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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 29.07.2020 als Spotlight vorgestellt.

Der Sonnenkult (auch Sonnendienst bzw. Heliolatrie) gehört zu den Wetterzaubern. Er dreht sich um die Verehrung der Sonne als Licht und Wärme spendende Gottheit (Sonnengott), von deren Wohlwollen alles Leben und Gedeihen auf der Erde abhängt.

Beschreibung

Die Bedeutung, die die Sonne für das Leben in der Natur und des Menschen hat, lässt fast alle alten Völker diesem Gestirn eine außergewöhnliche Macht zuschreiben, deren man sich im Rahmen eines Sonnenkultes auf die verschiedenste Weise zu versichern suchte.

Die Verehrung der Sonne als Sonnengott ist daher so alt, wie die menschliche Geschichte selbst: schon in den frühesten Zeiten findet man die Anbetung der Sonne bei den Phöniziern, Ägyptern, Persern, Äthiopiern und Indiern, und in der Zeit der Griechen und Römer, im Helios und im Sol, wie im Baal, Ra, Osiris und Mithras.

Die verschiedenen Kulturen verehrten die Sonne auf verschiedene Weise durch Opfer und Gebete im Rahmen von Sonnenzeremonien, doch alle stimmten darin überein, sie als mächtiges, höchstes Götterwesen zu sehen, welches die Welt mehr oder minder selbständig regiert. Nur die Griechen verehrten Helios nicht mehr als die anderen oberen Götter; sonst galt die Sonne meist als erhabenster Gott. Auch die Römer praktizierten den Sonnenkult, als Kaiser Elagabal (218-222) ihn förmlich in Rom einführte und dieser Gottheit mehrere Tempel bauen ließ. [1]

Sonnenepos

Bei den Hochkulturen des Altertums fand der mit Opfern und Zeremonien verknüpfte Kult gewöhnlich in Anlehnung an ein Sonnenepos statt. Darin befand sich das Lichtprinzip im Kampf mit den Mächten der Finsternis. Die Darstellung erfolgte teils als Siegesreise durch die zwölf Tierkreiszeichen, teils als Einzelkampf, bei dem der Sonnengott zeitweise unterliegt, in Fesseln geschlagen, fortgeführt und in Gefangenschaft gehalten wird, aber allmählich wieder erstarkt zurückkehrt, und über seine Gegner triumphiert.

Symbolik

Schon in der jüngeren Steinzeit in Mitteleuropa (5.500-2.200 v. Chr.) auf Grabsteinen, besonders aber in der nordischen Bronzezeit (1.800-530 v. Chr.) in Skandinaviens finden wir in den Felsenbildern (hällristningar) zahlreiche Zeugnisse dieses Sonnenzaubers. Zu ihnen gesellten sich während dieser Zeit die plastischen Darstellungen der Sonnenscheibe, die mal auf Rädern ruhte [2], mal mit einem vorgespannten Pferd vereint war, wie z.B. auf dem 1902 bei Trundholm auf Seeland gefundenen Sonnenwagen.

Solche Sonnenrosse und Sonnenwagen tauchten hauptsächlich bei den Indogermanen auf. Auch aus der nordischen Bronzezeit wurde auf Falster ein Sonnenwagen gefunden, ein Pferd, das eine Scheibe zieht und auf sechs Rädern ruht. Durch Rad und Pferd sollte gleichsam die gewünschte Neukraft der Sonne schneller zugeführt werden, wie auch kleine Boote aus Gold mit Sonnenzeichnungen [3] dasselbe bezweckten.

Auch in Deutschland finden sich auf Felsen und Steinen Sonnenräder bereits aus vorchristlicher Zeit, so z. B. auf dem Brunhildisstuhl bei Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz).

Zeremoniell

Bei den nordischen Völkern äußerte sich der Sonnenkult hauptsächlich in den Zeremonien bei Sonnenfinsternissen zur Verscheuchung des Wolfes oder Dämons, der die Sonne zu verschlingen droht, und den man ebenso wie den Mondwolf mit Lärm, Geschrei und Bogenschüssen zu verscheuchen versuchte. Im westlichen und südlichen Deutschland gab es die Sitte des Rad- und Scheibenwerfens um die Osterzeit. Durch diesen magischen Brauch sollte der Sonne im Frühjahr neue Kraft zugeführt werden. Gleiches bezwecken die Frühjahrsfeuer, die vor allem auf Bergen und Anhöhen entfacht wurden. [4]

Sonnenfeste

Der Sonnenkult war in den nördlichen Ländern am lebhaftesten; dort wurde deshalb auch der gesamte Jahreslauf der Sonne mit Festen begleitet (vgl. Sonnenfestfeuer). Sonnentänze und Sonnenspiele, die den Sonnenlauf darstellten, waren bei den meisten Völkern des Altertums gebräuchlich, und die pythischen, olympischen und römischen Spiele weisen deutlich auf den Sonnenkult zurück.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 417.
  2. Montelius, Kulturgeschichte Schwedens. aaO. S. 137
  3. Montelius, Kulturgeschichte Schwedens. aaO. S. 138 f.
  4. Hoops. RdgA. aaO. Bd. IV, S. 579 (Zauber, § 4.
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