Starkad Börksohn, auch Starkodder (anord. Starkaðr, Störkuðr; dän. Stærkodder; lat. Starcaterus), war ein sagenhafter norwegischer Held und Skalde aus der Umgebung von Trehörning.

In der altsächsischen Sage von Siegfried und Starkad [1] wird er als der von allen Männern im Norden weitberühmteste gerühmt, an dessen Klugheit, Stärke und großen Taten sich ihm keiner zu vergleichen mochte. Der Njalssaga nach war Starkad ursprünglich ein Bauer, der Sohn des Frey-Priesters Thord. [2]

Beschreibung

Starkad ist die sagenreichste und persönlichste Gestalt der dänischen Heldenwelt. Während Saxos Vorgänger, die Lejre-Chronik (Chronicon Lethrense, um 1170), noch nichts über ihn berichtet, ragt dieser Held dann bei Saxo Grammaticus selbst im Buch 6 und 8 der Gesta Danorum (um 1200) hoch hervor. Starkad ist für Saxo die Hauptverkörperung des altdänischen heidnischen Reckentums, bewundernd steht der kriegerisch gestimmte Geistliche vor seinen leiblichen und seelischen Tugenden und vor seinem über die Nordvölker verbreiteten Ruhm.

Gemäß Saxo Grammaticus stammte Starkad aus dem fernen Nordosten und war riesischer Abkunft. Er tauchte auf unter König Frotho IV. von Dänemark, dem Vater Ingelds, und lebte dann als Gefolgsmann am Hofe mehrerer dänischer und schwedischer Könige, dazwischen war er auf freien Kriegsfahrten im Bund mit einem nicht näher bezeichneten Häuptling.

Starkad soll drei Menschenalter lang gelebt haben. Als Knabe nahm Odin ihn persönlich in seinen Schutz und wandte ihm mehrere Segnungen zu, darunter die Dichtergabe. Sein Porträt war stets das eines greisen Mannes mit einem ungeheuren Körper, furchtbar aufloderndem Jähzorn, unverwüstlicher Kampfeskraft und äußerster Abhärtung. Saxo legte in diesen Helden seinen ganzen Hass gegen Luxus und Ausschweifungen, gegen Possenreißer und Narren; vor den jungen Hofmannen preist er die rauhe Tugend der guten alten Zeit.

So sollte seine Reckenart selbst im Tode noch nicht erlöschen, als gemäß Saxo selbst Starkads abgeschlagenes Haupt auf der Erde liegend noch die Gegner biss oder der kopflose Rumpf noch Hiebe führte. [3] Doch Starkad ist keineswegs das Idealbild des germanischen Helden: es war die derbere, kämpenmäßige Art eines Waffenmeisters, eines Wate oder Hildebrand, die bei ihm nordisch düster und fast ins Dämonische gesteigert zur Erscheinung kommt.

Literatur

Die Abenteuer des Starkad werden u.a. in folgenden Schriften bzw. Sagen geschildert und überliefert:

Aufgrund von Quellenverlusten bietet die isländische Literatur verhältnismäßig wenig über Starkad: Einige epische Berichte erscheinen jedoch in:

Verwandte

Aus den literarischen Werken, vor allem aus den Geschichten der Njalssaga sind folgende Verwandschaftsverhältnisse von Starkad überliefert:

Charakterwandel

In den zahlreichen Sagen erscheint Starkad in wechselnden Rollen:

  • 1. Als treuer Gefolgsmann, der über der Ehre und Sicherheit seines Königshauses wacht. So z.B. bei König Frotho IV. beim Kampf mit Hama und vor allem bei Ingeld (Ingellus),
    • dann in zwei Erzählungen mit der dänischen Königstochter Helga,
    • und auch beim schwedischen König Sywardus von Götaland. [4]
  • 2. Im Gegensatz dazu: Als Gefolgsmann, der an seinem Herrn zum Neiding wurde. So z.B. beim Norwegerkönig Víkarr, welchen Starkad, von Odin berückt, am Galgen opferte und mit dem weihenden Speere durchbohrte.
    • Dann, in hohem Alter, beim Dänenkönig Olo = Áli enn frœkni [5], den Starkad, durch die Großen bestochen, im Bade überfällt und mordet. Zu dem Verrat an Áli gehört auch Starkads erbetener, erkaufter Tod: sein Maß ist voll, er wirft das Sündengold hin als Kaufpreis für seine eigene Köpfung!
    • Die dritte Neidingstat, welche dem mittleren der drei Menschenalter entspricht [6], liegt in den Quellen nicht deutlich vor.
  • 3. Als berufsmäßiger Kämpe, zu Land und Wasser, im Heer und im Holmgang, von Byzanz bis Irland und von der Elbe bis zum Weißen Meer, am häufigsten gegen slawische und finnische Gegner. Saxo berichtet von einer ganzen Reihe solcher Fahrten. Eine Besonderheit sind die von Starkad erlittenen grausigen Verwundungen, die, dem Brauch germanischer Heldendichtung zuwider, anatomisch beschrieben werden.
  • 4. Eine Rolle, die sich nicht in eigenen Fabeln ausspricht: Starkad war Dichter. Saxo wie Snorri rechneten ihn zu den historischen Skalden und so hieß z.B. ein Versmaß Starkaðar lag. Starkad war nicht der Sänger, dessen Weisen bezauberten, wie Horand, oder der idealisierte Spielmann wie Volker: das Musikalische fehlte in seinem nordischen Bild.
    • Starkads Gedichte waren Spiegel der epischen Handlung, in Gestalt von Ansprachen oder Monologen. Das älteste ist das Ingeldslied (dänisch, 10. Jhd. ?), jünger sind die beschaulicheren Rückblickslieder (Víkarsbálk, zwei bei Saxo, isländisch, 12. Jhd.): sie wurden Vorbild für andere Heldenelegien bei den Isländern.

Zeitliche Einordnung

Gemäß Karl Müllenhoff [7] ist Starkads Rolle als Dichter die älteste und schwedische Dichter des 9./10. Jhds. hätten ihn als Vertreter des Wikingertums geschaffen. Aber diesen Wikingfahrten fehlt der unterscheidende Gehalt, sie sehen mehr nach schablonenhafter Ausfüllung eines Heldenlebens aus; und von Starkads großen Momenten ist keiner mit dem schwedischen Königshof verknüpft: er weilt in Upsala, wenn er hinter der Bühne ist.

Der Kern der Starkad-Gestalt liegt im treuen und dem untreuen Gefolgsmann. Die älteste beglaubigte Sage ist Ingelds Vaterrache (s. Skjöldungar), und nichts spricht dagegen, im 'eald æscwiga' des Beowulf die Rolle des treuen Gefolgsmanns des Helden zu sehen, mag er nun schon im 6. Jhd. oder erst später 'Starkad' geheißen haben.

Damit wäre er von Haus aus ein Held der Hadebarden (ags. Heaðobards), doch, wie die Ingeldsdichtung insgesamt eine dänische Schöpfung ist, machte Starkad später mit Froda-Ingeld die Verwandlung in einen Dänen mit. An den getreuen Vasallen schloss sich dann das dunkle Gegenbild an (unter Einfluss Irings?): die Dichtung von König Áli und von Starkads erkauftem Tod dürfte die Zweitälteste Starkad-Sage sein, vielleicht noch liedhaft gezeugt und dänisch.

Mythologische Bezüge

An Starkads erste Neidingstat knüpfte sich die Abstammung von Riesen und daran wiederum die Feindschaft Thors. Auf der anderen Seite aber steht sein gesegnetes Odinsheldentum mit der Lebensspanne von drei Menschenaltern und der Dichtkunst. Später verdoppelte man den Verrat (König Víkar) und erfand neue, mehr genrehafte Proben der ziehväterlichen Treue; das Hauptstück hierbei ist die Sage um Helgo-Helga, wohl aus dem 12. Jhd..

All dies wird altnordisch (norrön) sein; Starkad wurde zu einem Norweger und die Dichter fügten dem Vater Stórverkr einen Großvater bei, den Riesen Starkaðr, der dem Thor erliegt: 'du stürztest den Starkad' sagt eine offenbar noch heidnische Strophe und gäbe damit einen frühen Termin für diese Ausbildung - wenn nicht der riesische Starkaðr Áludrengr in der norwegischen Volkssage unabhängig von seinem dänischen heroischen Namensvetter bestanden hat, als ein in den Áluforsar (Ulefoss in Telemarken) hausender Naturdämon [8]:

In diesem Fall hatte die Beschattung des Helden mit der Riesenabkunft und dem Neide Thors ihre äußere Stütze in der Namengleichheit. Neben dieser Entwicklung ging einher die Ausgestaltung der wikingischen Seite; sie mag sich auch vom 9. bis 12. Jhd. hinziehen, brachte es aber mehr zu katalogischer Aufreihung mit halbgeschichtlichen Namen als zu epischem Leben. Eine besondere schwedische Schicht ist nicht zu erkennen.

Sonstige Einflüsse

Die Vielseitigkeit der Figur Starkads, die selbst bei dem noch sagenreicheren Dietrich von Bern nicht wiederkehrt, legt den Gedanken an eine Synkrasis (Vermischung) nahe: mit dem ursprünglichen Starkad, dem Gefolgsmann Ingelds, können andere Dichtungsgestalten verflossen sein. Anderseits zog man Starkad auch in fremde Sagen hinein, die ihm nur als Nebenfigur Raum boten, so z.B. Saxos Brávallaschlacht. Und ein isländischer Erzähler richtete in einer freien Wiedergabe des Sachsenkrieges aus dem Nibelungenlied die Demütigung des riesenhaften Dänenkämpen durch den ritterlichen Helden Sigurd ein.

So wurde die Figur des Starkad, mehr noch als bei Hrólfr Kraki, durch die Heldendichtungen der Wikinger- und Sagazeit beeinflusst. Von den Gestalten der alten Heldenlieder ist keine zweite dem jüngeren Typus des abenteuernden Kämpen so entgegengekommen. Auch in die Volkssage, besonders in Schonen, drangen Züge von Starkad ein. Die Namen ahd. Starchant oder Starkán (Dietrichs Flucht) werden bei der Spärlichkeit des Namenstypus mit dem Dänenhelden letztlich zusammenhängen.

Sagenkreis

Die Njalssaga

Der Pferdekampf

In der Erzählung vom Pferdekampf der Njalssaga geht es um Starkad und seinen Schwager Egil Kolsohn. Jeder dieser Männer hatte drei Söhne; die alle stets zusammen hielten und für ihre Streitsucht bekannt waren. Da Starkad ein vortreffliches rotes Pferd besaß, beschlossen die sechs Söhne eines Tages einen Pferdekampf. Starkad's Tochter Hildegunne nannte Gunnar Hamundsohn als würdigen Gegner. Es kam zum Pferdekampf, doch wollten Kol Egilsohn und Thorgejr Starkadsohn den Kampf manipulieren, doch stürzte ihr Pferd dabei und fiel auf die beiden Söhne. Es kam zum Kampf zwischen Gunnar Hamundsohn und den beiden, wobei Gunnar's Pferd ein Auge verlor. Gunnar ließ daraufhin sein verstümmeltes Tier töten und die beiden Parteien trennten sich im Streit. [9]

Gunnar's Tod

In der Erzählung von Gunnar's Tod in der Njalssaga wurde Starkad von Trehörning und sein Sohn Thorgejr als Feinde von Gunnar Hamundsohn zusammen mit anderen von Gissur Hvide zu einer Zusammenkunft in der Almannagjaa-Schlucht nördlich vom Tingvallesee eingeladen. Er plante, gegen Gunnar zu ziehen und ihn zu töten. Die vierzig Mann einigten sich, Gunnar anzugreifen und verpflichteten sich durch Handschlag. Ehe sie es allerdings endlich schafften, ihn zu besiegen, hatte Gunnar viele seiner Angreifer erschlagen. [10]

Siegfried und Starkad

In der altsächsischen Sage von Siegfried und Starkad [1] begab sich Starkad in den Dienst von König Frode von Dänemark. Dieser wiederum erfuhr von König Gunther in Worms am Rhein und wollte ihn sich diplomatisch zum Untertan machen. Gunther allerdings wollte sich nicht so einfach einem Dänen unterwerfen und rief den heldenhaften Siegfried, den Mann seiner Schwester. Gemeinsam zogen sie mit ihrem Heer nach Dänemark. In Holstein an der Eider trafen sie auf das Heer von König Frode und Starkad. Es kam zu einer großen, heftigen Schlacht mit vielen Verlusten auf beiden Seiten. Starkad tötete dabei viele der Feinde.

Als König Gunther seine Leute fallen sah, rief er abermals Siegfried zu sich um Starkad aufzuhalten. Nachdem dieser erkannte, wer ihn zum Kampf forderte, floh Starkad. Siegfried setzte ihm nach und verletzte ihn mit dem Schwertgriff schwer am Kiefer, so dass er zeitlebens entstellt blieb. Starkad und die Dänen wurden besiegt; König Gunther gewann große Beute. In deutschen Liedern heißt es, dass Gunther den Dänenkönig seines Reiches beraubte. Andere sagen, er habe König Frode erschlagen. In der Kirche zu Lund in Schonen zeigte man nachher noch lange als Merkwürdigkeit einen jener Zähne Starkads. Er war an einem großen Strick aufgehängt und wog seine vollen sieben Lot.

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Siegfried und Starkad (Volltext bei Zeno.Org.
  2. Die Njalssaga: Von den Nialsöhnen und Höskuld dem Goden von Hvidenes. Höskuld Thraensohn. (Volltext bei Zeno.Org.
  3. HHu. II 27
  4. Saxo S. 297
  5. Arngrím, Yngl. s.
  6. Saxo S. 276, Gautr. s. S. 29 3
  7. Karl Müllenhoff, Siegfried und Starkad. aaO.
  8. Müllenhoff, S. Bugge
  9. Die Geschichte von Njáll: Von Gunnar und Thorgejr Otkelsohn: Der Pferdekampf. (Volltext bei Zeno.Org).
  10. Die Geschichte von Njáll: Von Gunnar's Ausgang: Der Bruch des Vergleichs: Gunnar's Tod. (Volltext bei Zeno.Org).
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