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Als Römische Kaiserzeit, im germanischen Raum auch Römische Eisenzeit, oder aber kurz Römerzeit, wird in der Archäologie, vor allem in der Ur- und Frühgeschichte, traditionell ein Abschnitt (ca. 1 bis 375 n.Chr.) der Frühgeschichte der an das Imperium Romanum angrenzenden Gebiete Europas bezeichnet.

Definition

Die Römische Kaiserzeit folgt innerhalb des Römischen Reiches auf die Zeit der Römischen Republik (509-27 v.Chr.) und in den angrenzenden Gebiete Europas auf die Latènezeit (450 v.Chr. bis 15 n.Chr) bzw. in Nordeuropa auf die vorrömische Eisenzeit („Keltische Eisenzeit“) von 750-30 v.Chr.

Im germanischen Raum wird die Zeit von Christi Geburt bis 200 n. Chr. oder aber auch die gesamte Periode der Römischen Kaiserzeit bis ca. 400 n. Chr. als „Römische Eisenzeit“ bezeichnet. Dieser Zeitabschnitt gliedert sich in die frühe römische Eisenzeit (0 bis 200 n. Chr.) und die späte römische Eisenzeit (um 200 bis 400 n. Chr.).

Das Ende der Römischen Kaiserzeit im Jahre 375 gilt als Beginn der Völkerwanderungszeit. Vor allem im Mittelmeerraum wird der Übergang von der Antike zum Frühmittelalter als Spätantike bezeichnet.

Römische Eisenzeit

In den germanischen Gebieten Mittel- und Nordeuropas zeigte sich unmittelbar nach der dauernden Okkupation von Rhein und Donau durch die Römer eine derartige Umgestaltung in der Ausstattung der Gräber und der Formengestaltung der Geräte, dass Forscher diese Periode von ca. 50 bis etwa 400 n. Chr. als die „römische" bezeichnen, umgangssprachlich auch „Römerzeit“ genannt.

Dabei sind die Masse der Produkte einheimische Fabrikate und ihre Formengebung wurzelt in der vorausgehenden, unter gallischem Einfluss stehenden sogenannten Latèneperiode. Eine weitere allgemeine Umwandlung tritt um das Jahr 200 n. Chr. ein, in starker Abhängigkeit von der germanischen (gotischen) Südost-Völkerwanderung, so dass sich die Zeit des römischen Einflusses auf zwei Gruppen von Altertümern verteilt; in diesem Sinne werden die Ausdrücke „früherer“ und „späterer Abschnitt“ der römischen Eisenzeit verstanden.[1]

Römische Provinzialkultur

In einzelnen Gegenden nördlich der Alpen, wie in Böhmen, dauerte die Latèneperiode noch bis ins 2. Jh. unsrer Zeitrechnung hinein, eine Zeit, wo weiter westlich und südlich im Rhein- und Donaugebiet die reine Latènekultur längst von römischen Formen und römischem Wesen vollkommen durchdrungen war. Überhaupt bildete sich im ganzen Norden und Westen des Römischen Reiches und noch darüber hinaus unter dem Einfluss der politischen Oberherrschaft und der engen wirtschaftlichen Beziehungen mit Italien ein besonderer Formenstil heraus, den man als Römische Provinzialkultur bezeichnet.

Die in der Umgebung von Worms aufgedeckten Nekropolen aus der römischen Kaiserzeit enthielten neben zahlreichen Brandgräbern der frühen Kaiserzeit auch Gebeine, zum Teil in Steinsarkophagen, zum Teil in Holzsärgen. In vielen Fällen hatte man die Leichen in Gipsbrei eingebettet. Gefäße aus Terra Sigillata, Krüge und Becher aus Ton, Glasgefäße, Schnüre aus Glasperlen, Spazierstöcke u. dgl. wurden den Toten beigegeben (s. Grabbeigaben). Die Bekleidung der Leichen besteht aus gröbern und feineren Leinwandgeweben. Als Reste des Leichenschmauses finden sich in den Gräbern Geflügelknochen, Knochen vom Rind und Fischgräten... siehe auch → Weiterlesen.

Übergang zur Völkerwanderungszeit

Aus der römischen Provinzialkultur entwickelt sich in den folgenden Jahrhunderten ein neuer, in seiner Eigenart ebenfalls scharf umrissener Stil, der sog. Völkerwanderungsstil, und aus diesem schließlich, noch immer unter dem starken Einfluss der römischen Provinzialformen, die reiche Formenreihe, wie sie den fränkisch-alemannischen Reihengräbern der Merowingerzeit entnommen worden ist.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Hoops, Johannes. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 1. Auflage, 4 Bände. K. J. Trübner, Straßburg 1911-1919. Bd. III, S. 514 ff. (Römische Funde)
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