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Der Gebrauch von Trinkhörnern als Trinkgefäße ist schon sehr alt. So fanden sich Nachbildungen solcher Hörner aus Ton bereits unter den Gefäßen des Lausitzer Typus in der Hallstattzeit (800-450 v. Chr.).

Beschreibung

Trinkhörner, die mit Silber- oder Bronzeblech am Trinkrand eingefaßt waren, fanden sich in Bodenfunden aus der römischen Eisenzeit (0 - 200 n. Chr.). Schriftlich erwähnt sie bei den Germanen zuerst Caesar:

„Der Auerochse wird übrigens nie zahm und gewöhnt sich nicht an die Menschen [...] seine Hörner sind an Weite, Gestalt und Aussehen von den Hörnern unsere Ochsen sehr verschieden; man sucht sie eifrig, fasst den Rand mit Silber ein und verwendet sie bei glänzenden Festmählern als Becher.“

Caesar: De Bello Gallico (6, 28) [1]

Bronzezeit

Die ältesten Trinkhörner auf germanischen Boden wurden aus Rinderhorn, später auch aus Ton und Bronze gefertigt und gehören der jüngeren Bronzezeit (1300 - 800 v. Chr.) an. Die aus Ton und Bronze hergestellten Trinkhörner sind durchaus Nachbildungen des Rinderhorns, ebenso wie die späteren aus Glas. Von den Trinkhörnern, die aus dem Horn des Rindes hergestellt wurden, sind allerdings meistens nur noch die Metallbeschläge vorhanden.

Gut erhaltene große Bronzetrinkhörner stammen aus Depotfunden von Prenzlawitz (Museum Danzig) und Pruska Karczma (Polen, Gemeinde Trąbki Wielkie). Die tönernen Trinkhörner, meistens nur klein und modellartig, kommen im Bereich des sog. Lausitzer Gefäßtypus und seiner Ausläufer als Beigaben in Urnengräbern vor. Goldene Trinkhornbeschläge, die an den Spitzen in Widderköpfen endeten, mit einem Kern aus Eisenblech, wurden in einem Grabhügel bei Aspergle (Rudersberg, Baden-Württemberg) zusammen mit Gefäßen etruskischen Charakters, rotfigurigen griechischen Tonschalen, einer gerippten Bronzeziste und anderem gefunden.

Römische Eisenzeit

In der römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit (375-568) sind die Funde von Trinkhörnern aus Kuhhorn und mit metallenen Trinkhornbeschlägen römischen Stils bis Böhmen sehr häufig, meist als Teile von Grabbeigaben. In Skandinavien werden sie häufig paarweise zusammen gefunden, oft in Mooren, wo sie als Votivgaben aufzufassen sind.

Völkerwanderungszeit

Glashorn Belgien MgKL Wm13684b, Taf.04, Abb.13

Gläsernes Trinkhorn (Belgien)

Zwei große goldene Hörner aus der Völkerwanderungszeit, die leider zerstörten Goldhörner von Gallehus, fanden sich in Schleswig. Der dänische Prähistoriker Sophus Müller erklärt diese Trinkhörner der römischen Zeit, deren Enden mit Ketten verbunden sind, als unzweifelhaft germanische Arbeiten, auch wenn in den Beschlägen das römische Vorbild zu erkennen ist.

Gleichzeitig damit finden sich in Mittel- und Nordeuropa häufig auch gläserne Trinkhörner. Sie sind eine rheinische Besonderheit und wurden durch Blasen ohne Hohlform hergestellt; nur bei den feingerieften Stücken konnte man dieses Hilfsmittels nicht immer entbehren.

Die in Dänemark und Schweden gefundenen rheinische Glastrinkhörner wurden mit aufgelegten farbigen Glasfäden verziert und gehören dem 3.-4. Jhd. an. Auch die Franken fertigten solche gläsernen Trinkhörner und gaben sie ihren Toten ebenfalls mit ins Grab.

Frühmittelalter

In der Wikingerzeit (ca. 793-1066) war in Nordeuropa das Horn das gewöhnlichste Trinkgefäß. In den altnordischen Sagas liest man, dass die Töchter des Hauses den zechenden Männern das Horn reichten. Bei den gefundenen Trinkhörnern älterer und jüngerer Zeit war das spitze Ende geschlossen, so daß ihre Verwendung - im Gegensatz zu den Goldhörnern von Gallehus - unbestritten ist.

Etymologie

Das Horn ist das älteste mit Namen bekannte germanische Trinkgefäß. Sein gotischer Name stikls wurde aus den slawischen Sprachen zu einer Zeit übernommen, als gläserne Trinkhörner bei den Germanen, schon vom Süden her importiert wurden. Daher heißt Glas akslaw. stíklo, russ. steklo, lit. stiklas. Im Althochdeutschen bedeutet stechal das Horn und zugleich ein Trinkgefäß.

Quellen

Einzelnachweise

  1. De Bello Gallico (Wikibooks). Gaius Iulius Caesar. Liber VI - Kapitel XXVIII, Paralleltext Lateinisch–Deutsch auf Gottwein.de.
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