Mittelalter Wiki
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Tamfana (mitunter auch Tanfana) war eine germanische Göttin, die besonders vom Stamm der Marsen (Friesen) verehrt wurden. Überliefert wurde sie von Tacitus (Annales I, 51) als älteste belegte Germanischen Gottheit. [1]. Das große Fest der Tamfana fiel laut der Überlieferung von Tacitus etwa in den Anfang des November [2].

Beschreibung[]

Außer der Erwähnung ihres Tempels bei Tacitus weiß man so gut wie nichts über diese Göttin der Friesen und Westfahlen. Einige vermuten, Tamfana sei eine Göttin des häuslichen Feuers (vergleichbar der röm. Vesta), da ihr Name so viel wie "Dämpfpfanne" bedeutet. Außer von den Marsen wurde sie wahrscheinlich ebenso von den benachbarten Brukterern und Cheruskern verehrt, da berichtet wird, dass diese Völker zur Rache nach der Schleifung des Tempels herbeieilten. [3]

Eine Vermutung besagt, dass Tamfana eine von den Sueben verehrte Göttin ist, die der ägyptischen Isis gleicht und die niemand anders ist als die Gemahlin des Wodan, Frija (altnord. Frigg). [4] Eine andere Theorie deutet den zweiten Namen Tanfana als "Tannenfahne", nämlich der alte heidnische, dann christlich gewordene Weihnachtsbaum, da auch im Weihnachtsbaum (Tanfana, Tannenfahne) als Kultbild der Germanen bereits goldene Ringe und Ketten hingen. [5]

Tempel der Tamfana[]

„Der Caesar (Germanicus) verteilt die vor Gier brennenden Legionen, damit die Verheerung desto weiter gehe, in vier Heerhaufen und lässt über einen Raum von 50 Meilen hin Feuer und Schwert wüten. [...] Geweihtes wie Ungeweihtes, auch das Heiligtum Tamfanas, viel besucht von den dortigen Völkerschaften (der Marsen), wird dem Erdboden gleichgemacht. Verwundete gab es bei den Römern keine: sie hatten nur halb Schlafende, Unbewehrte und einzeln Umherirrende niederzumachen.“

Tacitus: Annales (I, 51) [6]

Von Tacitus wurde Tamfanas berühmtes Heiligtum als celeberrimum illis gentibus bezeichnet, jedoch ist unsicher, ob er damit einen Tempel im eigentlichen Sinne, eine Einfriedigung oder eine besonders heilige Zentralstätte in einem heiligen Walde verstanden hat (Heiliger Hein, s. Baumkult), für die er kein entsprechendes lateinisches Wort fand. [7] Tamfanas berühmter Tempel wurde um 13./14 n. Chr. zur Zeit des Kaisers Augustus, als auch die Druiden aus Gallien vertrieben wurden, von Germanicus während eines Festes der Marsen niedergebrannt. [8]

Die niederländische Sage "Die heilige Fahne und die stählerne Krone" berichtet, dass der Tempel der Göttin Tamfana in Friesland stand. Dort wurden der Sage zufolge lange zwei wertvolle Schätze aufbewahrt, die Friso, der Stammvater der Friesen aus fernen Landen mitgebracht hatte. Dabei handelte es sich um eine stählerne Krone und eine kostbare rote Fahne. Ein dänischer König raubte die stählerne Krone den Friesen und sie mit sich nahm in sein Land. Die Fahne aber bekam er nicht, denn diese hatten die Friesen klugerweise tief in die Erde vergraben, und nachdem der Dänenkönig wieder weg war, blieb sie dort auch liegen viel hundert Jahre lang. [9]

Standortfrage[]

Das berühmte Heiligtum der Tanfana befand sich der Überlieferung zufolge im Gebiet der niederrheinischen Marsen (zu den Friesen gehörig) zwischen der Ems und Lippe bei Münster.

  • Einer der wahrscheinlichen Standorte des Templum Tanfanae ist die heutige Stadt Borgholzhausen [1] (Kreis Gütersloh, Nordrhein-Westfalen), da bis in die Moderne hinein ein Teil der Stadt (Tämmfanne, Tennfanne) ihren Namen trug und sich noch heute dort z.B. die Tanfanastraße befindet. [10] Allerdings ist es fraglich ob das Gebiet der Marsen soweit reichte.
  • Gesucht worden ist der Templum Tanfanae ebenso bei Freckenhorst an der Ems, Fricconhorst, nach dem Namen der Frigga, welche die Hertha oder Tanfana sein soll.

Quellen[]

Einzelnachweise[]

  1. Hermann Reichert: Tamfana, Tanfana. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Bd. 30, Berlin/New York 2005, S. 276
  2. Tacitus: Annals I, 51; Hrsg. von William Frederick Masom, (London, 1900).
  3. Pierer's Universal-Lexikon, Band 17. Altenburg 1863, S. 228.
  4. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1906, S. 722-724.
  5. Karl Gutzkow: Der Zauberer von Rom. Roman in neun Büchern, Band 1, Leipzig 1858, S. 88-101.
  6. Übersetzung: Tacitus: Annales, Feldzüge des Germanicus in Germanien, 14 n.Chr. (Tac.ann.1,50-52) (lateinisch, deutsch)
  7. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Johannes Hoops, 1918-1919. Bd. III, S. 200 (Art. Marsen)
  8. Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 20-91.
  9. Wolf, Johann Wilhelm: Niederländische Sagen. Leipzig: Brockhaus, 1843, S. 4-6.
  10. Pierer's Universal-Lexikon, Band 3. Altenburg 1857, S. 93.