Mittelalter Wiki
Advertisement
Mittelalter Wiki

Die Völsungen bzw. Wälsungen oder Völsungar (anord. Vǫlsungar) sind ein mythisches germanisches Heldengeschlecht, das nach ihrem Stammvater Waels benannt ist und sich von Odin herleitet. Auch Sigurd, der Drachentöter Siegfried in den deutschen Heldensagen gehört den Völsungen an.

Erstmals erwähnt werden die Völsungen im altenglischen Beowulf-Epos (10. Jh.), doch auch in den altnordischen Dichtungen, die im 13. Jh. schriftlich festgehalten wurden, erscheint der Stammvater als Volsungr. [1]

Mitglieder

  • Wölsung - Stammvater (auch Vǫlsungr, Waels)
  • Sigmund - Sohn des Wölsung, Werwolf
  • Signy - Zwillingsschwester von Sigmund, Mutter von Sinfjötli
  • Sinfjötli - Sohn und Neffe von Sigmund und dessen Zwillingsschwester Signy, im Beowulf-Epos nur der Neffe Sigmunds und kurz Fitela genannt
  • Siggeir von Gautland - Ehemann von Signy

Genealogie

Beschreibung

Wenn man von der Anspielung im Beowulf-Epos und den jungen Sigmundkapiteln der Thidrekssaga (c. 152-161), absieht, gibt es nur auf Island eine Tradition von Siegfrieds Vorfahren: im Eingangsteil der Völsunga saga (2. Hälfte des 13. Jhs.), und dazu ein paar Stellen der Edda-Sammlung.

Völsunga saga

Die Völsunga saga erzählt von vier Generationen vor Sigurd: Sigi - Rerir - Völsungr - Sigmundr. Der literarische Stoff der Saga bis zur Vermählung Völsungs findet allerdings keine Bestätigung in der Lieder-Edda und läßt auch nicht auf eine alte deutsche Sage schließen. Für die zum Teil schablonenhaften, zum Teil unheroischen Züge sind andere Vorlagen nicht glaubhaft nachgewiesen, nur die Jagd Sigis mit Bredi wurde aus der Sage von Ragnar Lodbrok geholt, wie engl. Quellen sie zeigen.

Odin als Spitze des Stammbaums ist, hier wie bei den Skiöldungar, eine isländische Neuerung um 1200. Bis dahin war Völsung, richtiger *Vǫls(i) = ae. Waels, der Beginn der nach ihm benannten Familie. Er hat in der Völsunga keine eigene Sage: er handelt und fällt in der großen Rachesage, deren Hauptpersonen die Geschwister Signy und Sigmund sind. Mit dieser Signy-Sage setzt zum ersten Mal eine Quelle der Lieder-Edda ein „ bestätigt durch die erzählende Halbstrophe in c. 8: ein doppelseitiges Ereignislied, aus der alten Schicht der Eddapoesie.

Signy

Signy wird widerwillig mit König Siggeir von Gautland vermählt. Auf der Hochzeit erregt Odins Schwert den Neid der Schwäger. Siggeir lädt daraufhin Völsung und seine Söhne in sein Land und bringt sie bis auf Sigmund um, der mit Hilfe seiner Schwester in die Wildnis entkommt. Da Signys Kinder als Gehilfen für ihre Rache nicht taugen, läßt sie sie durch den Bruder hinrichten. Sie sieht nur einen Weg, ihre Rache zu erhalten: sie vereinigt sich mit ihrem Bruder und gebiert den reinblütigen Völsung Sinfjötli.

Dieser besteht alle Proben; bei seinem Vater übt er, beide als Werwölfe, Raub und Mord. Nach manchen Wechselfällen kommen sie dahin, Siggeir in seinem Hause zu verbrennen. Signy enthüllt ihrem Bruder die Blutschande: Sinfjötli ist Sohnessohn und Tochtersohn König Völsung. Sie sagt: "Was ich getan habe um der Rache willen, ist so, dass ich nicht länger leben darf." So stirbt sie zusammen mit dem gehaßten Gatten.

Rache-Thema

Kampf in Atlis Saal

Keine zweite germanische Sage hat das Racheproblem so bis an die jenseitige Grenze des Erhabenen verfolgt: gegen Muttertrieb und Frauenehre (vgl. Rosemund bei Alboin) wird die Vaterrache siegreich ausgespielt; alles Menschentum zerbricht vor dem unerbittlichsten der Ehrgebote. Diese Seelenvorgänge umschließt eine wild phantastische Umwelt.

Ein Liederzyklus liegt hier nicht vor; aber die einheitliche Liedfabel wurde im Sagavortrag stark betont: es begegnen seltsame Häufungen, die einander die Wirkung verbauen, zumal die Tötung des zweiten Knabenpaars (c. 8 Z. 64 ff.) wie ein Doppelgänger anmutet. Auch die sinnlichen, märchenähnlichen Züge treten deutlich hervor. Einiges ist jüngerer Stoff; aber das Werwolfsmotiv findet sich bereits im Helgakvidha Hundingsbana fyrri (HHu. I 36) wieder.

Handlungsstränge

Die Signysage, die Hauptdichtung von 'Sigurds Ahnen', ist in sich abgeschlossen; auf Sigurd, den späteren Helden des Völsungengeschlechts, bietet sie jedoch noch keinen Ausblick. Als selbständige Handlungen folgen:

Odin entführt Sinfjötlis Leiche

  • 2. Vs. c. 10: die Vergiftung Sinfjötlis durch seine Stiefmutter Borghild von Bralund und die Heimholung der Leiche durch den Fergen Odin. Eine sagamäßige Erzählung mit vielleicht vornordischem Kern (vgl. Gregor von Tours III 5, und die Burgundensage von Sigimund, der seinen Sohn Sigirich auf Anstiften der Stiefmutter erdrosselt).
  • 3. Vs. c. 11, 12: Sigmunds Tod in der Schlacht. Eine Erzählung mit Liedspuren. Sie kehrt sich schon dem künftigen Sohn, Sigurd, zu und dürfte mit den Strophen von Sigurds Vaterrache (Reg. 13-26) eine Einheit gebildet haben, was eine nordische Neuschöpfung sein könnte.

Diese drei Erzählungen zeigen Berührungen mit der Geschichte König Arthurs: die Kraftprobe mit dem Schwert, den Inzest, die Tötung des Halbbruders durch den Sproß der Blutschande, die Abholung des Toten im Boot, die Übergabe des Schwertes durch den Sterbenden. Richtung und Zeit der Entlehnung sind allerdings schwer zu beurteilen, zumal das Inzestmotiv, der Kern der Signysage, dazu gehört.

Literarische Zeugnisse

Ältere literarische Zeugnisse zur Völsunga saga bieten:

Parallelen zur König Arthur-Sage: Sigmund erhält sein Schwert von Odin

Wichtig ist auch das Beowulf-Epos als Quelle. 875 ff.: Sigemund der Waelsing (vgl. 898 Waelses eafera) und Fitela, hier als Ohm und Neffe (sind mit der Völsunga saga vereinbar), verüben gemeinsam Fehden und Freveltaten und erlegen mit den Schwertern viel Riesengezücht (das steht gegen die Völsunga saga). Der Dichter stellt dem Sied über Grendel ähnliche Großtaten gegenüber; und auch das Schweigen des Epos über die Vaterrache erlaubt keinen negativen Schluß.

Deutsche Personennamen, wie z.B. Welisunc, Welsinc u. ä. Sintarvizzilo, Fizzilo, die sich meist in bairischen Urkunden des 9. u. 10. Jhs. finden, gehen auf die Völsungendichtung zurück; ebenso der seltenere Name Siginiu aus dem 9. Jh. Am deutlichsten geht der Sigimund aus den Burgundensage auf das Vorbild des Sigmunds aus der Völsunga saga zurück.

Ursprung der Sage

Nibelungenmotiv: Sigurd prüft das Schwert Gram

Es ist unsicher, ob die Signysage in ihrem Kern, so wie die anderen Nibelungensagen, deutschen Ursprungs ist. Eine Möglichkeit wäre, dass die sechs Ähnlichkeiten mit der ältesten erschließbaren Burgundensage auf der Völsunga saga beruhen, und diese letzte nach der Signydichtung geformt wurde.´Aber auch das umgekehrte Verhältnis ist denkbar, und dann kann die Signyfabel eine nordische Schöpfung sein.

Eine andere Theorie besagte, dass Odins Eingreifen in die Geschicke der Völsungen aus einer alten fränkischen Sage stamme, doch konnte der Name *Walisungóz das nicht beweisen. Walisungóz bedeutet nämlich nicht 'die auserwählten Abkömmlinge' (des Gottes), sondern 'die Abkömmlinge des Walis', und dieser kann 'der Echte' (got. walis) geheißen haben, auch ohne Beziehung auf Wodan. Auch die Meinung, dass Sigmund und Sintarfizzilo ältere Sagenschöpfungen seien als Sigfrid, wird weder durch das Beowulf-Epos, noch durch das Eiriksmál gestützt.

Quellen

Einzelnachweise

Advertisement