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Als Sonnenfeste bezeichnet man zeremonielle Festlichkeiten im Rahmen des Sonnenkultes. Jene Feierlichkeiten um die von der Sonne bestimmten, landwirtschaftlich wichtigen Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden wurden als „grüne Feste“ (bzw. „grüne Ernten“) bezeichnet; dagegen verkörperten die „weißen Feste“ (bzw. „weißen Ernten“) die Stufen im Leben des Sonnengottes und der Erdengöttin. [1]

Beschreibung

Sonnentänze und Sonnenspiele, die den Sonnenlauf darstellten, waren bei den meisten Völkern des Altertums gebräuchlich, und die pythischen, olympischen und römischen Spiele weisen deutlich auf den Sonnenkult zurück. In den nördlichen Ländern war der Sonnenkult am lebhaftesten; dort wurde deshalb auch der gesamte Jahreslauf der Sonne mit Festen begleitet (vgl. Sonnenfestfeuer).

Einige Völker feierten auch Klagefeste zur Zeit der verwundeten Sonne oder des absterbenden Naturlebens. Dazu gehören u.a. die Adonis-, Osiris- und Thammuzfeste der assyrischen, ägyptischen und semitischen Völker und die Dionysien und Bacchusfeste der Griechen und Römer, die sich in Frühlings- und Herbstfeier schieden.

Bei den Germanen fand (genau wie bei den Persern) eine Verschmelzung des Sonnen- und Feuerkultes statt, und die Sonnenopfer mussten an den Hauptfesten mit einem neuem oder Notfeuer entzündet werden. Später wurde der Sonnengott auch wohl als Mittler- und Versöhnungsgott gefeiert, wie z.B. beim griechisch-italischen Dionysos.

Zur Wintersonnenwende

In der heidnischen Geschichte von der Großen Göttin und dem Gott der Sonne, die vielleicht das Grundmuster für die heidnischen Feierzyklen bildet, wird der Gott der Sonne von der Muttergöttin mitten im Winter (in der Zeit der größten Finsternis) geboren. So gilt die Wintersonnenwende (21. Dezember) als Geburt der Sonne, die drei Tage später verkündet wird (vgl. im Christentum die Geburt Jesu am 24. Dezember).

Gemäß Prokop (um 500-560) [2] feierten die Skandinavier in der Nähe des Polarkreises zu dieser Zeit ein Fest aus Freude über die wiederkehrende Sonne, das größte im Jahre. Auch dieses Fest war, wie alle Feste der Germanen, mit Opfern verbunden.

Noch im 17. Jhd. pflegten z. B. die Samen (Lappen) ihm Rahmen eines Sonnenzaubers in dieser Winternacht Messingringe in Brunnen oder Bächen der Sonne zu opferten und aus deren Einwirkung auf die Ringe die Fruchtbarkeit des Jahres zu prophezeien.

Zu Ostern

Im westlichen und südlichen Deutschland gab es im Frühjahr zwischen der Fastenzeit und Ostern die Sitte des Rad- und Scheibenwerfens als Sonnenzauber, den die Lorscher Annalen z. B. im Jahre 1090 bezeugen, da dieser alte Brauch am 21. März dieses Jahres den Brand der Klosterkirche veranlasst hatte. Auch wurde die Sonne am Ostermorgen noch bis ins 20. Jhd. in Deutschland durch verschiedene Opfergaben feierlich begrüßt.

An Sonnenfinsternissen

Bei den nordischen Völkern äußerte sich der Sonnenkult hauptsächlich in den Zeremonien bei Sonnenfinsternissen zur Verscheuchung des Wolfes oder Dämons, der die Sonne zu verschlingen droht, und den man ebenso wie den Mondwolf mit Lärm, Geschrei und Bogenschüssen zu verscheuchen versuchte.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Green, Marian. Das Geheime Wissen der Hexen. Orginalverlag: Harper Collins, London, 1991. Übers. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München, 1998. ISBN 3-426-77343-0.
  2. Prokop Bell. Got. II K. 15
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