4. Jh. bis zum Anfang des 8. Jhs.

Beschreibung

Die Bedeutung der Ostgoten für die germanische Kultur gründet sich auf ihre geographische Stellung. Als östlicher Grenzstamm mit frühzeitig erstarktem Königtum [1] hatten die Goten, denen im Osten Elemente von geringer kriegerischer und politischer Tüchtigkeit gegenüberstanden und die dort auch durch den römischen Staat nicht behindert waren, zuerst von allen Germanen Gelegenheit zu erobernder Machtentfaltung und Begründung großer Reiche, wie es das des Ostrogota und vor allem das Ermanrichs war. Der hier begründeten Kultur dankt auch der germanische Kunststil seine Ausbildung.

Namensherkunft

Der Name der Ostgoten ist in ältester Gestalt als Austrogoti sonst als Ostrogot(h)i, Ostrogothae überliefert und lautete in wulfilanisch-gotischer Form wohl Austragutans. Germ. austra- ist vermutlich das aus der Wz. aus gebildete Wort für 'Osten, ostwärts'. Dazu gibt es eine Fülle von Völker- und Ländernamen, die mit deutsch óst(ar)-, anord. aust(r)-, ags. east(er)- zusammengesetzt sind. Da die Austragutans zudem die östliche Abteilung des Gotenvolkes sind, kann der Name nicht anders verstanden werden und bedeutet 'Ostgoten'. Den Ostrogota entsprechen die ags. Eastgota [2]

Wenn die Ostgoten in der germanischen Heldensage Amelunge heißen, handelt es sich dabei ursprünglich um den Namen ihres Königsgeschlechtes, wie ein solcher auch sonst gelegentlich zum Volksnamen wurde. Ags. Mǣringas für die Ostgoten und anord. MáringaR (Rökstein) und die Bezeichnung Mergothi im lateinischen Prolog zu Notkers Boethius (einer St. Gallener Handschrift des 10. Jhs.) gehört nicht unmittelbar zu anord. mǣringr - 'vornehmer, berühmter Mann', sondern dürfte ursprünglich die Goten unter König Valamer bezeichnen, wie die Frideschotten des Gudrunliedes die Schotten des Königs Fridebrand sind.

Auch das Walagoti der fränkischen Völkertafel ("Generatio Regum et gentium") lässt die Deutung auf die Goten des Valamer zu, wenn es nicht die im Lande der Walchen, Wälschen angesiedelte Goten bezeichnet [3]. Ein weiterer poetischer Name der Ostgoten ist anord. HraiþgutaR (Rökstein), Hreiðgotar, umgedeutet Reiðgotar; daneben ags. Hrædas, Hréðas, Hréðgotan.

Organisation

Vortrefflich war die innere Organisation des Reiches. Die Ostgoten bekamen den dritten Teil alles eroberten Landes in ganz Italien nebst der entsprechenden Anzahl Sklaven zur Bebauung. Sie hatten dafür allein die ehrenvolle Pflicht des Kriegsdienstes und durften Waffen tragen. Ordnung, Waffenführung und Kampfart in dem Heere waren altgermanisch. Der König blieb im Felde der alte Heerkönig und Kriegsfürst; unter ihm befehligten Herzoge und Grafen, im Frieden auch in den Grenzländern. Handel, Gewerbtätigkeit, Ackerbau und andre Künste des Friedens blieben den römischen Einwohnern überlassen, deren Gesetzgebung, Rechtspflege und Steuerordnung nicht verändert wurden.

Geschichtsschreibung

Die Geschichtsschreibung der Ostgoten bildete in der Spätantike den Anfang der Aufzeichnung der Volksgeschichten der einzelnen germanischen Stämme. Als Vorbild gingen die leider verlorenen Schriften des Ablabius im 5./6. Jh. voran. Dann folgte die zwischen 526 und 533 herausgegebene Gotengeschichte (Historia Gothorum) von Cassiodor, die allerdings auch nur in der Bearbeitung und Fortführung des Jordanes erhalten ist (s. Getica). Mit ihm taucht bereits (551) der erste geschichtschreibende Germane auf, der als oströmischer Untertan die kaiserlichen Interessen mit denen seines Volkes zu versöhnen versuchte. Doch begrub die völlige Vernichtung der Ostgoten kurz darauf solche Hoffnungen. [4]

Geschichte

Die einheimische Ursprungssage bei Jordanes [5] erzählt, dass die Goten auf drei Schiffen von der Insel Scandza nach dem gegenüberliegenden Ufer der Ostsee ausgewandert seien. Auf eines dieser Schiffe wird das Volk der Gepiden zurückgeführt.

Daraus folgt, dass man bei den beiden anderen an Ost- und Westgoten dachte; man setzte also diese Zweiteilung der Goten im engeren Sinne schon für die Zeit vor der Abwanderung in die Pontusgegend voraus, als deren Führer allerdings nur ein König (Filimer) genannt wird. Für alte Selbständigkeit der Ostgoten darf man vielleicht auch geltend machen, dass der andere Name, unter dem sie in den Geschichtsquellen vorkommen, Greutungi, auf skandinavischem Boden in dem der (Eva)greotingi des Völkerverzeichnisses König Rodvulfs wiederkehrt.

3. Jahrhundert

Wieweit bei den gotischen Unternehmungen gegen die Römer auch die von der Reichsgrenze entfernter wohnenden Ostgoten beteiligt waren, ist schwer zu entscheiden. Doch werden sie wiederholt ausdrücklich genannt, und als Ostgotenfürsten haben wir seines Namens (oder Beinamens?) wegen den von Jordanes [6] in die Reihe der Amaler aufgenommene Ostrogota zu betrachten. Doch scheint er, da er mit Römern und Gepiden (unter Fastida) Kriege führt, die Oberherrschaft auch über die westlicheren Goten ausgeübt zu haben. Er ist der älteste Held, an den die germanische Heldensage die Erinnerung bewahrt hat.

Nach Auseinandersetzungen mit dem römischen Reich in Südosteuropa in der ersten Hälfte des 3. Jhs. spalteten sich die Goten in die Thervingen (später Westgoten) und die Greutungen (später Ostgoten) unter der Herrschaft der Amaler (Makellosen) in den Steppen Südrusslands. In den pontischen Sitzen standen die Ostgoten auf der Ostseite, nach dem ausdrücklichen Zeugnis des Ablavius bei Jordanes [7], wozu es stimmt, dass nach Ammianus Marcellinus die Greutungen an die Alanen am Tanais heranreichen.

4. Jahrhundert

Zu einer Großmacht wurde das Ostgotenreich unter Ermanarich († 376), der die Heruler an der Maeotis, außerdem aber eine große Zahl slavischer, baltischer und finnischer Völkerschaften unterwarf und das Land zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee beherrschte. Dieser Aufschwung fand aber schon um 375 n. Chr. durch einen unglücklichen Kampf gegen die über den Tanais vorbrechenden Hunnen einen jähen Abschluss, unter deren Botmäßigkeit die Ostgoten dabei gerieten. Sie unterwafen sich den Hunnen, blieben nördlich von der Donau wohnen und nahmen an den Kriegszügen Attilas teil.

5. Jahrhundert

Nach Attilas Tod im Jahre 453 n.Chr. erhoben sich drei Brüder aus dem Haus der Amaler, Valamer, Theodemir und Videmer, ostgotische Könige zur Zeit Attilas, die diesem auch Heeresfolge geleistet hatten. Nun beteiligten sie sich aber an der siegreichen Erhebung gegen die Hunnen, erstritten 454 n.Chr. am Fluss Netad ihre Selbständigkeit und gelangten dadurch in den Besitz von Pannonien. Als ihre Grenzstädte werden Sirmis (Sirmium) und Vindomina (Vindobona, Wien) angegeben [8].

In diesen Sitzen erwehrten sich die Ostgoten glücklich neuerlicher Angriffe der Hunnen Angriffe und behielten auch in den Kämpfen mit den germanischen Nachbarvölkern, die sich gegen sie verbündeten, die Oberhand, vor allem durch den Sieg am Flusse Bolia im Jahre 469 n.Chr. Das über der Donau in Oberungarn aufgerichtete Skirenreich fand dabei sein Ende. Im Gefühl gestiegener Macht wandte sich nun das Ostgotenvolk unter Videmer und Thiudimir - Valamer war in den vorausgehenden Kämpfen gefallen - gleichzeitig gegen West- und Ostrom.

Videmers Ziel war Italien, wo er aber starb, worauf seine Scharen durch seinen gleichnamigen Sohn nach Gallien zu den Westgoten geführt wurden. Und auch Theodemer ereilte, nachdem er über die Save vorgedrungen war, 471 n.Chr. der Tod.

Theoderich der Große

Auf Theodemer folgte Theoderich der Große, der im Jahre 474 auf den Thron erhoben wurde. Unter ihm setzten sich die Ostgoten zunächst in Niedermösien fest und standen von dort aus in wechselnden Beziehungen zu Ostrom. Er zog nach der griechischen Halbinsel, um Kaiser Zenon gegen Aufrührer zu unterstützen, wurde aber dann, da die Ostgoten sich durch Plünderungen lästig machten, nach Italien geschickt, um dort Odoakers Herrschaft zu stürzen.

So führte Theoderich sein Volk im Jahre 488 n. Chr. gegen Odoaker nach Italien. Es sammelten sich 200.000 Ostgoten zu Nova in Niedermösien, brachen sich durch das inzwischen von den Gepiden besetzte Pannonien Bahn, überschritten die Julischen Alpen und überwältigten 489 n.Chr. Odoakers Scharen am Isonzo und bei Verona. Mit Hilfe der Westgoten errangen sie 490 einen dritten Sieg an der Adda und nötigten Odoaker zur Flucht nach Ravenna, wo er sich 493 ergeben musste, nachdem die Ostgoten ganz Italien schon erobert hatten.

So wurde das italienische Ostgotenreich begründet. Vom oströmischen Kaiser als König von Italien anerkannt, wusste Theoderich der Große in kurzer Zeit dem Ostgotenreich durch Energie und Klugheit Macht und Ansehen zu verschaffen. Es gelangte rasch zu hoher Blüte und wurde zur Schutzmacht für kleinere germanische Völker gegen die Angriffe habgieriger Eroberer, namentlich Chlodwig I..

6. Jahrhundert

Die Vandalen traten Sizilien ab; im Nordosten bis zur Donau stellten sich die Heruler unter den Schutz der Ostgoten, in den Alpen die Alamannen. Zugunsten der Westgoten schritt Theoderich der Große 507 ein und rettete ihnen Septimanien, während er die Provence mit seinem Reich vereinigte. Unter dem Schutz des langen Friedens und der Fürsorge des Königs blühte Italien von neuem auf.

Die zwischen 511 und 515 von Theoderich dem Großen und seinem Enkel Athalarich erlassenen Verordnungen [9] hatten sowohl für die Goten als auch für die Römer Geltung. Die altrömischen Ämter bestanden weiter und wurden mit Römern besetzt. Römische Richter entschieden die Streitigkeiten zwischen den Römern, während solche zwischen Goten und Römern von den Gotengrafen mit Zuziehung rechtskundiger Römer abgeurteilt wurden.

Trotzdem verschmolzen Goten und Römer zu keinem Ganzen, hauptsächlich wegen des konfessionellen Gegensatzes der katholischen Römer zu den arianischen Goten. Aufgereizt vom Klerus, zettelten die Römer Verschwörungen gegen die ketzerische Herrschaft an, und die Hinrichtung des Boëthius und Symmachos, zu der sich Theoderich 524 hinreißen ließ, steigerte die Abneigung. Dazu kamen nach Theoderichs Tod (526) innerer Zwiespalt und äußere Gefahren.

Amalasuntha

Amalasuntha, die Tochter Theoderichs, die für ihren unmündigen Sohn Athalarich die Regierung führen sollte, begünstigte die Römer und ihre Kultur so sehr, daß die Goten ihr den jungen König entrissen, um ihm eine nationale Erziehung zu geben. Doch starb Athalarich nach einem ausschweifenden Leben schon 534. Amalasuntha suchte die Herrschaft zu behaupten, indem sie sich mit ihrem Vetter Theodahad, dem letzten Amaler, vermählte. Dieser ließ Frühjahr 535 Amalasuntha im Bade erwürgen und bemächtigte sich der Alleinherrschaft, wurde aber schon Herbst 536 ermordet, weil er sich vor Kaiser Justinian, der als Rächer der Amalasuntha seinen Feldherrn Belisar nach Italien sandte, feig benahm. Belisar, von den römischen Einwohnern als Befreier begrüßt, eroberte Unteritalien und bemächtigte sich im Dezember 536 auch Roms.

Witiges

Witiges, von den Goten auf den Thron erhoben, belagerte vergeblich ein Jahr lang (537–538) mit 150,000 Mann die Stadt und mußte endlich nach großen Verlusten nach Ravenna zurückgehen, das sich 539 Belisar ergeben mußte. Als dieser 540 abberufen wurde, führte er Witiges als Gefangenen nach Konstantinopel. Nun wählten die Goten Ildibad und nach dessen Ermordung 541 seinen Neffen Totila zum König.

Totila

Totila eroberte rasch Italien wieder und zog 546 in Rom ein, das der zurückgesandte Belisar zwar 547 wiedergewann, 549 aber von neuem aufgeben mußte. Nach Belisars zweiter Abberufung (549) unterwarf Totila auch Sizilien, Sardinien und Korsika. 552 schickte Kaisers Justinian I. seinen Feldherrn Narses mit einem oströmischen Heer nach Italien. Dieser besiegte das Gotenheer im Juli bei Tagīna(e) am Fuße des Apennin. Totila kam auf der Flucht um.

Teja

Während Narses Rom eroberte und nach Kampanien vordrang, wurde in Papia Teja auf den Königsschild erhoben. Er eilte seinem in Cumä von Narses belagerten Bruder Aligern zu Hilfe, kämpfte am Flusse Sarnus bei Neapel 60 Tage lang tapfer gegen die Römer und fiel endlich mit dem Kern des Heeres, vom Meer abgeschnitten und dem Hungertod preisgegeben, im Verzweiflungskampf; nur 1000 Mann ergaben sich gegen die Bedingung freien Abzugs. Aligern überlieferte Cumä 553 dem oströmischen Feldherrn, und nachdem ein Heer von Alemannen und Franken, das, mehr um zu plündern, als das Gotenreich herzustellen, in Italien einfiel, 554 in der Schlacht am Volturnus vernichtet wurde, ergab sich die letzte gotische Festung Compsa (Conza) in Samnium 555.

Das Ende des Ostgotenreiches

So erlag das Ostgotenreich erlag nach seinem kurzem, nur 50 jährigem Bestand trotz der heldenmütigen Gegenwehr seiner letzten Könige Totila und Teja den Angriffen der Byzantiner. Die Reste des ostgotischen Volkes wurden in verschiedene Länder verschlagen und verschollen, vielleicht fanden sie auch bei germanischen Nachbarstämmen Aufnahme und gingen in ihnen auf. Dass die ostgotische, amelungische Heldensage zu den oberdeutschen Stämmen, zumal den Baiern, gekommen ist, findet so die beste Erklärung. Die am Pontus zurückgebliebenen Ostgoten sind als die Krimgoten und Tetraxiten bekannt.

Könige der Ostgoten

Alternativgeschichte

Der Aufstieg des Ostgotenreiches begann um 488. Theoderich ein gotischer Verbündeter der Oströmer erhält den Auftrag das weströmische  Reich von seinem „wiederrechtlichen“ König Odovacrius (Odoaker) zu befreien. Für die Herren in Constantinopel ist der Germane auf dem römischen Trohn ein Dorn im Auge. weiterlesen...

Quellen

Einzelnachweise

  1. s. Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania). Übersetzung "Die Germania des Tacitus". Anton Baumstark: Freiburg 1876. Digitalisat auf Wikisource. Kap. 44
  2. Widsith. 113
  3. vgl. Heinzel. Über die ostgothische Heldensage. S. 10 ff. (Sitzungsberichte der Wiener Akademie. Nr. 119)
  4. Hoops, RdgA. aaO. Bd. II, S. 206. Art. Geschichtsschreibung
  5. Jordanes, Getica 4
  6. Jordanes, Getica. 14
  7. Jordanes, Getica. 14
  8. Jordanes, Getica. 50
  9. vgl. Dahn, Die Könige der Germanen, Bd. 4; Würzburg 1868.
  10. Wikipedia: Liste ostgotischer Könige (Version vom 16.05.2019)
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