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Der Reiterhammer (frz. marteau d´armes de cavalier, engl. horseman's hammer), Fausthammer oder auch Papagey (bzw. Papagei), ist eine Form des Streithammers, der speziell von der Reiterei geführt wurde. Er besitzt eine Hammerfläche sowie eine Klingenspitze, um die gegnerische Rüstung einzudellen oder aufzubrechen.

Beschreibung

Der Reiterhammer (Palcut bei den Hussiten) mit kurzem Schaft, den die Ritter, ebenso wie den Streitkolben, an dem Sattel hängend mit sich führten, ist von fast ebenso alter Herkunft wie der Streithammer mit langem Schaft für die Fußsoldaten.

Papageischnabel

Als „Papageischnabel“ bzw. „Papageienschnabel“ bezeichnete man in der Waffenschmiedsprache eine gekrümmte scharfe Spitze an der entgegengesetzten Seite des Hammers, die einen ganz krumm auslaufenden Teil der kurzgestielten Waffe ausmachte. Bereits antike Basreliefs im Louvre zeigen Amazonen, die ihre Feinde mit Äxten mit kurzem Stiel und doppelter Schneide angreifen, von denen eine die Form des Papageischnabels hat. Die kleinere und weniger gebogene Version dieser scharfen Spitze des Streithammers auf langem Schafte nannte man „Falkenschnabel“. [1]

Spätmittelalter

14. Jahrhundert

Der Streithammer tauchte als Reiterwaffe zuerst in den Reihen des seit 1367 bestehenden Schläglerbundes der schwäbischen Ritterschaft auf, und auch der sog. Martinsvögel, deren Zweck war, sich gegen Kaiser und Reichsstädte zur Wehr zu setzen. Es war hauptsächlich die Weiterentwicklungen der Plattenharnische, die gegen Mitte des 14. Jhds. in der Reiterei die Verwendung von kurzstieligen Hämmern im Gefecht bedingte.

Der Adel wehrte sich lange gegen die missachtete Waffe der Städtebürger, der Pfeffersäcke und der einfachen Bauern; aber letztendlich wurde der Einsatz von Reiterhämmern schlichtweg zur Notwendigkeit, um mit der Entwicklung der Rüstungen mitzuhalten. Die Deutschen und Franzosen führten ihn am Sattelknopf, die Italiener trugen ihn am Gürtel; ihre Fausthämmer waren deshalb durchweg mit Gürtelhaken ausgestattet. Gewisse Formen dieser Fausthämmer führten wegen der Ähnlichkeit des Hammereisens mit einem Vogelschnabel den Namen Papagey.

15. Jahrhundert

Um die Mitte des 15. Jh. wurde der Streithammer, nun als Faust- oder Reiterhammer, von der Reiterei dann überall geführt. Im 15. Jh. trat auch die Sitte auf, die Schlagfläche des Hammers mit diamantförmigen Spitzen und verschiedenartigen Figuren, ja selbst Monogrammen auszustatten. Entstanden in der Absicht den Schlag gefährlicher zu machen, führte die Sitte zur plumpen Rennomisterei mit der Begründung, die Hand des Helden an den Leichen der Gefallenen wiederzuerkennen.

In der 2. Hälfte des 15. Jh. wurde es Sitte, die Fausthämmer zu Pferde derart in der rechten Hand zu tragen, dass der untere Teil des Stieles auf dem Rand des Unterdiechlings ruhte, und das Hammereisen als Handgriff diente. In den Kürisser-Regimentern Kaiser Maximilians I. (1486–1519) trugen die Rottmeister Fausthämmer mit übermäßig langen Stacheln, zugleich als Waffe und Würdenzeichen. Dieser Gebrauch erhielt sich bis in die ersten Jahre der Regierung Kaiser Ferdinands I. (1558–1564).

Renaissance

16. Jahrhundert

In den italienischen Reiterregimentern wurden im 16. Jh. von jedem Mann bis zum Obersten hinauf kleine Fausthämmer mit eisernen Stielen geführt, welche an den Gürteln getragen wurden (Bild).

17. Jahrhundert

Mit der allgemeineren Einführung der Faustrohre kam der Fausthammer überall außer Gebrauch. Vereinzelt kam er noch im 17. Jh. bei den ungarischen Truppen vor, wo er sich noch bis zur Einführung des Bajonetts erhielt. Er erschien in dieser Zeit und bis zuletzt als eine Art Gehstock (Czàkan) und diente in Ungarn häufig als Waffe auf Reisen zur Abwehr gegen räuberische Überfälle.

Galerie

Quellen

Einzelnachweise

  1. Demmin, Kriegswaffen. aaO. S. 815 f.
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