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Reliquiare sind Gefäße oder Kisten zur Aufbewahrung von Reliquien. Es gibt sie in im Christentum im Rahmen der Reliquienverehrung in großer Zahl aus fast jedem nur möglichen, meist kostbarem Material und in den vielfältigsten Gestaltungen und Größen.

Beschreibungen

Reliquiare wurden häufig aus kostbaren Edelmetallen wie Bronze, Silber und Gold gefertigt, und z.B. mit Email und Edelsteinen verziert und mit jeder Art von Schmuck und Bearbeitung. Sie wurden gegossen, getrieben, ziseliert, als Relief gefertigt oder besaßen eine glatte Oberfläche. Sie waren einfarbig oder aber farbig bemalt, aus Holz, Knochen oder Elfenbein geschnitzt, oder auch aus Ton modelliert und gebrannt.

Im Mittelalter war es auch allgemein Brauch, kirchliche Geräte, wie z.B. Reliquienbehälter aus Bergkristall anzufertigen und Kreuze, Christusbilder, Evangelienbuchdeckel u.s.w. mit ovalen und runden Kristallen zu besetzen, weil man den Bergkristall als Sinnbild der Reinheit und der christlichen Religion betrachtete. Das beweist eine große Anzahl derartiger Überreste aus karolingischer Zeit bis in das 14. Jh. [1]

Arten und Formen

Viele Reliquienbehälter sind als Kästchens oder Kiste modelliert, als Sarg mit dachförmigem Deckel, als Tasche oder Büchse. Zudem gibt es Reliquiare in Form von ganzen oder halben Figuren, als Büste oder nur als einzelner Körperteil (je nach der Reliquie, die sie enthalten); für Kreuzpartikel, gibt es sie auch als Kreuz. Öfters wurden auch ältere kostbare Gefäße zu diesem Zweck benutzt.

Phylakterium

Eine Art von Reliquienbehälter bildet das sog. Phylakterium, Pacificale oder auch Osculare. Diese wurden beim katholischen Gottesdienst als Kussgerät (instrumentum pacis) z.B. in Form eines Kreuzes (Kusskreuz), Medaillons oder einer flachen Tafel (Kusstafel) zur Überbringung des Friedenskusses vom Altar an Geistliche und besonders Laien dargereicht. Der Name kommt von den Worten lat. pax tecum ('Friede sei mit dir'). [2]

Der Quedlinburger Domschatz besitzt z.B. zwei Phylakterien aus Bergkristall mit phantastischen Tiergestalten. Auch in Rheims befindet sich ein ähnliches Pacificale. Ein Reliquienkristallkreuz mit Christus aus Metall befindet sich in der Kunstsammlung des Fürsten Hohenzollern in Sigmaringen [3] und ein anderes ohne Christus in dem Bayerischen Nationalmuseum zu München.

Beispiele

Reliquiare liegen in einem schier unerschöpflichen Schatz an Gestaltungen und Technik wie an Kostbarkeiten vor. Zu den wertvollsten Reliquiarien aus der Völkerwanderungszeit (375-568) bzw. dem Frühmittelalter (ca. 568-950) zählen u.a.:

Völkerwanderungszeit

Zu den wertvollsten Reliquiarien aus der Völkerwanderungszeit (375-568) zählen u.a.:

Frühmittelalter

Reliquienkästchen in Form einer bursa bzw. Pilger- oder Umhängetasche waren in der Karolingerzeit sehr beliebt und dienten wohl meist als Behältnisse für die mit dem Blut eines heiligen Märtyrers getränkte Erde. Nach dem 9. Jhd. wird die Taschenform viel seltener, obwohl sie im 12. Jhd. mehrfach auftaucht (Servatiuskirche in Maastricht, Kunstgewerbe-Museum in Köln) und vereinzelt sogar noch im 14. Jhd. vorkommt (Kestner-Museum in Hannover). [5] Zu den wertvollsten Reliquiarien aus dem Frühmittelalter (ca. 568-950) zählen u.a.:

Hochmittelalter

Aus dem Hochmittelalter (ca. 950-1250) sind folgende kostbare Beispiele überliefert:

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Hefner-Alteneck, Trachten, Kunstwerke. aaO. Bd. I, S. 30 f., Taf. 53.
  2. Meyers Großes Konversations-Lexikon (auf Zeno.Org). 6. Auflage. Leipzig, 1905–1909. Band 15. S. 292-293 (Pacificāle).
  3. Museum Schloss Sigmaringen (Baden-Württemberg)
  4. Wikipedia: Cámara Santa
  5. Falke und Frauenberger, Deutsche Schmelzarbeiten des Mittelalters und andere Kunstwerke der kunst-historischen Ausstellung zu Düsseldorf 1902 (Internet Archive). Frankfurt a. M. : Joseph Baer & Co., 1904. S. 2.
  6. Reliquiar in Bursenform aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford in der Online-Datenbank der Staatlichen Museen zu Berlin.
  7. Wikipedia: Abtei Saint-Maurice - Klosterschatz
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