Mittelalter Wiki
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Die Westgoten (Wisigoth) waren ein Teilstamm der Goten. Sie gingen aus dem gotischen Volk der Thervingen ('Waldleute') hervor und bestanden als Westgoten vom Anfang des 5. Jahrhunderts bis zum Anfang des 8. Jahrhunderts.

Beschreibung

Nach Auseinandersetzungen mit dem römischen Reich in Südosteuropa in der ersten Hälfte des 3. Jhs. spalteten sich die Goten in die Greutungen (später Ostgoten) und die Thervingen (später Westgoten). Die Thervingen wurden 376 n. Chr. in das römische Reich aufgenommen und als Verbündete betrachtet. Doch nachdem es zwischen ihnen und Rom zu Spannungen gekommen war, zogen sie unter dem Gotenkönig Athaulf ins Gebiet von Südgallien und gründeten dort (nun als Westgoten) 418 das → Westgotenreich.

4. Jahrhundert

Das Territorium der Westgoten befand sich seit 376 n. Chr. im römischen Reichsgebiet als römisch-germanischer Mischstaat. Das Reich in Südrussland (Dnestr) wurde im Ansturm der Hunnen zerstört. Ein Aufstand wurde noch 382 unterdrückt, aber 395 unter König Alarich I. erneuert.

5. Jahrhundert

Im Jahre 401 begann der Zug nach Italien. 410 wurde Rom erobert. 418 kam es in Südgallien zur Bildung des Westgotenreiches mit der Hauptstadt Toulouse. Unter König Eurich (466-484) erfolgte die ausdehnende Besiedlung der Iberischen Halbinsel.

Die Westgoten in Spanien und Südfrankreich bildeten unter der noch immer reichen antiken Kultur und vorherrschender Beteiligung der römischen Provinzialen eine recht ausgeprägte Geschichtsschreibung aus. Die Anfänge bildeten hier die spätantiken Werke von Paulus Orosius (um 385-418), Prosper Tiro von Aquitanien (um 390-455) und des Hydatius von Aquae Flaviae († um 469), die jedoch nur stofflich in Beziehung zu den Westgoten stehen.

6. Jahrhundert

Die Niederlage der Westgoten gegen die Franken im Jahre 507 bei Vouillè brachte vollends die Verlagerung auf die Iberische Halbinsel mit der Hauptstadt Toledo. Alsbald danach belagerten die Franken mit großem Eifer das befestigte Carcassonne, wo der westgotische Königsschatz aufbewahrt wurde. Jedoch mussten sie die Belagerung beim Heranrücken vom Theoderich dem Großen, der seinem Enkel Amalarich zu Hilfe geeilt war, aufgeben. Theoderich nahm den Schatz mit sich nach Ravenna und erst Athalarich (526-534) gab ihn den Westgoten zurück [1]. [2]

Aus dem 6. Jhd. stammt die Chronik des afrikanischen Bischofs Viktor von Tunnuna († ca. 570), die von einem Westgoten, Johannes von Biclaro († ca. 620), bis 590 fortgesetzt wurde.

7. Jahrhundert

Die Bekehrung der Westgoten unter König Rekkared I. (586-601) schloss den zwischen den Volksteilen des westgotischen Staatswesens klaffenden Riss. In den Jahren 612 bis 620 griff selbst ein König, Sisebut († 621), in katholischem Eifer zur Feder, um das Leben und den Märtyrertod des Bischofs Desiderius von Vienne († um 606) voll Abscheu gegen die fränkische Königin Brunichild (um 545-613) und ihren Enkel Theuderich II. zu erzählen. [3]

Aus dem Kreis der römischen Provinzialen gab Bischof Isidor von Sevilla (um 560-636) den Westgoten eine zwar knappe, aber zuverlässige Königsgeschichte, die bis 624 reichte, und die zugleich auch kurze Überblicke über die der Vandalen und Sueven gab (Historia (de regibus) Gotorum, Vandalorum et Suevorum). Doch das alles beherrschende theologische Interesse in Spanien drückte auch auf die Geschichtsschreibung, die sich nicht mehr recht fortentwickelte.

Erst die außerordentlich lebhafte und zuverlässige Darstellung über den Heereszug des Königs Wamba († 681/683) gegen den aufständischen Herzog Paulus von 673 zeigte sich wieder in völlig antiker Art. Der begabte Verfasser war der spätere Bischof Julian von Toledo (um 652-690), ein Mann von, wie es scheint, jüdischer Abstammung [4]. Eine Generation später brach das Westgotenreich zusammen (s.a. Geschichtsschreibung der Spätantike und Völkerwanderungszeit: Westgoten). [5]

8. Jahrhundert

Unter den Schlägen der Mauren begann um 711 der Zerfall des Westgotenreiches.

Jahreszählung

Außergewöhnlich war die Jahreszählung der Westgoten in Spanien, die ihre Jahre vom 1. Januar 38 v. Chr. an zählen und ihnen das Wort Era vorsetzen. Der Ursprung dieser Zählungsweise ist unbekannt; von ihr wurde auch der Name Ära auf jede ununterbrochene Reihenfolge von Jahren übertragen, die von einem bestimmten Zeitpunkt ihren Anfang nimmt und deren einzelne Jahre von diesem ab gezählt werden. Nachweisbar ist die spanische Ära seit der zweiten Hälfte des 5. Jhds. Sie kommt außerhalb der pyrenäischen Halbinsel im vandalischen Afrika und in den ehemals westgotischen und arabischen Teilen Von Südfrankreich Vor. Abgeschafft und durch die christliche ersetzt wurde sie in Arragonien 1349, in Valencia 1358, in Castilien 1388, in Portugal 1422. [6]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Prokop, Gotenkrieg I, 12, 13
  2. Hoops. RdgA. aaO. Bd. II, S. 267 f. (Goldschmiedekunst, § 3.)
  3. MGH. SS rer. Merov., III 620 ff.
  4. Historia Wambae regis in MHG. SS rer. Merov. V 486 ff.
  5. Hoops, RdgA. aaO. Bd. II, S. 205 ff. (Geschichtsschreibung)
  6. Hoops, RdgA. aaO. Bd. IV, S. 486 (Jahreszählung, § 9.)
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