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Die Sitte der Runensteine erlangte in Oberschweden eine Verbreitung, die ohne Beispiel ist. Uppland besitzt nahezu 1.000 Steine, Södermannland 300 und Ostgotland zwischen 200 und 300 usw. Die Zeit und die äußeren Verhältnisse, unter denen man anfing, Runensteine in Schweden häufiger zu errichten, geht aus einer Anzahl historischer Inschriften hervor.

Beschreibung

Als Schweden während der jüngeren Wikingerzeit (um 1000 n. Chr.) in engere Berührung mit Dänemark kam und die schwedische Kultur einen starken dänischen Einfluss erhielt, nahmen die Schweden die Sitte, Runensteine für ihre Toten zu errichten, in größerer Ausdehnung als vorher an. Sie adaptierten nicht nur das dänische Schema zum Errichten von Runensteinen, sondern auch die dänischen Runenformen.

Doch war das keine reine Nachahmung dänischer Vorbilder, denn ein neues Moment, das freilich auch schon in Dänemark vereinzelt auftrat, kam in Schweden hinzu: die Ornamentik (s.a. Kunststile der Wikingerzeit). Dabei spielte Gotland eine ausschlaggebende Rolle. Die Insel war reich an Kalk- und Sandstein, und auf dieses leicht bearbeitbare Material wurde eine Bildkunst übertragen, die ursprünglich ihre Blüte als Holzskulptur erreicht hatte. Von Gotland aus wandert der neue Runensteintypus ins Mälartal ein, doch zwang das hier erhältliche Material (Granit) zu einer einfacheren Darstellungsweise: Konturzeichnungen.

11. Jahrhundert

Da es nicht nur Runenkenntnis, sondern auch künstlerische Bildung erforderte, ein Denkmal zu schmücken, musste dieser Auftrag in Schweden und besonders in Uppland, wo die ornamentale Ausstattung am reichsten ist, einem besonderen Künstler anvertraut werden. Der älteste der produktiveren Künstler ist Asmund Karason, der um 1020 n. Chr. etwa 40 Steine, u. a. die Runensteine von Orkesta, geritzt hat. Dieser wendete für einige Runen noch die schwedisch-norwegischen Typen an und gehört somit in die Übergangszeit zu den Dänischen Runen.

Dieser Übergangszeit gehört auch eine Gruppe von über 130 einfacheren Runensteinen in Dänemark und Schweden [1] an, die Männern gewidmet sind, welche auf einer Expedition in Osteuropa unter der Leitung eines „Ingvar“ gefallen waren, den sogen. „Ingvarsteinen“. Dazu gehört u.a. der Runenstein von Vansta (Sö 254). Der Russlandzug (ca. 1036-1041) Ingvar Vittfarnes wird auf etwa 26 Runensteinen in Södermanland, Uppland und Ostgotland erwähnt und fällt geschichtlich ungefähr in die Zeit von 1036 bis 1041.

In dieser Zeit und später war auch ein anderer großer Runenmeister in Upplands tätig: Fot, der etwa 50 Steine ritzte und künstlerisch gesehen vielleicht der vornehmste von allen war. Eine Probe seiner Kunst bietet z.B. der Runenstein von Skokloster.

12. Jahrhundert

Der letzte der großen oberschwedischen Runenmeister ist Ofeg Öpir (Øpir), der ca. 80 Steine ritzte. Er gehört der Zeit gegen 1100 an, als die christliche Kirche im Mälartal organisiert wurde. So finden sich auf Friedhöfen Runeninschriften, die von seiner Hand stilisiert sind nach dem mittelalterlichen Muster „hic iacet...“ , wie z.B. der Runenstein von Malsta (Uppland) (U 559).

Die Mehrzahl von Öpirs Steinen sind indessen gewöhnliche Runensteine, errichtet in der Nähe des Hofes, auf dem der Tote lebte. Typisch für seine Kunst ist die Inschrift auf dem Runenstein von Sjusta (U 687) auf einem Felsen. Mit Öpir gelangen wir in die Zeit, als das 16-typige dänische Alphabet durch das Vollständig punktiertes Runenalphabet abgelöst wird.

14. Jahrhundert

Auf Gotland wurden Runen auf Grabdenkmälern länger und häufiger angewendet als sonstwo in Skandinavien. Aus dem 14. 15. und 16. Jhd. sind fast 200 solcher Grabinschriften bekannt. Viele sind durch Angabe der Primzahl und des Sonntagsbuchstabens des Jahres datiert. Die Stilisierung der Inschriften blieb in der Hauptsache dieselbe, welche schon in der Blütezeit der Runensteine üblich war. Dazu werden fromme Wünsche für die Seele des Toten gefügt oder eine Mahnung an die Nachwelt, ein Paternoster für ihn zu lesen, wie z.B. auf den Runensteinen von Lye Kyrka (G 99-103). Selbst auf gotländischen Hausgeräten und auf in Häuser eingemauerten Steinen wurde nicht selten der Name des Eigentümers, Verfertigers oder Baumeisters angegeben, wie z.B. auf dem Runenstein von Mulde (G 163).

Beispiele

Beispiele für Runensteine in Schweden sind u.a.:

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Ingvarsteine (Version vom 24.09.2020)
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