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Skjöldungar (Skiǫldungar, Skioldinger, altengl. Scyldingas) oder auch Skialdungar ist der Name der Hauptdynastie der dänischen Sagenzeit. Er bedeutet „Leute von Skjöld“ und bezieht sich auf die Mitglieder einer legendären dänischen Königsfamilie. [1]

Beschreibung

Das Geschlecht der Skjöldungar war in der altisländischen Literatur noch recht geläufig, während ihn die Dänen nach dem Zeugnis des dänischen Historikers Sven Aagesen (1140-1186), nur aus den Versen der Isländer kannten. Diese verstanden unter den Skjöldungar die gesamte Reihe der sagenhaften Dänenkönige, im Gegensatz zu den geschichtlichen, den Knytlingar.

Aber der Name hatte einst einen viel engeren Sinn. Man unterscheidet heute 2 Gruppen von je 5 Generationen, eine ältere (eigentliche) Skiöldungreihe und eine jüngere. Sie sind in den dänischen und isländischen Quellen in wechselnder Weise in die Gesamtlinie eingefügt. Im Beowulfepos findet man den Namen Scyldingas, -ungas als dichterische Bezeichnung des Dänenvolks, im besonderen der Hofkriegerschar. Der ursprüngliche Sinn war 'Schildträger'.

Literarische Zeugnisse

Die ältesten Quellen der dänischen Heldensage sind die zwei altenglischen Werke Beowulf und Widsith. Sie geben für die Skjöldungar nur Streiflichter; im Beowulf sind die Dänen ja nur die Zuschauer. Im 12. Jhd. erscheinen dann die ausgiebigeren Berichte der Dänen, wie z.B. die Lejrechronik (Chronicon Lethrense) und die Schriften Sven Aggesens, und auch Aufzeichnungen der Isländer. Saxo Grammaticus (1140-1220) schöpft aus beiden Überlieferungen.

Die Gedichte, besonders das Bjarkamál, Ingeldslied und Grottasöngr, reichen bis ins 10. Jhd. zurück. Anhand des zwar nicht sehr umfänglichen, aber literarisch reich gesonderten Materials lassen sich Umgestaltungen einer Sagenmasse verfolgen, wie es nur noch bei der Siegfried-Burgunden- und der Ermenrich-Dietrichsage möglich war. Leider fehlen die Chroniken, die auch nur einen Namen aus den Skjöldungar als geschichtlich verbürgten.

Stammbaum

Die englische Überlieferung und die nordische (erschlossen aus Sven Aagesen, Saxo Grammaticus und Arngrímur Jónsson) ergeben folgende Stammtafeln. Die nur auf einer Seite vorhandenen Namen sind kursiv, die in anderer Sippestellung mit Stern versehen:

Die Skiöldunge im engeren Sinne

Die ältere Skiöldungreihe

Aus dem Namen *Skeldungóz folgerte man Skjöld als den Namengeber *Skelduz (anord. Skiǫldr). Im Beowulf-Epos (4-52) erscheint er als aengl. Scyld, wird jedoch mit Sceldwa, Sceafs Sohn, vermischt, so dass Sceaf auch zum Vater Scylds wurde. In der nordischen Überlieferung beschreibt Saxo seinen Skioldus nur mit wenigen Zügen; erst um 1200 wurde er in den Islandsagas zum Sohne Odins und bei Snorri Sturluson mit Gefjon vermählt.

Auch die folgende Generation bleibt in außerwirklicher Luft. Frotho I. ist der älteste der fünf Froðis, die in den Islandsagas und bei Saxo als Dänenkönige erscheinen. Mit Halfdan Scylding beginnen die Könige, denen man eine geschichtliche Wurzel zutrauen darf, sämtlich mit H-Anlaut stabend. Da sie im Beowulf Zeitgenossen des Hygelac sind (s. Gautensagen), wird ihre Regierungszeit zwischen 480 und 530 fallen; also die Zeit des gotischen und des fränkischen Dietrich von Bern. Die Kriege von Halfdan bis auf Hrólfr Kraki mögen mit dem Vordringen der Dänen in ihre geschichtlichen Sitze zusammenhängen.

Von den Söhnen Halfdan Scyldings sind zur Zeit der Beowulfhandlung Heorogar und Halga gestorben, und Hrodgar ist das alte würdige Haupt des Dänenhofes. In der nordischen Dichtung aber war Halga sagenreicher, überlebte den Bruder und zog eine Tat des Sohnes Hrólf Kraki an sich. Der Abschluss der älteren Skiöldungreihe bildet Hroðulf-Hrólfr.

Die jüngere Skiöldungreihe

Der Historiker Sven Aagesen (1140-1186), die Skjöldunga saga (um 1180-1200) und bedingt auch Saxo Grammaticus (1140-1220) sowie stimmen darin überein, dass sie irgendwo in der Stammtafel diese Folge von 5 Königen anbringen:

Die Gruppe gehört also zum frühen Bestand der Dänensage. Dan als Namengeber ist ein Gegenwert zu Skiǫld; der erste der beiden Fróðis (genannt 'der Friedsame') ist eine Doublette des Frið-Froði; Friðleifs ursprüngliche Funktion ist unklar.

Die Reihe war offenbar als Anfang einer Gliederung gedacht, ebenso wie die schon im Beowulf bezeugte, also wohl ältere Skjöldungen-Gruppe. Erst später versuchten die Schreiber dann, die beiden konkurrierenden Reihen in ein zeitliches Verhältnis zu bringen, wobei die Dänen die ältere Reihe voranstellten, während die Islandsagas beide ineinanderschoben.

Eine heroische Sage ist allerdings nur von dem zweiten Fróði (Saxo: Frotho IV.) und seinem Sohn Ingialdr (Saxo: Ingellus) überliefert. Diese beiden Gestalten begegnen auch schon in der altenglischen Dichtung als Fróða und Ingeld, die Heaðobeardan ('Kampf-Barden'), die mit den Dänen im Krieg liegen.

Vermutlich gaben die zwei ersten Akte dieses Krieges, Healfdenes Fall durch Froda und Frodas Fall durch die Dänen, den Kern her für die Sage von der Vaterrache der Halfdanssöhne. Der dritte Akt, Ingelds Rache für den Vater Froda, im Epos die pragmatische Fortsetzung jener Fehde, entwickelte sich in der nordischen Dichtung separat von der Halfdan-Gruppe: Personen und Motive der Ingeldsage hängen nicht mehr mit Hróars und Helgis Taten zusammen (einen sekundären Zusammenhang stellte der Genealoge der isländischen Skjöldunga saga (um 1180-1200) her.

In der geschichtlichen Überlieferung des 5./6. Jhds. findet man die Dänen-Hadebarden-Fehde nicht wieder. Am nächsten liegt es, die Headobeardan an ihre Namensvetter anzuknüpfenn, die Bardi bellicosissimi (Helmold) (s. Langobarden). Man könnte dabei auch an die Eruli (Heruler) denken, deren Vertreibung durch die Dänen [2] zeitlich jedoch nicht feststeht. Der Rückzug der Heruler durch das Dänengebiet nach 512 [3] verlief ohne Kämpfe und konnte wohl kaum diese Sagen von zwanzigjähriger Fürstenfeindschaft anregen.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Scylding (engl.), Version vom 31.07.2020
  2. Jordanes, c. 3
  3. Prokop BG. II 15