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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 16. Juli 2014 als Spotlight vorgestellt.

Der Pfeffer (Piper nigrum L.) war bereits im Mittelalter ein wichtiges Gewürz der Nahrung und wurde auf den Handelswegen nach Mitteleuropa importiert.

Allgemeines

Der Pfefferstrauch war ursprünglich wohl nur im südlichen Ostindien, vor allem auf der Malabarküste, einheimisch. Den Indern scheint er im Zeitalter der Weden als Gewürzpflanze noch unbekannt gewesen zu sein; aber im Rámáyana [1] wird neben dem Salz auch der Pfeffer als Speisenwürze genannt. Aus Indien gelangte er wahrscheinlich auf dem Landweg durch Persien nach Griechenland. Durch die Römer wurde der Pfeffer in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten nach Nordeuropa eingeführt.

Etymologie

Die Verbreitung des Pfeffers von Indien nach Griechenland bezeugt auch die etymologische Entwicklung. Das r von griech. πεπερι (peperi) n. gegenüber dem l von altind. pippalí für 'Beere, Pfefferkorn' erklärt sich am einfachsten durch iranische Vermittlung. Aus einer orientalischen Namensform *pippari stammt direkt oder indirekt auch lat. piper, Gen. piperis n.

Die Verbreitung von Süd- nach Nordeuropa durch die Römer zeigt u.a. die Erhaltung des i in dem anord., afries., ags. und anord. und die Lautverschiebung im althochdeutschen Namen zeigt: ahd. pfeffar m., mhd. nhd. Pfeffer m.; and. piperi und peper, mnd. mndl. peper m., nnd. nndl. peper; afries. piper-; ags. pipor, piper m., me. piper, peper, ne. pepper; aus dem Angelsächsischen stammt anord. piparr m., nnorw. pipar, adän. piber, aus dem Niederdeutschen nschw. peppar, ndän. peber.

Das Pfefferkorn heißt ags. piporcorn, anord. piparkom; pfeffern ist ahd. pfeffarón, ags. piporian, anord. pipra.

Beschreibung

Wie hoch die Germanen das scharfe Gewürz schon zur Völkerwanderungszeit schätzten, zeigt der Bericht des Zosimus (Hist. nova, V. 41, 4): als Alarich 410 Rom belagerte, habe die Stadt ein Lösegeld von 5000 Pfund Gold, 30.000 Pfund Silber, 4000 Seidengewändern, 3000 scharlachroten Pelzkleidern und 3000 Pfund Pfeffer bezahlen müssen. [1]

Aus der ersten Hälfte des 8. Jhds. ist überliefert, daß angelsächsische und römische Geistliche aus Italien Weihrauch und Gewürze, darunter Pfeffer, Zimt und Costus, als Geschenke an die Äbtissin Cuneburga und an Bonifatius schickten [2]. Im Kloster St. Gallen wurden im 9. Jh. Pfeffer, Costus, Nelken und Zimt zu einer Würze für Fischspeisen verwendet. Unter Geschenken, die für Karl den Dicken (839-888) bestimmt waren, wird u. a. Pfeffer erwähnt.

Als Geschenk, Tribut und Zahlungsmittel

Auch sonst diente der Pfeffer häufig zu Geschenkzwecken oder als Tribut. So wurden dem deutschen Kaiser von der venezianischen Signoria 50 Pfund Pfeffer dargebracht, und 1177 erhielt Kaiser Friedrich I. einen Jahrestribut in diesem Gewürz. Abgaben, Steuern, Zölle und Lösegelder wurden vielfach in Pfeffer entrichtet, ja, der Pfeffer spielte im Mittelalter geradezu die Rolle eines allgemeinen Zahlungsmittels an Stelle des Geldes, wozu er durch seine Wertschätzung und Dauerhaftigkeit besonders geeignet war. So wurde der Pfeffer im Mittelalter zu einem der wichtigsten Handelsartikel, ja, bildete fast den Mittelpunkt des gesamten Exporthandels, und noch in der Neuzeit, vom 16. Jh. an, wird „Pfeffersack" gern als Schimpfwort für die Kaufleute im Allgemeinen gebraucht.

In London mußten die deutschen Kaufleute unter König Aethelred dem königlichen Stadtvogt zu Weihnachten und Ostern außer Tüchern, Handschuhen und Essig auch je 10 Pfund Pfeffer zahlen (ca. 991 bis ca. 1002). [3] Die fremden Importhändler durften zu London im 11. Jh. im Einzelhandel nicht unter 25 Pfund Pfeffer auf einmal verkaufen (Libertas Londiniensis 8, 2). Im Haushalt wurde der Pfeffer im Pfefferhorn (ags. piperhorn) aufbewahrt; und in den angelsächsischen Rezepten ist Pfeffer eines der häufigsten Ingredienzien [4].

Als Heilmittel

Die verschiedenen Arten von Pfeffer waren im Mittelalter häufig Bestandteile von Heilmitteln. So empfiehlt z. B. Lorscher Arzneibuch (8./9. Jh.) die sog. Drei-Pfeffer-Mittel gegen Magenleiden und Drei-Pfeffer-Latwergen gegen verschiedene Formen von Atemwegserkrankungen. [5]

Quellen

  • F. A. Flückiger Pharmakognosie des Pflanzenreiches, 3. Auflage., Berlin 1891, S. 911 ff.
  • Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, 4 Bände (1. Aufl.). Johannes Hoops. K. J. Trübner, Straßburg 1911-1919. Bd. III, S. 406 f.

Einzelnachweise

  1. Bibliothek der Kirchenväter (BKV): Neue Geschichte (Historia nova). Zosimos (um 500). Deutsche Übersetzung von G. B. (von) Schirach. Halle, 1770. Buch V., Kap. 41.
  2. Monumenta Germaniae Historica: Epistolae. III 298, 18; 328, 4; 366, 24
  3. Gesetze der Angelsachsen (Internet Archive). Felix Liebermann. Savigny-Stiftung. M. Niemeyer, 1906. Bd. I, S. 235: 2, 10
  4. Leechdoms, Wortcunning, and Starcraft of Early England (Internet Archive). 3 Bände. Thomas Oswald Cockayne. London 1864-66. Bd. III, S. 341
  5. Lorscher Arzneibuch (Msc.Med.1). Digitalisat der Staatsbibliothek Bamberg (Kaiser-Heinrich-Bibliothek). Lorsch, 8. / 9. Jahrhundert. Transkription und deutsche Übersetzung von Ulrich Stoll. Stuttgart : Steiner 1992. Curationes. Buch 5, Fol. 60r, Nr. 1, 19-20; Fol. 62v, Nr. 1, 33.
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