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Dialog-information Dieser Artikel wurde als Kandidat für den "Spotlight" vorgeschlagen. Eine Übersicht über die aktuellen Vorschläge findet sich "hier". Ein paar Hinweise, wie ein guter Artikel der Woche verfasst sein sollte, gibt "diese Anleitung".

Die germanischen Stämme ersetzten während der Völkerwanderungszeit (im 4./5. Jhd.) die Namen der einzelnen Wochentage, die bisher nach den römischen Planetengöttern benannt waren, durch die Namen ihrer eigenen Götter, welche den römischen zu entsprechen schienen (s. Wochengötter, vgl. Zeitmessung).

Beschreibung

Die germanischen Namen der Wochentage sind folgende:

  • 1. Sonntag: Sunúndag, Sunnetac, Sonnentag.
  • 2. Montag: Mánintac, Mondtag.
  • 3. Dienstag: Eritac, Erchtag (Bayern), dagegen Ziestag (Schwaben).
  • 4. Mittwoch: Wódenestag, Godenstag, Gutentag, Gaunstag etc.
  • 5. Donnerstag: Donares Tac, Donrestag.
  • 6. Freitag: Frijetac, Frítac, Vrídag, Fríadag.
  • 7. Samstag: ahd. Sambastac, mhd. Samztac, Sunnúnáband

Bei der Benennung der Tage, die genau wie die Einteilung der Woche, schon vor der Einführung des Christentums erfolgte, läßt sich ein römischer Einfluss, vielleicht über Gallien her, erkennen. Von den ursprünglich wahrscheinlich ägyptischen und um das Ende des 2. Jhs. bei den Römern üblichen astrologischen Namen der sieben Wochentage wurden jene für Sonntag und Montag beibehalten, die übrigen aber durch die Namen der entsprechenden germanischen Gottheiten bezeichnet (s. Wochengötter).

Sonntag

  • 1. SonntagSunúndag, Sonnentag.

Die Woche begann mit dem Sonntag, dem Tag der Sonne (Sol), dem lat. dies Solis, lux Dei, oder auch Frontag, Sunnetac. Allgemein gilt der Sonntag im Volksglauben als glücklicher Tag und wird daher besonders zu Trauungen gewählt; Sonntagskinder sind Glückskinder und können, wie der Sonne nichts unverborgen ist, vieles andern Menschen verborgene sehen und erkennen.

Montag

  • 2. Montag: Mánintac, Montac, Mondtag.

Der Montag hat seinen Namen vom Mond (Mani). Andere Bezeichnungen sind lat. dies Lunae oder auch Montac. Da der Mond mit der Nacht, der Veränderlichkeit, der Dunkelheit verwandt ist, galt der Montag im Volksglauben meist als Unglückstag. An einem Montag durfte man nichts unternehmen, was von Dauer sein sollte, nicht Wäsche waschen, in keine neue Wohnung ziehen, nicht Hochzeit machen, keine Ernte beginnen, keinen Dienst und keine Reise antreten u. dgl. Da aber der Mond bei fast allen Völkern auch als Förderer der Fruchtbarkeit gilt, besonders als zunehmender Mond, ist der Montag wiederum günstig für alles, was wachsen soll, also z.B. zum pflanzen.

Dienstag

  • 3. Dienstag: Ziwes tag, Eritac, Ertag, Erchtag (Bayern), dagegen Ziestag (Schwaben), Zinstag.

Dem römischen Mars (dies Martis - 'Tag des Mars') am Dienstag entsprach der deutsche Ziu (Tyr) oder Er, daher ahd. Ziestac, d.h. Ziwestac, oberdeutsch Zistig, bayerisch Erchtag, Ertag, Eritag. Diese beiden Formen des Dienstags, Eritac und Ziestag, erhielten sich mit geringer dialektischer Umwandlung im Volksmund bis in die Neuzeit. Im Gebiet zwischen Iller und Lech heißt der Dienstag Aftermontag.

  • Ziestag ist vom Gott Ziu (Tyr) bzw. Tíw abgeleitet.
  • Eritag leitet sich nach J. Grimm von einem Gott Eo, Eor, Aer ab. [1]

Die zur Herrschaft gelangte mitteldeutsche Benennung Diestag, Tiestag, Dingstag, das heutige Dinstag oder Dienstag, scheint vom Gott Thingsus (Tyr) herzustammen, dessen Name durch einen Altar überliefert wurde, den Mitglieder eines friesischen Cuneus in Britannien dem Mars Thingsus errichtet haben [2]. Die Römer sprachen diesen Tag Mars als ihrem Schwert- und Kriegsgott zu. Da Tyr (Ziu) bei den Germanen dieselbe Aspekte verkörperte, vertrat dieser in seinem Wochentag den Mars. Infolgedessen wurde bei der Verdeutschung der lateinischen Wochentagsnamen der dies Martis durch Ziwes tag wiedergegeben.[3] Der Dienstag, dem Gott des Krieges, des Schwertes und des Gerichtes geheiligt, war im Volksglauben wichtig für Gerichts- und Vertragssachen, weshalb er auch früher dingstac, d.h. Gerichtstag, genannt und auch für Trauungen und zum Antreten eines Dienstes günstig als geachtet wurde.

Mittwoch

  • 4. Mittwoch: Wódenestag, Wódanesdag, Óðinsdagr, Godenstag, Gutentag, Gaunstag etc.

Der vierte Wochentag, der römische dies Mercurii (Tag des Merkur), wurde auf den Gott Wodan (Odin) übertragen. So schreibt schon Paulus Diaconus über: "Wotan, den die Römer Merkur nennen" [4] Deshalb heisst dieser Tag in allen niederdeutschen und nordischen Sprachen bis heute ahd. Wódenestag, Wódanestag, auch Gudestag, Gudenstag, Godenstag, Gutentag, Gaunstag, Gunstag. In den niederländischen und friesischen Benennungen hat sich der Woensdach, Woensdag, Goensdag, Wernsdey, Wansdey erhalten. Ags. Vódenesdag, engl. Wednes dag, anord. Oðinsdago, schw. und dän. Onsdag. '.

In Oberdeutschland zeigte sich spätestens ab dem 10. Jh. der Vorläufer der heute allgemein übliche Benennung "Mittwoch": mittawecha, später mittwoche, mittwochen, mit einem ergänzend hinzugedachtem "Tag". Dieses Wort verdankt seine Entstehung aller Wahrscheinlichkeit nach rein praktischen Gründen. Im Volksglauben gehörte der Mittwoch dem Gott des Sturmes und Ungewitters, und galt somit als Unglückstag; am Abend fuhren die Hexen aus, nichts was von Dauer sein sollte, durfte angefangen werden. Getraut wurden an diesem Tage nur gefallene Mädchen und Witwen.

Donnerstag

  • 5. Donnerstag: Donares Tac, Donrestag, Donnerstag, ndl. Donderdag.

Der Name des Donnerstags lautete bei den Römern lat. dies Jovis (Tag des Jupiter). Bei den Germanen wurde er überall zum Tag des Gottes Thor (Donar), daher auch Thorstag. Ahd. Toniris tac, mhd. doners-, donres-, dunrestac, engl. thursdag, anord. þórsdagr, schw. u. dän. torsdag. In Bayern und Österreich ist der Name Phinstag, Pfingstag sehr verbreitet, was vermutlich vom griechischen πεμπτη (Pempti) herstammt. Der Donnerstag galt im Volksglauben vor allen anderen Tagen als unheilvoll; manche Arbeit war gänzlich untersagt, weil der Tag ein heidnischer Festtag war: kein Holz durfte gehauen, kein Mist ausgeführt, abends nicht gesponnen werden; sorgfältig musste man allen Zauberschutz beobachten, denn die Hexen hielten Umzug. Da Donar aber auch der Gott der rechtlichen Ordnung war und durch seinen Hammer Gesetz und Vertrag festigte, war der Donnerstag früher, zum Teil auch in der Neuzeit noch, der Gerichtstag.

Freitag

  • 6. Freitag: Frijetac, Frítac, Vridag, Fríadag.

Der Freitag erhielt seinen Namen von der Göttin Frija (nord. Frigg), der Gemahlin Wodans. Die Römer schrieben den 6. Tag der Woche der Venus zu: lat. dies Veneris (Tag der Venus). Andere Namen waren Fro Venustag und Fridach. Im christlichen Volksglauben war der Freitag der verhängnisvollste Wochentag. Je nachdem aber, ob die heidnische oder die christliche Überlieferung überwog, galt er als der glücklichste oder, eher seltener als der unglücklichste Tag. Meist war er der geeignete Tag vor allem für Hochzeiten. Auch Freitagskinder, die am Sonntag getauft wurden, galten den Sonntagskindern gleich.

Samstag

  • 7. Samstag: ahd. Sambastac, mhd. Samztac, westfälisch Saterstag, Saiterstag

Bei den Römern war der 7. Tag der Woche der Tag des Saturn, lat. dies Saturni. Auch im deutschen Raum lassen sich für den alten Namen des Samstages nur niederdeutsche Formen belegen, die auf die römische Bezeichnung hinweisen dies Saturni: westfälisch Saterstag, Saiterstag, ndl. Zaterdag, afries. Saterdei, ne. Saturday. In Nordeuropa setzte sich die Bezeichnung langardagr, d.h. 'Badetag' durch. Die oberdeutsche Form ahd. sambaztac, sambastac, samiztac, mhd. samtez-, samez-, samztac neben sames-, samis-, samstac, nhd. Samstag, franz. samedi stammt aus dem biblischen Sabatum, lat. sabbati dies, dem jüdischen Sabbat (dem 'Ruhetag').

Der zweite, schon früh auftretende althochdeutsche Name sunnún áband, mhd. sunnen ábent ('Sonnabend') bezeichnet den Abend, d. h. den Tag vor dem Sonntag, eine übliche Einteilung des Tages bei den Germanen, wo ein Tag mit dem Abend begann. "Er lässt die Sonne am Vorabend des ihr geweihten Sonntages als zur Ruhe gehend erscheinen, um dann an diesem, dem ersten der Woche, gleichsam mit ihrem Lauf neu zu beginnen."

Der Sonnabend gehörte im heidnischen Volksglauben wahrscheinlich dem Freyr, ahd. fró. Im christlichen Volksglauben sollte an diesem Tag die Sonne scheinen, wenn auch nur zu Mittag drei Minuten lang; denn die Mutter Gottes wollte ihr Hemd trocknen. Am Abend durfte nicht gesponnen werden; denn was man da sponn wurde in der Nacht wieder verdorben oder weggenommen.

Nordeuropa

Die skandinavischen Namen der Wochentage entsprechen den germanischen.

  • Altnordisch: 1. Sunnudagr. 2. Mánadagr. 3. Tyrsdagr, Tysdagr. 4. Oðinsdagr (in Island zeitweilig Mitvikudagr). 5. þórsdagr. 6. Friadagr, Freyjudagr. 7. Laugardagr (- 'Badetag'; hier wich der Gottesname aus ähnlichen Gründen wie beim deutschen 'Mittwoch').
  • Schwedisch: 1. Soendag. 2. Mándag. 3. Tisdag. 4. Onsdag. 5. Thorsdag. 6. Fredag. 7. Lördag.
  • Dänisch: 1. Sóndag. 2. Mandag. 3. Tirsdag. 4. Onsdag. 5. Torsdag. 6. Fredag. 7. Löverdag.

England

Im Englischen haben sich die alten Namen vollständig erhalten:

  • 1. Sunday - ags. Sunnandæg.
  • 2. Monday - ags. Mónandæg.
  • 3. Tuesday - ags. Tíwesdæg.
  • 4. Wednesday - ags. Wódnesdæg.
  • 5. Thursday - ags. þunresdæg.
  • 6. Friday - ags. Frígedæg.
  • 7. Saturday - ags. Sæternesdæg.

Wochengötter

Als Wochengötter bezeichnet man die z.B. römischen Planetengötter, aber auch die germanischen Entsprechungen, als Zuordnung und Namensgeber für die einzelnen Tage der Woche.

Nr. Name Röm. Gott Germ. Gott
1. Sonntag Sonne (dies Solis, lux Dei) Sol, Sunna
2. Montag Mond (dies Lunae) Mani
3. Dienstag Mars (dies Martis) Tyr
4. Mittwoch Merkur (dies Mercurii) Odin (Wodan)
5. Donnerstag Jupiter (dies Jovis) Thor (Donar)
6. Freitag Venus (dies Veneris) Frija (Frigg)
7. Samstag Saturn (dies Saturni) Sonnen-Abend (ahd. sunnún áband)

Kirchliche Bezeichnungen

Der Kirche waren die heidnischen Namenspatrone der Wochentage ein Dorn im Auge, und sie versuchte, sie durch die Zählung zu ersetzen - bei den Germanen jedoch vergeblich - und durch christliche, besonders römisch-katholische Einrichtungen umzubilden. Nur in Island gelang das 1107 einem Bischof, doch hatte die Neuerung keinen langen Bestand [5]. Die Geistlichkeit bezeichnete jedoch, wenn sie lateinisch schrieb, die Wochentage (mit Ausnahme des Samstags und Sonntags) als feriae:

  • 1. Sonntag - dies dominica (sehr selten feria prima)
  • 2. Monday - feria secunda
  • 3. Tuesday - feria tertiä
  • 4. Wednesday - feria quarta, media septimana
  • 5. Thursday - feria quinta
  • 6. Friday - feria sexta
  • 7. Saturday - Sabbatum (selten feria septima bzw. feria sabbatti)

Diese Bezeichnung erfolgte gemäß des sog. Ritus ecclesiasticus, der nach Beda Venerabilis (De ratione temporum c. 8) zuerst von Papst Sylvester I. angeordnet wurde.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Grimm, J. aaO. Bd. I, S. 166 ff.
  2. Ephemeris epigraphica VII n. 1040, 1041; vgl. III n. 85
  3. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 966.
  4. Paulus Diaconus (I 9): Wodan.. qui apud Romanos Mercurius dicitur
  5. vgl. Grimm, J. aaO. Bd. I, S. 105
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