Die Bedeutung, die die Sonne für das Leben in der Natur und des Menschen hat, lässt fast alle alten Völker diesem Gestirn eine außergewöhnliche Macht zuschreiben, deren man sich im Rahmen eines Sonnenkultes auf die verschiedenste Weise zu versichern suchte.

Beschreibung

Gegenüber dem Mond traten die Sonne und die anderen Gestirne als Träger des Volksglaubens zwar zurück, doch findet man in Europa bereits auf den Felsenzeichnungen der nordischen Bronzezeit (1800-530 v. Chr.) die Sonnenräder, die durch Nachbildungen der Sonne die Erneuerung ihrer Kraft erwirken wollten. Später trat an ihre Stelle die plastische Darstellung der Sonnenscheibe, wie sie z.B. beim Sonnenwagen von Trundholm aus der Zeit um 1400 v.Chr., der 1902 auf Seeland in Dänemark gefunden wurde [1]. Auch durch die Entzündung von Feuern führte man im Frühjahr der Sonne neue Kraft zu und verehrte sie so.

Zeitmessung

Zur Zeiteinteilung wurde die Sonne bereits bei den Hebräern, Ägyptern, Babyloniern und Indern genutzt. Bei all diesen alten Kulturen nutze man zur Zählung Sonnenjahre, bei den Babyloniern auch Sonnenmonate; bei den Indern wurden die heiligsten Feste nach der Sonne, nach der Tag- und Nachtgleiche und Sonnenwende bestimmt; auch das älteste römische Jahr, das romulische, war ein Sonnenjahr. Dagegen wurde von den alten Griechen die Sonne weniger als der Mond zu Zeitbestimmungen gebraucht.

Sonnenfeste

Im Jahreskreis der Kelten werden die Zeitpunkte der Sonnenfeste jedes Jahr nach dem Sonnenstand berechnet. Diese Fest sind:

Kosmologie

In der Kosmologie wurde das Wesen der Sonne und ihr Verhältnis zur Erde besonders von den Ionischen Philosophen untersucht. Nach Thales war die Sonne feuriger Natur. Anaximander hielt sie für reines Feuer. Anaximenes nahm die Sonne als einen der Erde ähnlichen, aber 27 mal größeren Himmelskörper an, die Hitze rühre von der schnellen Bewegung her; des Nachts sei sie unsichtbar, weil sie bei ihrer Bewegung hinter die höhere nördliche Erdhälfte trete. Nach Xenophanes entstand die Sonne aus lauter kleinen Feuern, welche sich aus den feuchten Dünsten schieden; sie erlosch auch stets im Westen und bildete sich im Osten neu.

Die Pythagoreer glaubten, die Sonne sei göttlicher Natur, eine Kugel und habe ihr eigenes Licht. Diogenes von Apollonia hielt die Sonne für einen bimssteinartigen Körper (eine Meinung, die später Epikuros wieder aufnahm, diesen Körper aber brennend dachte), in welchem sich die Strahlen des Äthers sammelten und der sich von den Dünsten des Ozeans nährte. Empedokles glaubte, sie sei nur der Wiederschein des Urfeuers in der anderen Hälfte der Welt.

Platon glaubte, dass die Sonne Feuer sei, alles erleuchte, dass durch sie Tag und Nacht entstehe und ihr Umlauf das Jahr bestimme. Die Römer entlehnten ihre Ansichten und Systeme von den Griechen. Sonnenfinsternisse entstanden nach Thales, Anaximenes, Pythagoras, Empedokles, Zeno, wenn der Mond vor die Sonne trete; nach Anaximander, wenn sich die Öffnung der Sonnenscheibe, woraus das Feuer (Licht) strömte, verstopfe.

Volksglauben

Im Volksglauben verkörpert die Sonne das aktive, männliche Prinzip, während der Mond mit der weiblichen, passiven Seite assoziiert wird. Das klassische Altertum stellte sich Sonne und Mond mit einem Wagen auf der Himmelsbahn bewegend, vor, wobei die Sonne als emporsteigender Helios (später Apollon) von zwei Pferden gezogen wurde. Wo der Wagen fehlt, wurde der Sonnengott am Strahlenkranz und an der Peitsche, der Fackel oder einer Kugel in der Hand dargestellt; verkürzt findet man sie auch als reine Brustbilder, oder als Köpfe, oder nach der mathematischen Figur als Scheibe.

Manchmal ist das Haupt des Sonnengottes mit Strahlen umgeben, sowie sich die Sonne auch als Gesicht mit neun Strahlen in einem Rund abgebildet findet. Seit dem 13. Jh. hörte die personifizierte Darstellung von Sonne und Mond auf und sie erschienen statt dessen in der Hand von Engeln oder Genien, oder nur als Gesicht, oder in mathematischer Figur als Scheibe. Seit Anfang des 16. Jhs. wurde die Vorstellung von Sonne und Mond neben dem Gekreuzigten fast allgemein aufgegeben. [2]

Heliolatrie

Die Verehrung der Sonne (Sonnendienst, Heliolatrie), als Licht- und Wärme-bringendes Gestirn, war im Altertum Teil des Sabäismus. Dieser Kult findet sich im ganzen Morgenland. Der Sonnendienst kam in Ägypten vor, wo der Sonnengott in den drei verschiedenen Götterreihen Ra, Aton und Osiris hieß. Hauptsitz dieses Dienstes war On (Heliopolis), und das dort im Frühling gefeierte Sonnenfest war das Hauptfest in Ägypten; der Stier Mnevis und der Löwe waren die der Sonne geheiligten Tiere und die Obelisken ihr als Sonnensäulen geweihet.

Bei den Phöniziern, Kananitern und Karthagern war Baal der Sonnengott; da aus älterer Zeit die Personifikation Baals als Stier galt, so wurde auch Moloch oder Melkarth als Sonnengott in Stierform verehrt. Später erschien er in menschlicher Gestalt mit dem Strahlenkranz um das Haupt. Ein eifriger Verehrer der Sonne war auch Konstantin vor seiner Bekehrung zum Christentum. In der Nordischen Mythologie hieß der Sonnengott Sol, im deutschen Raum verehrten besonders die nördlichen Sachsen die Sonne, dargestellt als halbnackten Mann, dessen Brust mit einem flammenden Rad versehen war.

Heraldik

In der Heraldik erscheint die Sonne in Wappen, wo sie einen erleuchteten Verstand, Rat und Trost andeuten soll, mit einem menschlichen Angesicht und umgeben von 16 Strahlen, die wechselsweise gespitzt und geflammt sind. Hat sie kein Gesicht, so nennt man es eine Sonne ohne Angesicht oder eine ungebildete, sind alle Strahlen geflammt, so ist es eine geflammte, sind alle gespitzt, eine strahlende Sonne.

Quellen

Einzelnachweise

Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.